Die Insel der Profiteure

Die Färöer gehören nicht zur EU. Somit muss sich das Land nicht an die EU-Sanktionen gegen Russland halten. Für die Lachszucht auf der Inselgruppe sind nun goldene Zeiten angebrochen.

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Einreiseverbote, gesperrte Vermögen, Kriegsschiffe, die nicht geliefert werden. Auch nach der Minsker Vereinbarung über den Konflikt in der Ostukraine halten die Europäer an ihren Strafen gegen Russland fest. Dies hat Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft: Bauern dürfen keine Früchte mehr nach Russland verkaufen, deutschen Elektronikherstellern ist ein ganzer Absatzmarkt weggebrochen.

Doch die Sanktionen und Gegensanktionen haben auch Gewinner hervorgebracht. So zum Beispiel die Färöer, wie das «Wall Street Journal» schriebt. Die Inselgruppe im Nordantlantik gehört nicht zur EU. Somit ist sie seit dem Beginn der EU-Sanktionen zum einzigen Lachs-Lieferanten geworden, der nach Russland liefern darf und auch nahe genug ist, um Frischfisch liefern zu können.

12‘000 Tonnen Lachs

Laut der Zeitung ist der Anteil der Lachsexporte nach Russland allein zwischen September und Dezember 2014 auf 40 Prozent gestiegen; im Jahr zuvor waren es in der gleichen Periode gerade einmal sieben Prozent. In absoluten Zahlen: die Färöer haben in vier Monaten über 12‘000 Tonnen Lachs im Wert von 79 Millionen US-Dollar nach Russland verkauft.

«Wir sind die Glücklichen», sagt Atli Gregersen gegenüber dem «Wall Street Journal». Er ist der Besitzer der Lachszucht Hidden Fjord. Zwölf russische Importeure wollten Lachs bei ihm kaufen; seine Produktion reicht jedoch nur, um vier von ihnen zu beliefern. Regin Jacobsen, Chef des grössten Lachsproduzenten Bakkafrost, dürfte in dänischen Kronen gerechnet zum ersten Milliardär der Färöer geworden sein, so eine dänische Zeitung kürzlich.

Die Färöer sind heute eine unabhängige Nation innerhalb des Königreichs Dänemark. Bereits seit 1948 sind sie autonom, dürfen ihre Handelsbeziehungen also selber bestimmen. Der Export von Fisch ist in dieser Zeit zum wichtigsten Wirtschaftszweig geworden: 2013 machte Fisch 95 Prozent des Gesamtexportes aus; die Fischerei ist für 40 Prozent der Wirtschaftsleistung der 50‘000-Seelen-Nation verantwortlich.

Kritik aus dem In- und Ausland

Dass die Färöer Profiteure der EU-Sanktionen geworden sind, brachte der Inselgruppe sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland Kritik ein. Dänemark warnte den Inselstaat, die Situation nicht «auszunutzen». Und Oppositionspolitiker Sjurdur Skaale warf der Regierung vor, sie falle dem Westen in den Rücken. Premier Kaj Leo Holm Johannesen will von der Kritik nichts wissen: «Die Menschen müssen essen können; Russland braucht Esswaren.» Das habe nichts damit zu tun, dass man dem Westen in den Rücken falle.

Die Lachsproduzenten machen sich derweil bereits Sorgen darüber, wie lange ihr Boom noch anhalten wird. Die Nachfrage aus Russland könnte einbrechen, sollte der Rubel weiter fallen. Und: Moskau könnte das Einfuhrembargo für EU-Produkte lockern, sollte Brüssel dem Kreml in der Ukraine-Krise entgegenkommen. So oder so, die Hoffnung ist, dass die Fischproduzenten auf den Färöern Russland auf die Dauer als neuen Abnehmer gewonnen haben. (kpn)

Erstellt: 21.02.2015, 18:28 Uhr

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