Euro knackt die Marke von 1.15 Franken

Der Aufwärtstrend des Euro ist offenbar nicht zu bremsen. Bereits hat der Kurs gegenüber dem Franken die nächste Schwelle überschritten.

Die Gewichte verschieben sich: Waage mit Franken- und Euromünzen.(Archiv)

Die Gewichte verschieben sich: Waage mit Franken- und Euromünzen.(Archiv) Bild: Martin Rütschi/Keystone

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In den letzten Tagen hat der Schweizer Franken gegenüber den gängigsten Währungen markant an Wert eingebüsst. Viele Experten gehen davon aus, dass der Franken noch auf absehbare Zeit schwächeln wird. Eine gute Nachricht ist dies für Firmen mit einem hohen Kostenanteil in Franken.

Am kräftigsten verlor der Franken gegenüber dem Euro. Bereits am Mittwoch kletterte die europäische Einheitswährung erst einmal vorübergehend auf über 1.15 Franken. Am Donnerstag nach Börsenschluss kostete ein Euro 1.151 Franken.

Der Franken war seit dem Januar 2015 nie mehr so schwach: Euro-Franken-Wechselkurs während der letzten Woche. (Screenshot: «Finanz & Wirtschaft»)

Nach wie vor ein Plus zum Dollar

Damit erreichte die Einheitswährung gegenüber der Schweizer Währung den höchsten Stand seit Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015. Alleine seit Dienstag vor einer Woche errechnet sich für den Franken ein Minus von etwas mehr als 3 Prozent. Zum Dollar büsste er gleichzeitig um die 1,7 Prozent ein.

Der Franken ist seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro um 7 Prozent schwächer geworden. Zum Dollar resultiert hingegen nach wie vor ein Plus von knapp 5 Prozent. Beobachter halten denn auch fest, dass sich die europäische Einheitswährung zuletzt nicht nur gegenüber dem Franken deutlich festigen konnte.

Frankenschwäche voraussichtlich von Dauer

Laut Experten ist die Eurostärke oder umgekehrt die Frankenschwäche kein vorübergehendes Ereignis. Sie verweisen auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und der seither nahe gegen Null tendierenden Gefahr eines Auseinanderbrechens Europas. Mit Emmanuel Macron sei ein ausgesprochener Befürworter der gemeinsamen Währung in den Elysée Palast eingezogen.

Noch im Frühjahr hatten viele Investoren einen Sieg der europakritischen Kontrahentin Marine Le Pen befürchtet und im Franken Zuflucht gesucht. Weil die Bedeutung des Frankens als sicherer Hafen zusehends nachlässt, werden diese Vermögen wieder abgezogen. Von einem regelrechten Dammbruch ist im hiesigen Devisenhandel inzwischen zu hören.

Was macht die EZB?

Hinzu kommt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihren milliardenschweren Wertpapierkäufen schon bald auf die Bremse treten könnte. So rechnen beispielsweise die Ökonomen der UBS in Europa für den Rest des Jahres mit einer Teuerung innerhalb des Zielbandes von 1,3 bis 1,5 Prozent.

Ihres Erachtens nach könnte die EZB schon anlässlich ihres geldpolitischen Entscheids vom 7. September, spätestens aber am 26. Oktober, eine Drosselung der monatlichen Wertpapierkäufe von 60 Milliarden Euro auf 40 Milliarden Euro ankündigen und das Kaufprogramm über eine Zeitspanne von sechs bis neun Monaten dann sogar ganz auslaufen lassen. Noch unklar sei, ob die EZB auch gleich den negativen Einlagesatz für Geschäftsbanken aufheben wird.

Sollte sich der Euro gegenüber dem Dollar in den kommenden Wochen weiter festigen, könnte die EZB aber durchaus auch auf Zeit spielen und den Entscheid hinauszögern, ist weiter zu hören. Denn eine allzu starke europäische Einheitswährung gefährdet die wirtschaftliche Belebung in Europa.

SNB dürfte an ihrem Kurs festhalten

Noch in Geduld üben müssen sich die hiesigen Geschäftsbanken. Zumindest wenn es nach den Ökonomen von Goldman Sachs geht, dürfte die SNB der jüngsten Frankenschwäche zum Trotz an ihrem bisherigen geldpolitischen Kurs festhalten. Mit anderen Worten: Die amerikanische Investmentbank glaubt nicht, dass sich an den negativen Einlagezinsen in der Schweiz so schnell etwas ändern wird. Derzeit erhebt die SNB einen Negativzins von 0,75 Prozent.

Selbst die zuletzt wieder Fahrt aufnehmende Schweizer Wirtschaft stärkt den Franken offensichtlich nicht. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der als vorauseilender Indikator bekannte Einkaufsmanager-Index im Juli überraschend stark auf 60,9 Punkte gestiegen ist. Positiv überraschten am gleichen Tag auch die Detailhandelsumsätze für Juni sowie der Konsumentenstimmungs-Index für Juli.

Kurs hat heftige Auswirkungen

Bekanntlich sind die angrenzenden Länder die wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Etwas mehr als die Hälfte der Exporte gehen nach Europa. Zweitwichtigster Handelspartner sind die USA, gefolgt von China und Japan. Somit hat ein steigender oder fallender Franken-Kurs starke Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft.

Wie die Aktienstrategen von Morgan Stanley ermittelt haben, werden im laufenden Jahr bei den an der Schweizer Börse SIX gehandelten Unternehmen durchschnittlich je etwas mehr als 30 Prozent des Umsatzes in Euro und in Dollar anfallen. Unter dem Strich profitieren vor allem Firmen mit einem hohen Kostenanteil in Franken von den jüngsten Verschiebungen im Wechselkursgefüge.

(rub/fal/sda)

Erstellt: 03.08.2017, 18:46 Uhr

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