Legt sich UBS-Chef Ermotti mit US-Justiz an?

Laut Insidern will die Schweizer Grossbank lieber einen Prozess riskieren, als sich mit dem US-Justizministerium zu einigen. Der Entscheid sei aber noch offen.

Kein Mann für den schnellen Kompromiss: UBS-CEO Sergio Ermotti.

Kein Mann für den schnellen Kompromiss: UBS-CEO Sergio Ermotti. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Die UBS will lieber einen Prozess riskieren, als einen Deal mit dem US-Justizministerium einzugehen. Das schreibt heute die britische Finanzzeitung «Financial Times» mit Bezug auf gut unterrichtete Kreise. Dabei geht es um den Verkauf von komplexen Hypothekenprodukten, sogenannten «Residential Mortgage-backed Securities». Konkret sind in diesen Produkten mehrere Hypotheken gebündelt. Der Handel mit diesen und noch komplexeren Hypotheken hatte einen wichtigen Anteil am Ausbruch der Finanzkrise von 2008.

Sollte der Bericht zutreffen, würde sich das Vorgehen der UBS deutlich von jenem der Credit Suisse und der Deutschen Bank unterscheiden. Die beiden haben sich im Dezember mit dem US-Justizministerium je auf eine Milliardenzahlung geeinigt. 5,3 Milliarden Dollar bezahlt die Credit Suisse insgesamt. Davon entfallen 2,48 Milliarden auf eine Busse, und 2,8 Milliarden muss die Grossbank den Geschädigten solcher Hypothekenverkäufe verteilt über fünf Jahre überweisen. Die Deutsche Bank hat sich auf eine Busse von 3,1 Milliarden und auf Entschädigungszahlungen von 4,1 Milliarden Dollar geeinigt und damit auf eine Gesamtsumme von 7,2 Milliarden Dollar. Obwohl es sich bei den Zahlungen um gigantische Summen handelt, wurden im Vorfeld für beide Banken noch sehr viel höhere Summen befürchtet.

Vorbild Barclays Bank

Verweigert hat sich einer Einigung allerdings schon damals die britische Barclays Bank. Von deren Beispiel sei nun die UBS inspiriert worden, schreibt die «Financial Times» mit Bezug auf die ungenannten Quellen. Ein endgültiger Entscheid sei bei der UBS allerdings noch nicht gefällt worden. Er hänge davon ab, welche Forderungen das DoJ letztlich stelle. Bei der UBS selbst nimmt man zum Bericht inhaltlich keine Stellung. Ein Sprecher meinte bloss, Gerüchte und Spekulationen kommentiere man nicht.

Dass die UBS ein solches Vorgehen wählt, ist aber dennoch wahrscheinlich. Schon im Zusammenhang mit Vorwürfen der französischen Justiz, die der UBS Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorwirft, hat sich die Grossbank gewehrt und an die Gerichte gewandt. Im Fall des Hypothekenverfahrens mit dem US-Justizministerium kommt dazu, dass es sich hier nicht um eine Strafklage geht, sondern um ein zivilrechtliches Vorgehen. Das bedeutet, dass ein Scheitern vor Gericht für die UBS weit weniger schlimme Konsequenzen hätte als im Fall einer strafrechtlichen Verurteilung.

Mehr Luft als die Credit Suisse

Die Konsequenzen sind daher vor allem finanzieller Art. Und bei der UBS geht man nicht von einer Summe aus, wie sie etwa die Credit Suisse zu bezahlen hatte. Von Analysten wurde sie im Vorfeld auf rund 2,5 Milliarden Franken geschätzt. In der Bilanz zum Ende des vierten Quartals 2016 hat die UBS aber nur Rückstellungen von 1,4 Milliarden Dollar für alle RMBS-bezogenen Verfahren vorgenommen. Da die UBS aber über ein etwas dickeres Kapitalpolster als ihre Konkurrentin CS verfügt, kann sie sich einen Poker mit den US-Behörden eher leisten. Anders als die Lokalkonkurrentin ist die UBS bei ihrem strategischen Umbau zudem schon deutlich weiter fortgeschritten. Auch deshalb ist sie weniger unter Druck, solche Konfliktfelder raschestmöglich zu beseitigen.

Anlässlich der Präsentation zum vierten Quartal hat UBS-CEO Sergio Ermotti auf die Frage eines Analysten zum Vorgehen seiner Bank im Zusammenhang mit dem Verkauf von Hypothekenprodukten denn auch erklärt, man halte sich alle Optionen offen. Bevor man aber etwas entscheide, wolle man zuerst die Fakten sehen. Die Bank könne sich aber Zeit lassen.

Für ein Zuwarten und gegen eine rasche Einigung mit dem US-Justizministerium spricht auch, dass dieses unter der neuen Administration unter Donald Trump eine andere, möglicherweise den Banken freundlicher gesinnte Haltung einnehmen könnte als unter der einstigen Obama-Administration. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2017, 13:23 Uhr

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