Das Hindenburg-Omen sorgt an den Börsen für Unruhe

Steht ein Börsencrash bevor? Wahrscheinlich ja, sagt das Hindenburg-Omen – ein Cocktail voller technischer Indikatoren. Humbug, meinen Kritiker.

Das Symbol für den Absturz: Das brennende Luftschiff Hindenburg in New York am 6. Mai 1937.

Das Symbol für den Absturz: Das brennende Luftschiff Hindenburg in New York am 6. Mai 1937. Bild: Keystone

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Der Name Hindenburg sagt alles: Katastrophe. Es geschah am 6. Mai 1937. Nachdem das deutsche Luftschiff Hindenburg den Atlantik überquert hatte, fing es beim Landeanflug in Lakehurst nahe New York Feuer. 36 Menschen verloren ihr Leben.

Hindenburg hat als Synonym für Absturz Eingang in die Börsensprache gefunden – als sogenanntes Hindenburg-Omen. Als Vater dieses Indikators, der auf bevorstehende Börsentaucher hinweisen soll, gilt Jim Miekka. Der blinde Mathematiker und Börsenbriefverfasser hat technische Phänomene erforscht, die er jeweils vor Börsencrashs beobachtete. Ein Kollege verpasste dann dem Indikator den drastischen Namen Hindenburg-Omen.

Vier Messgrössen

Miekka definierte vier für das Omen massgebende Kriterien:

  • Von den an der New Yorker Börse gehandelten Aktien müssen am Tag X mindestens 2,2 Prozent ein 52-Wochen-Hoch und mindestens 2,2 Prozent ein 52-Wochen-Tief erreichen.
  • Der gleitende Durchschnitt der in New York gehandelten Kurse muss über zehn Wochen steigen.
  • Der McClellan-Oszillator, der sich aus der Differenz zwischen der Zahl der täglich steigenden und fallenden Aktien ableitet, muss negativ sein.
  • Die Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs darf nicht mehr als doppelt so gross sein wie die Zahl neuer 52-Wochen-Tiefs.

Das Hindenburg-Omen ist dann gegeben, wenn alle diese Kriterien erfüllt sind. Und es muss innerhalb von 30 Tagen – als Bestätigung – ein zweites Mal auftreten. Ist das der Fall, gilt Absturzgefahr. Das wohl am meisten zitierte Beispiel, das die Richtigkeit von Miekkas Indikator belegt, ist der Börsencrash von 1987. Damals sandte das Omen zwischen Ende September und Anfang Oktober drei Signale aus. Zwischen dem 15. und 19. Oktober tauchte die Börse.

Das Omen stimmt – manchmal

Nur, es kommt auch vor, dass die Kriterien erfüllt sind, dass das Hindenburg-Omen also Signale sendet, und doch bewegt sich an der Börse nichts. Miekkas Jünger haben damit kein Problem. Sie erklären, dass nicht jedes bestätigte Signal zu einem Börsencrash führen muss, dass es aber vor jedem Crash entsprechende Signale gibt.

Letzte Woche war es an der Börse in New York wieder einmal so weit: Miekkas Kriterien wurden erfüllt. In Internetforen wird seither die Frage heiss diskutiert, ob ein Absturz bevorstehe. Darunter sind auffallend viele kritische Stimmen. Im Forum des «Wall Street Journal» etwa schreibt ein Leser: «Gib mir einen Computer und genug Daten, und ich finde eine Kombination von historischen Umständen, die eine hohe Übereinstimmung haben mit einer Wirkung, die du dir wünschst.» Ein anderer schreibt: «Wenn du die Daten hart genug folterst, kannst du alles finden.»

Experten sind skeptisch

Skeptisch reagieren auch Experten. Martin Janssen, Professor für Finanzmarkt-Ökonomie und Fachmann für Anlagefragen, reagiert kurz und bündig: «Ich bin nicht zuständig für Wahrsagerei.» Und der Verfasser des Börsenbriefs Darwin’s Money schreibt zum Hindenburg-Omen: «Don’t believe the hype» – «Glaub dem Schwindel nicht.»

Das «Wall Street Journal» hat Miekka selbst gefragt, ob Anleger jetzt aussteigen sollten. Seine Antwort: «I’ll be dancing close to the door.» Frei übersetzt: «Ich stehe beim Ausgang, bereit zur Flucht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2010, 22:39 Uhr

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