Der Handelskrieg zeigt bereits Wirkung

Wie die angekündigten Zölle zwischen China und den USA jetzt schon den Weltmarkt beeinflussen. Erklärt an Soja.

Die Gegenmassnahme von China ist noch gar nicht in Kraft, zeigt aber bereits Wirkung auf dem internationalen Markt: Soja-Ernte in Brasilien.

Die Gegenmassnahme von China ist noch gar nicht in Kraft, zeigt aber bereits Wirkung auf dem internationalen Markt: Soja-Ernte in Brasilien. Bild: Keystone

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Der 6. Juli ist das Startdatum eines globalen Handelskriegs, ausgelöst durch den Präsidenten der USA, Donald Trump. Ab dann werden die Amerikaner einen Zollaufschlag von 25 Prozent auf 1100 Güter erheben, die China in die USA exportiert.

Der Wert dieser Exporte beläuft sich auf 50 Milliarden Dollar. Die Chinesen haben ihrerseits bereits angekündigt, mit gleichen Zollaufschlägen auf 545 Produkte zu reagieren, die die USA ihrerseits nach China exportieren. Dabei soll es sich um Agrargüter, Autos und Meeresfrüchte im Wert von 34 Milliarden Dollar handeln.

Die Folgen dieses Handelskrieges bleiben aber weder auf diese beiden Länder beschränkt, noch werden sie erst am 6. Juli Folgen zeitigen. Bereits jetzt werfen sie ihre Schatten voraus und haben negative Folgen für die Weltwirtschaft.

Wenn Unternehmen über bevorstehende Preiserhöhungen oder Lieferschwierigkeiten von in der Produktion benötigten Gütern Bescheid wissen, reagieren sie nicht erst darauf, wenn diese eintreten. Sie passen ihre Produktion so schnell an, wie ihnen das möglich ist.

Elektrolux sistiert Investitionspläne

Und das tun sie bereits jetzt: Ein Beispiel dafür ist der Haushaltgerätehersteller Electrolux aus Schweden. Wegen der Unsicherheit über die Folgen der höheren Zölle verschob das Unternehmen laut einem Bericht in der «New York Times» Pläne, eine Herdfabrik im US-Bundesstaat Tennessee auszubauen. Die meisten Unternehmen dürften sich mit solchen Verlautbarungen zurückhalten, um nicht den Zorn der US-Regierung unter Donald Trump auf sich zu ziehen.

Ausserdem betreffen die Massnahmen auch kleinere, weniger international vernetzte und weniger bekannte Unternehmen, die sich besonders schlecht anpassen können. So haben Autohersteller als Kunden des in der spanischen Stadt Toledo befindlichen Zulieferunternehmens Extol die Abnahmeverträge mit diesem Unternehmen vom üblichen Jahr auf nur noch maximal drei Monate verkürzt. Die Abnehmer wollen sich angesichts der vorherrschenden Unsicherheit nicht mehr langfristig festlegen.

Wie ebenfalls die «New York Times» berichtet, gehen mit der zunehmenden Sorge um den Handelskonflikt bereits jetzt die Warenladungen an den grossen Handelshäfen weltweit zurück. Unternehmen von Deutschland bis Mexiko schränken Bestellungen ein und verschieben Investitionen. Der Luftfrachtverkehr hat in den ersten drei Monaten des Jahres kein Wachstum mehr gesehen, dasselbe gilt für die Frachten auf Containerschiffen.

Eine Störung der Wertschöpfungsketten

Wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schreibt, besteht das grösste Problem eines Handelskrieges nicht in der Gesamtwirkung auf den internationalen Wirtschaftsausstoss oder jenen der betroffenen Länder. Denn es gibt neben Verlierern überall auch Gewinner von höheren Zöllen.

Zu letzteren gehören etwa jene Unternehmen, deren Absatzpreise nun relativ zu den belasteten günstiger werden. Das Problem ist vielmehr die Störung der etablierten Produktions- und Absatzbeziehungen und Wertschöpfungsketten in einer stark wirtschaftlich vernetzten Welt – und die damit verbundene Unsicherheit.

Diese Störung hat Konsequenzen, die noch nicht alle überschaubar sind. Ein einfaches Beispiel für die indirekte Wirkung allein der Ankündigungen sind die Preise für Sojabohnen.

Beispiel Sojabohne

Die Chinesen verspeisen mit wachsendem Wohlstand immer mehr Schweinefleisch. Schweineproduzenten füttern die Tiere hauptsächlich mit Soja aus den USA. Die durch China angedrohten Zölle auf US-Sojabohnen als Vergeltung der US-Massnahmen liessen in den USA in Erwartung einer sinkenden Nachfrage bereits die Preise fallen.

Dagegen rechnen nun Argentinien und Brasilien mit höheren Soja-Exporten nach China. Weil einige europäische Länder ebenfalls auf Soja aus diesen südamerikanischen Ländern angewiesen sind, die durch das US-Angebot nicht ersetzbar sind, müssen sie bereits jetzt in Erwartungen dieses Effekts höhere Preise für deren Soja bezahlen.

Das einfache Beispiel zeigt, wie eine Massnahme, die noch gar nicht eingeführt wurde und vordergründig nur China und die USA betrifft, auch grosse Folgen für ganz andere Länder und andere Produzenten haben kann, wie im Beispiel die Produzenten von Schweinefleisch in China. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.06.2018, 15:05 Uhr

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