Die Ohnmacht der Bilderberg-Mächtigen

Um das klandestine Treffen von Mächtigen aus Wirtschaft, Politik, Militär und Adel haben sich schon lange Verschwörungstheorien gerankt. Jetzt findet Bilderberg ab Donnerstag in der Schweiz statt. Was uns wirklich droht.

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Die Bilderberg-Konferenz macht alle froh. Dieses Jahr findet dieses Treffen der Mächtigen aus Politik, Wirtschaft, Militär, Medien und Adel vom 9. bis zum 12. Juni im Suvretta House, einem Luxushotel in St. Moritz statt. Vor allem für die Verschwörungstheoretiker ist die Konferenz ein gefundenes Fressen. Sie sehen dahinter ein Geheimtreffen einer nicht gewählten Weltregierung. Besonders beliebt ist sie auch bei all jenen, die ansonsten Schwierigkeiten haben, Adressaten für ihren Frust über alle Ungerechtigkeiten der Welt zu finden. Wenn die Bilderberger schon so viel Macht haben, müssen sie auch für alles verantwortlich sein, so die einfache Logik.

Auch die Medien haben ihre Freude. Mächtige sorgen immer für Schlagzeilen. Und wenn dann noch nicht einmal bekannt gegeben wird, wer überhaupt dabei ist und Journalisten und Fotografen ausgeschlossen sind, wird die Sache besonders spannend. Vom Wirtschaftsforum in Davos her kennen wir die Debatten, die die Mächtigen führen und sie reissen uns nicht vom Hocker. Ganz anders bei den vermuteten und bekannten Treffen hinter verschlossenen Türen. Was dort besprochen wird, ist viel interessanter, gerade weil wir nichts davon wissen. Da kennt die Phantasie keine Grenzen. Und bei der Bilderberg-Konferenz findet alles hinter verschlossenen Türen statt.

Nur die Namen des Steuerungskomitees sind bekannt

Die einzigen bekannten Namen sind die des Steuerungskomitees der Konferenz. Dazu zählen die Schweizer Joseph Ackermann, Chef der Deutschen Bank, und Daniel Vasella, Verwaltungsratspräsident von Novartis. Teilnehmen darf jeweils auch ein Regierungsmitglied des Gastlandes. Diesmal wird es Bundesrätin Doris Leuthard sein. Von früheren Treffen her weiss man, dass sich am Treffen auch aktuelle, ehemalige und künftige Staatschefs die Hände schütteln und Grosskonzerne durch ihre Topmanager vertreten sind. Sogar Christoph Blocher war schon dabei. Im Vergleich zum Weltwirtschaftsforum ist die Teilnehmerzahl aber viel geringer. Es dürften bloss etwas mehr als 100 Personen sein. Gegründet wurde die Konferenz einst vom niederländischen Prinzen Bernhard. Im Hotel Bilderberg – daher der Name – im niederländischen Oosterbeek fand die Konferenz 1954 zum ersten Mal statt.

Das ganze Brimborium um die Konferenz bestärkt wahrscheinlich sogar die Bilderberger selbst in ihrem Glauben ihres unglaublich grossen Einflusses. Vielleicht meinen sie wirklich, dass sie die grossen Macher der Politik, der Wirtschaft und sogar der Geschichte sind. Die frustrierende Wahrheit ist allerdings, dass selbst diese Leute nur wenig am Gang der Dinge ändern können, zumindest nicht im beabsichtigten Sinn. Frustrierend ist das, weil das jede Hoffnung zerstört, dass wir die Entwicklung der Märkte, der Gesellschaften und letztlich sogar der Geschichte in den Griff bekommen können. Wenn die aktuellen Mächtigen es falsch machen, dann müssten es wenigstens bessere Mächtige sein, die dazu in der Lage wären. Wenn aber gar niemand dazu in der Lage sein kann, dann stützt und schützt uns nichts. Daher kommt die innige Hassliebe solchen Konferenzen gegenüber. Sie vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit.

Die beruhigende Illusion der Macht

Diese Geborgenheit hat eine weitere Ursache: Wenn alles, was auf der Welt passiert, letztlich auf kühle Interessen einiger weniger zurückgeht, dann müssen wir uns nicht vor Entwicklungen sorgen, die gar niemandem nützen können, die getrieben sind von irrationalem Hass oder irgendeiner Art von ungelenktem Massenwahn. Wenn Interessen einiger Weniger im Hintergrund der Geschehnisse stehen, können wir diese analysieren und daraus Schlüsse und Wahrscheinlichkeiten zu weiteren Entwicklungen ableiten und uns entsprechend positionieren. Leider versagt meist auch das. Die Entwicklungen sind grösstenteils ungewiss.

Ein Blick auf die reale Welt da draussen müsste das doch eigentlich klar machen. Die Finanzkrise vor zwei Jahren hat selbst die mächtigsten Banker überrascht und schockiert. Sie haben sich als ziemlich unfähig dabei erwiesen, nur schon ihre eigene Branche zu verstehen. In der Eurokrise rennt die Politik den Ereignissen offensichtlich hinterher und sie schafft es nicht, die Probleme in den Griff zu bekommen. Wer hat die Bewegungen in Nordafrika prognostiziert? Wer kann sagen, zu was sie am Ende führen? Mächtige Wirtschaftsführer werden rasch machtlos, wenn neue Innovationen ihre Produkte überflüssig oder zu teuer machen. Politiker, die die Stimmung in der Bevölkerung nicht wahrnehmen, sind nicht lange am Ruder. Die scheinbar Mächtigen sind mehr die Getriebenen als die Gestalter der Prozesse auf den Märkten und in der Gesellschaft.

Gruppendenken als einzige Gefahr

Und darin liegt der eigentliche Zweck solcher Treffen: Es geht nicht darum, die geheime Regierung der Welt abzusprechen, sondern darum, im gegenseitigen Austausch die Geschehnisse da draussen besser zu verstehen. Dabei kann es allerdings passieren, dass sich bei den Debatten unter solchen Leuten mit einem vergleichsweise abgehobenen Lebensstil ein spezielles Gruppendenken durchsetzt und man zu Erklärungsmustern findet, die sich am Ende als besonders untauglich erweisen. Darin besteht die einzige Gefahr.

Erstellt: 07.06.2011, 14:22 Uhr

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