George Soros’ Kampf gegen Rechtspopulisten

Der Investor setzt sich mit seiner Milliarden-Stiftung gegen nationalistische Politiker wie Trump ein. Das WEF in Davos ist für ihn auch Bühne.

Streitbarer Investor: George Soros vermachte seiner Stiftung 32 Milliarden Dollar.

Streitbarer Investor: George Soros vermachte seiner Stiftung 32 Milliarden Dollar. Bild: Olivier Hoslet/Keystone

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Eigentlich müsste er sich das nicht mehr antun. Der 87-jährige George Soros könnte es eigentlich ruhiger angehen lassen. Er hat den Holocaust überlebt und ein Vermögen verdient. Doch sucht der aus Ungarn stammende US-Investor die Öffentlichkeit und setzt sich für eine offene und multikulturelle Gesellschaft ein. Dafür legt er sich mit den Mächtigen dieser Welt an – sei es der russische Staatschef Wladimir Putin oder der US-Präsident Donald Trump.

Vor einem Jahr sorgte der Investor mit seinem Auftritt am Weltwirtschaftsforum in Davos (WEF) für Aufsehen. Er sagte damals, Trump sei ein «Blender, Hochstapler und Möchtegerndiktator». Der Investor sei überzeugt davon, dass Trump mit seiner Politik scheitern werde. Soros ist am Treffen der Wirtschaftselite regelmässig zu Gast, und auch dieses Jahr dürfte er wieder die Bühne nutzen und seine Anliegen vertreten.

Der «Financial Times» sagte er kürzlich in einem Interview, dass der Nationalismus heute die bestimmende Ideologie sei. Die EU kämpfe ums Überleben, während Russland wieder eine aufstrebende Macht sei. Mit dem russischen Staatschef Putin verbindet ihn eine Fehde. «Putin mag mich nicht», sagt Soros der FT. Dies wohl, weil Soros einst den georgischen Politiker Michail Saakaschwili unterstützte.

Schmähungen in Ungarn

Soros teilt nicht nur aus, er muss auch einstecken. In Ungarn wurden landesweit Plakate aufgehängt, die den Milliardär direkt angriffen und antisemitische Klischees verbreiteten. Regierungschef Viktor Orbán beschuldigte Soros, er wolle ein vermischtes, muslimisiertes Europa fördern. Dabei wurde Orbán einst selbst von Soros’ Stiftung gefördert. Auch in anderen Staaten, in denen sich Soros engagiert, wird er kritisiert. Teilweise werden auch jene bedroht, die von ihm Gelder erhalten haben.

Video: Proteste für ungarische Soros-Universität

Im April gingen in Budapest Zehntausende Menschen für den Erhalt der Universität von George Soros auf die Strassen.

Je stärker sich Soros’ Stiftung, die Open Society Foundation, in einem Land engagiert, desto grösser wird die Kritik an ihr. Das galt jüngst etwa für Mazedonien, wo Demonstranten bei einem Protestzug Anti-Soros-Plakate mit sich führten. Sie warfen dem Milliardär vor, die lokale Politik zu untergraben. Gegenüber der «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig) gibt der Gönner Soros Einblicke in das Wirken seiner Stiftung. Sie soll sich dafür einsetzen, dass die Herausforderungen der Migration gemeistert werden, dass Korruption bekämpft wird und dass neue Technologien nicht missbraucht werden.

Soros’ Stiftung ist damit der Gegenentwurf zu vielen anderen Förderorganisationen, die lieber im Hintergrund wirken. Sie hat in den letzten Jahren 14 Milliarden Dollar ausgegeben. Unterstützt wurden weltweit Projekte, die demokratische Strukturen fördern. Gegründet hat Soros die Stiftung vor bald 40 Jahren. Insgesamt hat er rund 32 Milliarden seines Vermögens an die Stiftung übertragen.

Soros will weitermachen

Doch Soros gesteht auch ein, dass nicht alle Engagements glücken. So geriet etwa der einstmals von Soros geförderte georgische Politiker Saakaschwili in einen Korruptionsskandal. Er wurde jüngst in der Ukraine zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Politiker will sich aber laut Medienberichten gegen das Urteil wehren.

Die Stiftung sei heute in 140 Ländern tätig und verfolge zahlreiche Projekte. Da können Pannen passieren, auch wenn sie sehr selten seien, heisst es bei der Stiftung. Soros hat noch lange nicht genug. Er wolle die Stiftung noch mindestens fünf Jahre weiterführen, vielleicht sogar länger, wenn es seine Gesundheit zulasse. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2018, 15:55 Uhr

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