Millionäre könnten mehr für das Gemeinwohl tun

Die Schweizer spenden im Durchschnitt viermal mehr als Deutsche und Franzosen. Die Millionäre im Land sind dagegen knauseriger als Briten und Amerikaner.

Zeigen sich nur mässig spendabel: Millionäre in der Schweiz.

Zeigen sich nur mässig spendabel: Millionäre in der Schweiz. Bild: Keystone

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Thierry Lombard verkörpert zwei typische Eigenschaften eines Genfer Privatbankiers. Er ist wie seine Vorfahren ein gewiefter Geldvermehrer und gleichzeitig ein Menschenfreund.

Als Senior-Partner leitete Lombard bis 2008 das Bankhaus Lombard Odier & Cie. Und als Philanthrop engagiert er sich in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen und präsidiert zum Beispiel die Stiftung für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), welche die Privatwirtschaft zu Spenden für die weltberühmte humanitäre Organisation animiert.

Kein Wunder also, dass die nach dem Gründungsjahr der Privatbank benannte gemeinnützige Fondation 1796 die Initiative ergriff, um die Philanthropie in der Schweiz zu stärken.

Gemäss einer gestern bei Lombard Odier in Genf vorgestellten Studie zählt die Schweiz zu den spendenfreudigsten Ländern in Europa. Ein typischer Deutschschweizer spendet pro Jahr 400 bis 500 Franken, ein Romand rund 200 Franken. Im Durchschnitt sind die Menschen in beiden Sprachregionen viermal grosszügiger als ihre deutschen und französischen Nachbarn.

Die Schweiz zählt ausserdem rund 12 000 gemeinnützige Stiftungen; pro Tag wird zudem mehr als eine Stiftung neu gegründet. Das Gesamtvermögen dieser Einrichtungen wird auf ungefähr 30 bis 80 Milliarden Franken geschätzt. Pro Jahr schütten sie 1 bis 2 Milliarden Franken für verschiedenste gemeinnützige Zwecke aus.

Stiftungslandschaft zersplittert

Diese organisierte Wohltätigkeit krankt jedoch daran, dass die Schweizer Stiftungslandschaft zersplittert ist. Die meisten Stiftungen bleiben klein: Mehr als ein Drittel von ihnen startet mit einem Vermögen von weniger als 1 Million Franken; jede sechste bringt es nicht einmal auf einen Betrag von 250 000 Franken. Jeder und jede schaut am liebsten für sich allein. Vier Fünftel aller Stiftungen werden ehrenamtlich geführt – mit viel gutem Willen, aber häufig wenig professionell.

Zusammenarbeit wäre wichtig

Bei den hohen Einkommen setzt die Studie ein Fragezeichen hinter die Schweizer Spendierfreudigkeit. Für die Verfasser war es zwar wegen des Bankkundengeheimnisses schwierig, verlässliche Zahlen zu finden. Aber als Indikator benutzten sie das Verhältnis des Gesamtvermögens aller Stiftungen zum verwalteten Vermögen von sehr wohlhabenden Privatkunden. Das sind Personen, die – Eigenheim und Hausrat ausgenommen – mehr als 1 Million US-Dollar Geldvermögen besitzen.

«Die vermögendsten Schweizer Einwohner könnten mehr tun», folgert die Studie. In Grossbritannien beispielsweise beläuft sich das Stiftungsvermögen auf 16 Prozent des verwalteten Vermögens der Millionäre, in den USA auf 7,5 Prozent, in der Schweiz jedoch auf nur 1 bis 2 Prozent.

Ob dies auf andere Traditionen des Mäzenatentums oder auf kulturelle Unterschiede zwischen Angelsachsen und Schweizern zurückzuführen ist, konnten die Förderer der Philanthropie in Genf nicht sagen. Für Reiche, die sich als Wohltäter betätigen wollten, sei eben die «Infrastruktur in der Schweiz viel bescheidener als in den USA», sagte die Generalsekretärin der Fondation 1796, Karin Jestin.

Die Philanthropie in der Schweiz soll «fruchtbar und vielseitig» (Jestin) bleiben. Aber um ihre Wirkung zu verbessern, müssten Stiftungen mehr zusammenarbeiten.

Startkapital für Studierende

Als gelungenes Beispiel nannte Philipp Egger, der die Gebert-Rüf-Stiftung (Gründer der Firma Geberit) leitet, die Initiative Venture Kick. Seit Herbst 2007 spannen fünf gemeinnützige Stiftungen zusammen, um Studierenden und Forschenden an Hochschulen finanziell einen «Kick» zu geben, damit sie vielversprechende Geschäftsideen anpacken. Bisher prüfte Venture Kick 125 Projekte und löste mit einem Startkapital à fonds perdu von bis 130 00 Franken ein Finanzierungsvolumen von 45 Millionen Franken für Jungfirmen mit mehr als 500 Arbeitsplätzen aus. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.06.2010, 23:11 Uhr

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