«Noch unsere Kinder und Enkel werden darunter leiden»

Deutsche Wirtschaftsexperten planen den Aufstand: Die Massnahmen zur Eurorettung seien verheerend, schreiben sie in einem Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Riesige Verluste absehbar: Ökonom Hans Werner-Sinn.

Riesige Verluste absehbar: Ökonom Hans Werner-Sinn. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Während die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti Einigkeit demonstrierte, nimmt der Widerstand gegen die Eurorettung in ihrem eigenen Land ein neues Ausmass an. Am Freitag wollen laut «Handelsblatt» und «Spiegel» über 150 Wirtschaftswissenschaftler einen Aufruf veröffentlichen, der vor den Entschlüssen des letzten EU-Gipfels warnt. Der Entwurf dazu liege den beiden Nachrichtenportalen vor.

Geplant wurde der Appell vom Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in München, Hans Werner-Sinn. Er kritisierte schon früher die EU-Massnahmen zur Eurorettung. Dass er seine Beanstandungen nun gemeinsam mit weiteren Ökonomen ausspricht, verleiht seiner Stimme deutlich mehr Gewicht. Unter den Unterzeichnern befinden sich renommierte Experten wie der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit, Klaus Zimmermann, und Charles Blankart, Professor für Öffentliche Finanzen der Berliner Humboldt-Universität und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium.

«Geholfen wird der Wallstreet»

Den Ökonomen stösst vor allem die geplante Bankenunion sauer auf: Die Bankschulden seien fast dreimal so gross wie die Staatsschulden und lägen bei den fünf Krisenländern im Bereich von 9 Billionen Euro. «Es ist schlechterdings unmöglich, die Steuerzahler, Rentner und Sparer der bislang noch soliden Länder Europas für die Absicherung dieser Schulden in die Haftung zu nehmen, zumal riesige Verluste aus der Finanzierung der inflationären Wirtschaftsblasen der südlichen Länder absehbar sind.»

Gerettet werde nicht der Euro oder die Europäische Union, mit den Beschlüssen würde «in erster Linie der Wallstreet, der City of London und einer Reihe maroder ausländischer Banken geholfen, die nun weiter zulasten der hart arbeitenden Bürger anderer Länder, die mit alledem wenig zu tun haben, ihre Geschäfte machen dürfen».

Würde man der Vergemeinschaftung der Haftung für die Bankschulden zustimmen, wäre Deutschland immer wieder dem Druck ausgesetzt, diese Summen zu vergrössern. Streit und Zwietracht mit den Nachbarn seien vorprogrammiert: «Noch unsere Kinder und Enkel werden darunter leiden.»

(kle)

Erstellt: 05.07.2012, 10:49 Uhr

Bildstrecke

Chronologie der Eurokrise

Chronologie der Eurokrise Europas Wirtschaft weht noch immer ein rauher Wind entgegen. Ausser Deutschland sind bereits alle grossen EU-Länder in den Sog der Schuldenkrise geraten.

Artikel zum Thema

«Und dann gehen wir alle gemeinsam unter»

Interview Der renommierte deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn kritisiert die Euro-Rettungsschirme – und fordert eine Rosskur. Die maroden Staaten müssten noch einmal ganz von vorne beginnen. Mehr...

Die lange Nacht von Brüssel

Der Italiener Mario Monti hat am EU-Gipfel hoch gepokert und zusammen mit dem Spanier Mariano Rajoy gewonnen. Angela Merkel kehrt erstmals nicht als Siegerin nach Hause. Mehr...

Monti erwartet höheres Haushaltsdefizit

Nach ihrem Treffen in Rom sind Angela Merkel und Mario Monti vor die Presse getreten. Während Merkel ihre Kritiker zu besänftigen versuchte, musste Monti schlechte Neuigkeiten verkünden. Mehr...

Paid Post

Hotels und Flüge günstiger buchen

Buchen Sie Ferien über Plattformen wie Ebookers, Booking oder Expedia? Dann sollten Sie diesen Spartipp unbedingt kennen.

Kommentare

Blogs

Mamablog Dumm, dümmer, Kita-Kind?
Wettermacher Liebe Holzöfeler...
Tingler Botox und Wahn

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Sie bringen Licht ins Dunkel: Die Angestellten einer Werkstatt in Tuntou, China, fertigen Laternen in Handarbeit. Diese werden als Dekoration für das chinesische Neujahrsfest dienen, das Anfang Februar stattfindet. (Januar 2019)
(Bild: Roman Pilipey/EPA) Mehr...