Fed garantiert Nullzins

Historische Entscheide der US-Notenbank in Washington: Die Federal Reserve will ihre Zinspolitik für weitere drei Jahre beibehalten. Und sie veröffentlicht erstmals ein Inflationsziel.

Sieht immer noch grosse Risiken für die Weltwirtschaft: Notenbank-Chef Ben Bernanke bei seiner Rede in Washington am 25. Januar 2012.

Sieht immer noch grosse Risiken für die Weltwirtschaft: Notenbank-Chef Ben Bernanke bei seiner Rede in Washington am 25. Januar 2012. Bild: AFP

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Die Fed will ihre Nullzinspolitik für weitere rund drei Jahre beibehalten und damit deutlich länger als an den Finanzmärkten erwartet.

Vor Ende 2014 sei wegen der konjunkturellen Malaise der Vereinigten Staaten wahrscheinlich nicht mit einer Erhöhung des aktuell bei 0 bis 0,25 liegenden Leitzinses zu rechnen, teilte die Federal Reserve heute nach einer Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) mit.

«Kein bedingungsloses Versprechen»

Notenbankchef Ben Bernanke betonte, die Fed wolle «kein bedingungsloses Versprechen» abgeben, wie lange sie den Leitzins tatsächlich noch so niedrig halten wird. Der Fed-Chef sagte, sollte sich der Arbeitsmarkt nicht wie erhofft erholen und die Inflationsrate niedriger als von den Notenbankern gewünscht ausfallen, sei die Zentralbank bereit, ihre Geldpolitik weiter zu lockern.

Dies hänge davon ab, wie schnell die Konjunktur wieder rund laufe. Er könne der Wirtschaft nicht bescheinigen, dass sie bereits in einer stärkeren Phase sei, sagte Bernanke. Und selbst wenn sich die Konjunktur leicht bessern würde, wären die aktuell niedrigen Zinsen seiner Ansicht nach weiterhin sinnvoll.

«Erhebliche Risiken»

Die US-Notenbank wiederholte heute ihre Konjunktureinschätzung, nach der sie moderates Wachstum über die nächsten Quartale erwartet, während die Arbeitslosigkeit nur schrittweise zurückgeht. Die gegenwärtigen Probleme der Weltwirtschaft unterdessen «stellen immer noch erhebliche Risiken für den Wirtschaftsausblick dar», warnte die Fed weiter. Die Inflation sieht die Notenbank derweil im Griff.

Der Internationale Währungsfonds erwartet in seinem jüngsten Weltwirtschaftsausblick in den USA ein Wachstum von 1,8 Prozent in diesem und 2,2 Prozent im nächsten Jahr. Damit liegen die Vereinigten Staaten deutlich über dem Durchschnitt der Industrienationen.

Der eingeleitete Anleiheaustausch (»Operation Twist»), durch den die Notenbank ihr Anleiheportfolio von kurz- in langlaufende Papiere umschichtet, solle fortgeführt werden, hiess es. Auf diese Weise sollen langlaufende Zinsen gedrückt werden. Ziel ist zudem, die Attraktivität von Aktien zu stärken und die Märkte anzukurbeln.

Die Entscheidung, noch bis Ende 2014 an Niedrig-Zinsen festzuhalten, fiel mit nur einer Gegenstimme im FOMC. Jeffrey Lacker hätte es bevorzugt, keine konkreten Zeitrahmen zu nennen, hiess es.

Historische Offenheit

Zusätzlich zu den anderen Neuerungen veröffentlichte die Fed heute in einem historischen Schritt zum allerersten Mal in ihrer fast hundertjährigen Geschichte ein Inflationsziel, wie es andere Notenbanken wie die Europäische Zentralbank(EZB) oder die Bank von England längst haben: auch die Federal Reserve peilt nun langfristig eine maximale Steigerung der Preise um zwei Prozent an.

Allerdings könne es durchaus Gründe geben, höhere Inflationsraten zuzulassen, sagte Bernanke mit Blick auf die übergeordneten Ziele der Fed. Diese soll im Gegensatz etwa zur EZB nicht nur auf stabile Preise achten, sondern auch für Wirtschaftswachstum und möglichst Vollbeschäftigung sorgen.

(kle/sda)

Erstellt: 25.01.2012, 23:08 Uhr

Börse reagiert

Der Dow Jones drehte ins Plus, nachdem die Fed überraschend erklärt hatte, den Leitzins bis mindestens Ende 2014 bei fast null Prozent zu lassen. Die Sorgen über die Euro-Schuldenkrise und eine ungeordnete Staatsinsolvenz Griechenlands traten damit in den Hintergrund.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss rund 0,7 Prozent fester bei 12'758 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 12'580 und 12'778 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,9 Prozent auf 1326 Zähler.
(SDA)

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