Warum die Nationalbank nicht pleite geht

Ex-Notenbanker Niklaus Blattner kritisiert Blochers Warnung vor einem Konkurs. Zwei Besonderheiten sorgen dafür, dass die Verluste der Nationalbank kein Problem darstellen.

Starker Franken, schwacher Euro: Für die Nationalbank ist es nicht immer einfach, den Kurs zu halten.

Starker Franken, schwacher Euro: Für die Nationalbank ist es nicht immer einfach, den Kurs zu halten. Bild: Keystone

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Christoph Blocher fürchtet um das Überleben der Nationalbank (SNB). Im Interview mit der BaZ von gestern sagte der Alt-Bundesrat (SVP), bei weiteren Devisenverlusten der Bank geschehe das «Unmögliche»: «Dann geht die Nationalbank pleite.» Er fordert denn auch den Rücktritt von SNB-Präsident Philipp Hildebrand.

Blocher verweist auf die Verluste von gegen 26 Milliarden Franken, die der SNB voraussichtlich für das Geschäftsjahr 2010 erwachsen, weil ihre immensen Bestände an Euro und Dollar an Wert verloren haben. Die SNB müsse sich mit der Grossbank UBS vergleichen lassen, findet Blocher. Diese hatte sich mit ihren Milliardenverlusten aus dem US-Hypothekengeschäft an den Rand des Ruins geschäftet und musste am Ende von der Nationalbank und der Eidgenossenschaft gerettet werden. «Heute rätseln wir darüber, was wir bei einem Konkurs der Nationalbank machen müssten», warnt der SVP-Politiker.

Auch ohne Reserven keine Pleite

Doch Blocher liegt falsch. Eine Zahlungsunfähigkeit der Nationalbank ist sehr unwahrscheinlich. Zwar stimmt es, dass die SNB mit ihrer Intervention einen grossen Verlust verursacht hat. Das Eigenkapital dürfte dieses Jahr denn auch deutlich abnehmen und hauptsächlich noch aus den rund vierzig Milliarden Franken Rückstellungen für Währungsrisiken bestehen. Doch selbst wenn auch diese aufgebraucht würden, wäre die SNB nicht bankrott.

«Herr Blocher vergisst, dass man die Bilanz der Nationalbank nicht mit jener der EMS-Chemie vergleichen kann», sagt Niklaus Blattner. Der Basler Ökonom war bis 2007 Mitglied des Direktoriums der Nationalbank. Zwei Gründe sorgen dafür, dass es für die SNB kein existenzielles Problem ist, wenn ihre Reserven abnehmen: Solange Vertrauen in den Franken besteht, kann die SNB jederzeit selber Geld schaffen. «Sie kann zum Beispiel für 40 Rappen eine Tausendernote drucken lassen und mit dieser harte Assets, zum Beispiel Gold, kaufen», erklärt Blattner vereinfachend. Im Alltag druckt die Bank weniger Geld, als dass sie den Banken Franken in Form von Buchgeld zur Verfügung stellt. Selbst wenn ihre Reserven schrumpfen, verfüge die SNB daher über eine unbeschränkte Liquidität. Die einzige Grenze, welche die SNB kraft Gesetz einhalten müsse, sei die Preisstabilität. «Das ultimative Kapital einer Zentralbank ist das Vertrauen in die von ihr ausgegebene Währung», sagt Niklaus Blattner. «Solange eine Nachfrage nach Franken besteht, gibt es keinen Bankrott der Nationalbank.»

Vertrauenskrise löst Problem auf andere Art

Sollte das Vertrauen in den Franken indes schwinden, löste sich das Problem der Bilanz-Unterdeckung auf eine andere Weise. Die Schulden der Nationalbank sind in Franken definiert – etwa in Form von ausgegebenen Banknoten oder Giroguthaben der Geschäftsbanken. Auf der Aktivseite der Bilanz jedoch stehen als Vermögenswerte vor allem die so stark angewachsenen Divisenbestände in Euro und Dollar sowie Anlagen in Gold.

Wenn nun der Franken an Wert verlöre, stiegen die Bewertungen von Dollar, Euro und Gold automatisch an und damit schwände auch das Loch in der Kasse der Nationalbank. Oder wie es Blattner bildlich ausdrückt: «Wenn der Franken in den Keller saust, explodiert das Eigenkapital der Nationalbank.» Nicht die Bilanz sei das Problem der SNB, betont Blattner, sondern die Gewährleistung der Preisstabilität und die Aufrechterhaltung des Vertrauens in den Franken. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.01.2011, 13:02 Uhr

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