Prognose

Immobilienpreise steigen nur noch bis 2013

Niedrige Zinsen, hohe Zuwanderung und Finanzmarktkrise: Seit Beginn des Jahrtausends sind die Immobilienpreise in der Schweiz unaufhaltsam gestiegen. Doch nächstes Jahr soll damit Schluss sein.

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Auch in den letzten 12 Monaten sind die Immobilienpreise in der Schweiz wieder um 6 Prozent angestiegen. «Doch im nächsten Jahr erwarten wir einen Höchststand», erklärt Patrick Schnorf von Wüst & Partner gegenüber baz.ch/Newsnet. Die Immobilienberatungsfirma präsentierte am Donnerstag auf 200 Seiten ihr halbjährlich erscheinendes Immobilienmonitoring.

Zum ersten Mal seit Jahren prognostizieren die Immobilienexperten ein Abflachen des jahrelangen Preisanstiegs. «In vielen Regionen ist nicht mehr viel Luft für weitere Preissteigerungen», so Schnorf. Deswegen rechnen die Experten damit, dass die Immobilienpreise 2013 einen Höchststand erreichen und zumindest nicht weiter ansteigen. Die weitere Entwicklung des Immobilienmarktes hänge dann sehr stark von der Konjunktur ab. Zurzeit seien schweizweit 70'000 Wohnungen im Bau. Damit komme im nächsten Jahr eine Rekordzahl neuer Wohnungen auf den Markt. «Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass sich das Bevölkerungswachstum abschwächt», so Schnorf. Zunehmen werde die Bevölkerung aber weiter.

Hypothekenregulierung wirkt

Die restriktivere Vergabepolitik bei Hypotheken hat sich laut Wüest & Partner bereits im 3. Quartal 2012 auf die Nachfrage ausgewirkt. Vor allem im Segment der relativ preisgünstigen Eigentumswohnungen beobachte man bereits leichte Preisabschläge. «Normalerweise macht sich die Abschwächung eines Booms zuerst im Hochpreissegment bemerkbar. Doch höhere Eigenkapitalanforderungen und der eingeschränkte Zugriff auf Pensionskassengelder zeigen vor allem bei Käufern Wirkung, die sich eine eigene Wohnung nur knapp leisten können», erklärt Schnorf.

Bevölkerung wächst weiter

Insgesamt bleibt die Nachfrage nach Immobilien laut Wüst & Partner aber hoch. «Die Zinsen sind nach wie vor rekordtief, die Wirtschaft wächst in der Schweiz weiter, und auch die Zuwanderung wird sich fortsetzen», sagt Schnorf. Auf längere Sicht rechnet Wüst & Partner sogar mit einer stärkeren Zuwanderung als das Bundesamt für Statistik (BFS). Während das BFS beispielsweise für den Kanton Zürich bis 2030 mit 160'000 zusätzlichen Einwohnern rechnet, geht Wüest & Partner von zusätzlich 350'000 Bewohnern aus. Im Kanton Waadt rechnet Wüest & Partner mit einer Bevölkerungszunahme von 250'000 Menschen, das BFS in seinem mittleren Szenario mit lediglich 150'000.

Für die ganze Schweiz rechnen die Immobilienberater bis 2030 mit einer Wohnbevölkerung von 9,4 Millionen Menschen. «Wenn für alle genügend Wohnraum geschaffen werden soll, wird das für die Raumplanung eine grosse Herausforderung», sagt Schnorf. Doch nicht nur die Zuwanderung sorgt für eine weiterhin grosse Nachfrage nach Wohnungen. Die Tendenz zu kleineren Haushalten hält an, durchschnittlich leben in einem Schweizer Haushalt gerade noch 2,2 Personen. «Auch das erhöht den Bedarf an Wohnungen», so Schnorf. Zudem steige die von einer Person beanspruchte Quadratmeterzahl weiterhin.

Neuralgische Hotspots

Die Hotspots des Immobilienmarktes bleiben dieselben wie bisher: Zürich samt Agglomeration, Genf, die Genferseeregion und Basel-Landschaft. Dazu kommen Regionen in Graubünden und im Wallis, in denen eine grosse Nachfrage nach Zweitwohnungen herrscht. In der neuesten «Fieberkarte» des Wohneigentumsmarkts sind mehr Gemeinden mit einer «sehr grossen» Überhitzungsgefahr aufgelistet. Deren Zahl hat sich um 16 auf 118 der insgesamt 2485 Gemeinden erhöht. Sie liegen gemäss dem «Immo-Monitoring» weiterhin am Genfer- und Zürichsee, in einzelnen Gebieten in der Innerschweiz sowie in wenigen touristischen Regionen.

Die Nachfrage nach teuren Wohnungen wird an Standorten wie Zürich oder Zug weiter bestehen bleiben. Zum einen, weil hier sehr viele einkommensstarke Personen wohnen beziehungsweise hinzukommen, zum anderen, weil Kantone wie Zug, Nidwalden und Schwyz gerade für diese Personen steuerlich sehr attraktiv sind. In lediglich vier Gebieten der Schweiz dürften Immobilien langfristig deutlich günstiger werden: Im Toggenburg, in der Surselva, im Jura und im Val de Travers geht die Bevölkerung weiter zurück. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.10.2012, 17:12 Uhr

Rekordangebot an Mietwohnungen

Im ersten Halbjahr 2012 wurden in der Schweiz pro Quartal 120'000 Wohnungen zur Miete angeboten und damit so viele wie noch nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Anstieg 1 Prozent oder 20'000 Wohnungen. Das zeigt die Branchenstudie von Wüest & Partner. Da zusammen mit der Zahl der ausgeschriebenen Mietwohnungen auch die Nachfrage wuchs, hat sich die Situation für Wohnungssuchende entsprechend wenig verbessert. Die Zahl der leer stehenden Mietwohnungen ist nur geringfügig auf 30'900 Wohnungen gestiegen. Pro 1000 Menschen stehen damit gegenwärtig in der Schweiz im Mittel 3,1 Mietwohnungen leer.

Auffallend ist dabei, dass vor allem mehr teurere Wohnungen zu haben sind. So hat der Anteil der Mietwohnungen, die für mehr als 1700 Franken ausgeschrieben seien, seit 2005 von 26 auf gut 38 Prozent zugenommen. Wohnungen mit einer Nettomiete von unter 1000 Franken gibt es dafür weniger. Ihr Anteil liegt mittlerweile bei unter 20 Prozent. 2005 lag dieser Wert noch bei fast 25 Prozent. Auf der anderen Seite ist seit 2005 das Hochpreissegment stetig gewachsen. Der Anteil an Wohnungen mit einer Nettomiete von über 2400 Franken pro Monat liegt derzeit bei rund 8 Prozent, während er vor sieben Jahren noch unter 5 Prozent lag. (sda)

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