Schwindel mit dem Schwindler-Film

«The Wolf of Wall Street» soll mit kriminellen Geldern finanziert worden sein. Auch die Schweizer Justiz ermittelt.

Den Grossen in Hollywood war die Finanzierung zu riskant: «The Wolf of Wall Street» mit Leonardo DiCaprio. Foto: Paramount Pictures

Den Grossen in Hollywood war die Finanzierung zu riskant: «The Wolf of Wall Street» mit Leonardo DiCaprio. Foto: Paramount Pictures

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Zu Beginn wollte niemand in «The Wolf of Wall Street» investieren, obwohl Leonardo DiCaprio als Hauptdarsteller vorgesehen war. Die wahre Geschichte des Börsenbetrügers Jordan Belfort, die in den 80er-Jahren spielt, klang für die grossen amerikanischen Produzenten zu riskant: zu viele Exzesse, zu viel Kokain, zu viel Machismo. Nichts fürs Massenpublikum, urteilte Hollywood.

Aber dann tauchte eine junge Produktionsfirma auf, die sich bereit erklärte, die notwendigen 100 Millionen Dollar aufzuwerfen: Red Granite Pictures. Martin Scorsese übernahm die Regie, 2013 kam «The Wolf of Wall Street» in die Kinos – und spielte 400 Millionen ein. Red Granite verbuchte fünf Oscar-Nominierungen und galt fortan als DIE Aufsteigerin in der US-Filmindustrie.

Ein 4-Milliarden-Betrug

Nun aber sind starke Indizien dafür aufgetaucht, dass die Finanzierung des Schwindlerfilms selbst auf einem Millionenschwindel fusst, der auch die Schweizer Justiz beschäftigt.

Fahnder verschiedener Staaten glauben, dass die Gelder aus einem malaysischen Staatsfonds abgezweigt wurden, wie das «Wall Street Journal» schreibt. Die Schweizer Bundesanwaltschaft, die in der Sache ermittelt, bestätigte gestern in einer Mitteilung: Es gebe Hinweise, dass Millionen verbotenerweise an eine «Gesellschaft mit Verbindungen zur Filmindustrie» flossen.

Im Zentrum des Skandals um den Staatsfonds 1 Malaysia Development Bhd (1MDB) steht Premier Najib Razak, der zugleich auch den Fonds präsidiert. Ermittler wiesen nach, dass Hunderte Millionen Dollar aus dem Fonds auf seine persönlichen Bankkonten umgeleitet wurden. Razak kämpft seither um sein politisches Überleben.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft schreibt von vier «ausgeklügelten Finanzkonstrukten»; dem Staatsfonds seien bis zu 4 Milliarden Dollar entzogen worden. Die Produktionsfirma Red Granite hat eine starke Verbindung nach Malaysia, ihr Präsident ist der Stiefsohn des Premiers.

Offshore-Firma auf den Jungferninseln

Aus Medienberichten, Justizinformationen und Gesprächen mit Dossierkennern lässt sich zusammenpuzzeln, wie Geld aus Malaysia mutmasslich ins Budget des «Wolf of Wall Street» floss. 1MDB gab 2012 in zwei Tranchen Obligationen heraus, um in Malaysia in Kraftwerke investieren zu können. Ein Arm eines Staatsfonds aus Abu Dhabi, die ­Aabar Investment PJS, bürgte für die Rückzahlung des aufgenommenen Gelds. Im Gegenzug sollte 1MDB 1,4 Milliarden Dollar an Aabar zahlen.

Diese Summe floss aber nie nach Abu Dhabi, sondern an eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln, die verblüffend ähnlich hiess: Aabar Investments PJS Ltd. Allerdings hatte diese Firma mit dem Staatsfonds nichts zu tun, wie Offizielle aus dem Emirat betonen. Vielmehr hatten zwei hohe Manager des Fonds, die inzwischen alle Ämter verloren haben, diese und weitere Offshore-Tarnhüllen aufgesetzt. Von dort aus leiteten sie das Geld weiter, zum Teil in die eigenen Taschen, zum Teil an Dritte, vermuten Ermittler. Und rund 150 Millionen gingen an Red Granite, die Filmproduktion. Mindestens einer der Manager befindet sich heute laut dem Blog «Sarawak Report» in Abu Dhabi in Haft.

Finma: «Keine kleinen Fische»

Die Bundesanwaltschaft bestätigt, dass man für all diese Vorwürfe «Anhaltspunkte» habe. Wie sie gestern bekannt gab, hat sie ihre eigene Untersuchung ausgeweitet. Nun ermittelt sie gegen zwei frühere Organe von 1MDB sowie gegen die beiden Ex-Aabar-Manager. Inzwischen arbeiten Fahnder aus den USA, England, Singapur, Hongkong, Luxemburg, Abu Dhabi und der Schweiz an dem Fall.

Die Bundesanwaltschaft ist dabei, weil zahlreiche Gelder durch den hiesigen Finanzplatz geleitet wurden. Finma-Direktor Mark Branson übte deshalb letzte Woche scharfe Kritik an den fehlbaren Schweizer Banken. Deren Risikoappetit sei zu gross gewesen. Gemeint sind damit vor allem die Institute BSI, Falcon und die einstige Coutts. Vieles habe auf klare Fälle von Korruption hingedeutet, sagte Branson. Und: «Es handelt sich nicht um kleine Fische. Die Höhe der Summen ist enorm.»

Der malaysische Premier, sein Stiefsohn sowie Vertreter von 1MDB bestreiten bis heute jedes Fehlverhalten. Es gibt indessen bislang keine Hinweise, dass die Profite aus «The Wolf of Wall Street» nach Malaysia zurückgeflossen wären. Das malaysische Volk konnte Scorseses dreistündiges Epos noch gar nicht sehen: Nachdem die Zensoren verlangt hatten, über 90 Passagen zu entschärfen, wurde darauf verzichtet, den Film in die dortigen Kinos zu bringen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2016, 21:29 Uhr

Najib Razak,Premier von Malaysia.

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