Put, Gold, raus – Soros wettet auf Absturz

Die Investoren-Legende riecht einen Taucher und handelt. Die gute Nase bewies er schon im Kampf gegen die Bank of England.

Sieht vor allem aus China und Europa grosse Gefahren für die Weltwirtschaft: Hedgefonds-Legende George Soros an einem Treffen des Internationalen Währungsfonds.

Sieht vor allem aus China und Europa grosse Gefahren für die Weltwirtschaft: Hedgefonds-Legende George Soros an einem Treffen des Internationalen Währungsfonds. Bild: Manuel Balce Ceneta/Keystone

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Wenn George Soros seine Meinung kundtut, dann hört man auf den Kapital- und Währungsmärkten hin. Der Mann hat sich nicht nur als Intellektueller mit einer Reihe von Büchern und als Philantrop einen Namen gemacht. Noch viel wichtiger ist: Seine Aussagen können bedeuten, dass Anleger Geld gewinnen oder eben verlieren können. Denn Soros, der im August seinen 86. Geburtstag feiert, wurde schon als «Boss der Bosse» der Hedgefonds-Betreiber bezeichnet. Zweifellos ist er die schillerndste Figur dieser noch immer eher klandestinen Anlagegesellschaften, die mit viel Geld auf unterschiedlichste Entwicklungen auf den Märkten und in der Weltwirtschaft wetten. Letzteres ist vor allem die Spezialität von Soros.

Noch mehr Bedeutung hat es, wenn Soros seine Meinung noch nicht einmal kundtat, sondern sich diese direkt in seinen Anlageentscheidungen spiegelt. Und diese Entscheide machen deutlich: Soros wettet gegen die Weltwirtschaft. Er, der noch 2011 von einer «ultimativen Blase» im Goldmarkt sprach (tatsächlich fiel der Preis der Goldunze in den darauffolgenden fünf Jahren von 1800 auf rund 1000 Dollar pro Unze), setzt jetzt selber auf das Edelmetall. Allerdings kauft er dieses nicht direkt, sondern über Investitionen in Goldminenaktien. So hat er über 19 Millionen Aktien des Unternehmens Barrick Gold Corp. gekauft und eine Million Aktien von Sliver Wheaton Corp.

Puts auf den S&P-500-Index

Gold hatte immer wieder den Ruf, ein Anlagerettungsanker in unsicheren Zeiten zu sein. Noch deutlicher wird aber die wirtschaftliche Skepsis von Soros, indem er gleichzeitig auch mit Put-Optionen gegen den S&P-500-Index wettet, also auf einen Absturz oder eine deutliche Korrektur am US-Aktienmarkt setzt. 2,1 Millionen solcher Put-Optionen hat er erworben, ausserdem hat er sein bestehendes Engagement an der Börse deutlich reduziert. Eine Put-Option bedeutet, dass er Aktien aus dem Index oder Indexderivate zu einem vereinbarten Preis bis zu einem festgelegten Datum verkaufen kann und so einen Gewinn einstreicht, wenn der Wert der Papiere unter diesen Preis fällt.

Bekannt wurden diese Investments durch Eingaben, die Soros bei der US-Börsenaufsicht im letzten Quartal machen musste. Per E-Mail hat der Grossinvestor dem US-Finanzorgan «Wall Street Journal» seinen Pessimismus zur Weltwirtschaft bestätigt. Er erwarte negative Veränderungen zum Schlechten, meinte er. Die grössten Gefahren ortet er in China und in Europa, vor allem weil an beiden Orten die Verantwortlichen die politischen und ökonomischen Probleme nicht im Griff hätten.

In China werde der Konflikt innerhalb der kommunistischen Partei zum geplanten Umbau der Wirtschaft weitergehen und die Kapitalflucht werde anhalten – mit weltweiten Konsequenzen. Die Entwicklung in China würde insbesondere dazu führen, dass der deflationäre Druck weltweit anhalte, das Preisniveau also weiterhin eher sinke, als zu steigen, und der Lohndruck gross bleibe. Unter diesen Umständen würde auch die Profitabilität der Unternehmen weiter leiden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone unter der Last der Flüchtlingskrise, den anhaltenden Herausforderungen um Griechenland und den Folgen der Debatte um einen Austritt Grossbritanniens (Brexit) kollabiert, hält Soros für hoch. Von einem Ja zum Brexit in Grossbritannien geht Soros dennoch nicht aus. Das spiegle sich auch im relativ stabilen Kurs des britischen Pfunds.

Der Schatten von 1992

Nicht nur die Positionierung von Soros lässt aufhorchen – auch die Tatsache, dass er selbst überhaupt wieder an den Märkten aktiv wird. Das letzte Mal hat er das im Jahr 2007 getan, als er gegen den US-Häusermarkt gesetzt und damit letztlich mehr als eine Milliarde Dollar Gewinn erzielt hat. Ansonsten überliess Soros seinen rund 30 Milliarden schweren Familien-Hedgefonds (Soros Fund Management LLC) anderen Managern.

Zu Ruhm – aber auch zu viel Widerwillen – hat es George Soros im Jahr 1992 mit seinem damaligen Quantum-Hedgefonds gebracht. Damals wettete er auf eine Abwertung des britischen Pfunds gegen die britische Notenbank. Das heisst, er nahm Kredite auf, um das Pfund gegen andere Währungen zu verkaufen. Sein Kalkül: Die Notenbank würde das zu teure Pfund angesichts der schwachen inländischen Wirtschaftslage nicht lange verteidigen können, auch wenn sie das angesichts der Erfordernisse des damaligen Europäischen Währungssystems hätte tun müssen. Die Rechnung von Soros ging auf: Grossbritannien trat aus dem Währungssystem aus und wertete das Pfund ab, das Soros entsprechend billiger zurückkaufen konnte. Mit diesem Deal verdiente er eine Milliarde Dollar.

Ob Soros mit seinem neuen Engagement Erfolg haben wird, bleibt vorerst offen. Zumindest mit seinem Investment in Goldminenunternehmen dürfte er viel Geld verdient haben. Die Aktie hat seit Jahresbeginn um rund 160 Prozent zugelegt. Allein seit dem Ende des ersten Quartals soll Soros mit dieser Anlage laut «Wall Street Journal» 90 Millionen Dollar verdient haben. Auch die Aktien von Silver Wheaton haben seit dem Beginn des zweiten Quartals um 28 Prozent zugelegt. Weniger erfolgreich ist bisher dagegen die Wette gegen den US-Aktienmarkt: Der S&P-500-Index zeigt bisher im Wesentlichen nur eine Richtung: die nach oben. Für ein Urteil dazu ist es dennoch zu früh – auch weil nicht bekannt ist, auf welche Preise und Fristen die Put-Optionen von George Soros lauten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.06.2016, 14:58 Uhr

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