Bleibt das Rätsel um den Flash Crash ungelöst?

Die US-Behörden werden möglicherweise niemals einen Auslöser für den drastischen Börsenkurssturz von Anfang Mai finden.

Was war los am 6. Mai 2010? Ratlose Händler an der New York Stock Exchange.

Was war los am 6. Mai 2010? Ratlose Händler an der New York Stock Exchange. Bild: Keystone

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Man habe keine Hinweise gefunden, dass der Vorfall durch Betriebsstörungen des Systems ausgelöst worden sein könnte, erklärte die Aufsichtsbehörde CFTC. Der Kurseinbruch sei weniger eine Folge eines einzelnen Ereignisses, sondern vielmehr auf ein Zusammenspiel von Geschehnissen zurückzuführen, das zu Verwerfungen bei der Liquidität geführt habe. «Es ist möglich, dass wir nie wissen werden, was am 6. Mai geschah», sagte die CFTC-Expertin Jill Sommers am Montag.

Ihr Kollege Michael Dunn erklärte, es hätten wohl mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. Entscheidend sei nun, die Weichen so zu stellen, dass Derartiges nicht mehr passieren könne. Der Dow-Jones-Index hatte damals binnen Minuten 700 Punkte verloren, einen grossen Teil der Verluste dann aber wieder aufgeholt.

Die Behörden untersuchen nun, ob es einen Zusammenhang zwischen Kursverlusten bei Index-Derivaten und dem Einsatz von Stopp-Loss-Aufträgen gibt. Bei diesen Aufträgen werden Wertpapiere automatisch verkauft, wenn sie eine gewisse Schwelle unterschreiten.

Notfall-Gremium

Die Untersuchungen werden von einem Notfall-Gremium unterstützt, zu dessen Mitgliedern unter anderem der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und die ehemalige CFTC-Chefin Brooksley Born gehören, die in ihrer Amtszeit versucht hatte, den Billionenmarkt mit Derivaten zu regulieren.

Die US-Börsenaufsicht SEC will mit Einschränkungen für den Wertpapierhandel auf den Vorfall reagieren. Einem SEC-Vorschlag zufolge soll künftig ein Kurssicherungssystem greifen, wenn sich ein im S&P notierter Einzelwert im freien Fall befindet. Der Handel mit der Aktie soll gestoppt werden, wenn diese innerhalb von fünf Minuten mehr als zehn Prozent nachgibt.

Die Aufsichtsbehörde muss diese neuen Regeln noch bewilligen. Die US-Behörden stehen unter Druck, rasch Massnahmen einzuleiten, um eine Wiederholung der Turbulenzen zu verhindern. Der SEC-Vorschlag bezieht sich bisher nur auf Einzelwerte. Die Behörde will aber weiter über Kurssicherungsregeln für alle Märkte nachdenken. (cpm/sda)

Erstellt: 25.05.2010, 07:54 Uhr

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