Billigere Krankenkassenprämien für Apothekenbesucher

Wer sich zuerst beim Apotheker beraten lässt, soll rund 19 Prozent weniger bei der Grundversicherung berappen. Der Ärzteverband kritisiert das neue Versicherungsmodell.

«Wir sparen Geld im Gesundheitswesen»: Viele Fälle könnten auch von Apothekern behandelt werden, so Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig. (17. Januer 2006) Foto: AP Photo/Kai-Uwe Knoth

«Wir sparen Geld im Gesundheitswesen»: Viele Fälle könnten auch von Apothekern behandelt werden, so Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig. (17. Januer 2006) Foto: AP Photo/Kai-Uwe Knoth

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Die Krankenkasse Swica lanciert zusammen mit den Toppharm-Apotheken eine neuartige Krankenversicherung. Kunden, die sich anstelle vom Arzt als erstes vom Apotheker beraten lassen, erhalten rund 19 Prozent Rabatt auf die normale Grundversicherungsprämie. Das Versicherungsmodell sei noch nicht formell abgesegnet, man rechne aber damit, dass es so eingeführt werden könne, sagt Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

Die 687'000 Grundversicherten der Winterthurer Krankenkasse sind bereits heute zu einem grossen Teil in alternativen Managed-Care-Modellen versichert. Konkret sieht die neue Versicherung vor, dass sich Versicherte bei Krankheitsfällen zunächst in speziell zertifizierten Apotheken des Netzwerks Toppharm beraten lassen. Diese über eigens dafür eingerichtete Beratungszimmer und beschäftigten mindestens einen für diese Tätigkeit vom Apothekenverband Pharmasuisse zertifizierten Apotheker.

«Wissen der Apotheker reicht nicht»

Während die Kooperation für die angeschlossenen Apotheken einen gesicherten Mehrumsatz bietet, verspricht sich die Swica tiefere Arztkosten. «Viele Fälle lassen sich in der Apotheke lösen», sagt Sprecherin Silvia Schnidrig. «Wir sparen Geld im Gesundheitswesen, wenn die Versicherten nicht bei jeder Bagatelle erst zum Arzt gehen.» Viele Leute handelten bereits heute so. Mit einem solchen Versicherungsmodell könne man sie belohnen.

Kritik zum neuen Modell kommt vom Ärzteverband FHM. Er bezweifle, dass dieses Modell wirklich die Kosten senke, sagt Verbandspräsident Jürg Schlup. «Der Apotheker wird nur wenige Fälle abschliessend behandeln können.» Für eine Diagnose genügten die Kenntnisse der Apotheker im Vergleich zu jenen der Ärzte nicht, auch wenn die Kompetenzen der Apotheker unlängst erweitert worden seien. «Falls der Apotheker Zusatzuntersuchungen empfiehlt, um seine Diagnose abzusichern, kann es durchaus teurer werden.»

Erstellt: 30.08.2015, 12:17 Uhr

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