Was im UBS-Uni-Vertrag wirklich steht

Exklusive Rechte der UBS an der Uni? Was wurde genau vereinbart im 100-Millionen-Sponsoringvertrag? Professor Ernst Fehr und der Geschäftsführer des neuen UBS-Centers nehmen Stellung.

Das UBS-Logo soll laut dem Vertrag in allen Zusammenhängen mit dem Sponsoring aufleuchten: Eingang zum UBS-Sitz in Paris. (27. November 2013)

Das UBS-Logo soll laut dem Vertrag in allen Zusammenhängen mit dem Sponsoring aufleuchten: Eingang zum UBS-Sitz in Paris. (27. November 2013) Bild: Keystone

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Seit die UBS mit der Errichtung des UBS Center of Economics die Volkswirtschaftliche Abteilung der Universität Zürich sponsert, hat das für viel Aufregung gesorgt. Immerhin stellt die Grossbank in diesem Zusammenhang hundert Millionen Franken für die Bezahlung von Lehrstühlen und Forschungsaktivitäten zur Verfügung. Schon kurz darauf haben 27 Professoren im sogenannten «Zürcher Appell» ein Ende dieser Zusammenarbeit zwischen Universität und UBS und generell dieser Art von Sponsoring verlangt. Sie sehen darin eine Gefährdung der universitären Freiheit.

Über die Details des Vertrags zwischen der Universität Zürich und der UBS konnte bisher nur spekuliert werden. Die beiden Parteien haben vereinbart, diesen geheim zu halten, ausser sie würden durch einen Rechtsakt gezwungen, ihn öffentlich zu machen. Das ist jetzt geschehen. Zwei Journalisten – einer von der «Wochenzeitung», ein anderer von der «Zeit» – haben per Gericht die Veröffentlichung des Vertrags erzwungen. Eingeschwärzt bleiben die Passagen, die sich auf konkrete Zahlungen beziehen.

Alles heisst UBS

Im Vertrag wird zumindest bestätigt, was Professoren aus dem «Zürcher Appell» bereits moniert haben: Das Marketing der Grossbank spielt eine grosse Rolle: Das UBS-Logo soll in allen Zusammenhängen zum gesponserten Center erscheinen.

Selbst ein Hörsaal könnte laut dem Vertrag – mit Verweis auf die hohe Zahlung der UBS – den Namen UBS International Center tragen. Genau festgelegt ist das aber nicht. Im Vertrag heisst es bloss, die Universität werde sich um eine solche Massnahme bemühen («endeavour»). Auf diese Einschränkung verweist denn auch Roman Studer, Geschäftsführer des UBS Center. Nach Angaben der Universität wird es so einen Hörsaal aber nicht geben.

Studer sieht im Sponsoring der UBS ohnehin keine Gefahr. Dieses ist üblicherweise damit verbunden, dass der Name des Sponsors viel Platz einnimmt. International seien solche Regeln auch alles andere als aussergewöhnlich und selbst in der Schweiz kein Novum. Dabei verweist der Geschäftsführer auf das Rolex Learning Center der ETH Lausanne.

Garantierte Unabhängigkeit der Forschung

Im empfindlichsten Bereich – der Unabhängigkeit der Forschung – enthält der Vertrag keine beunruhigenden Passagen. Sie ist klar zugesichert. Problematisch könnte in diesem Zusammenhang erscheinen, dass laut Vertrag ein Vertreter des UBS-Verwaltungsrats im Beratungsgremium des Volkswirtschaftlichen Instituts der Universität Einsitz nehmen darf. Dabei handelt es sich um den UBS-Verwaltungsratspräsidenten Axel Weber. Laut Geschäftsführer Roman Studer habe dieses Gremium keinerlei Einfluss auf die Forschung. Dass der Vorsitzende dieses Gremiums Urs Rohner sei, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, zeige ausserdem, dass sich die UBS hier keinen ungebührlichen Einfluss erkauft habe. Die CS zahlt anders als die UBS trotz dieser Einsitznahme gar nichts.

Dass im Zentrum nicht einfach Grossbanken ihre Interessen durchsetzen können, zeigt sich laut Professor Ernst Fehr, Präsident des Centers, auch daran, dass an der letzten öffentlichen Veranstaltung im November selbst berühmte Bankenkritiker wie Martin Hellwig zu den wichtigsten Referenten gezählt hätten.

Eingeschränkte Exklusivität

Wie der Vertrag unter den Exklusivitätsrechten durch die UBS festhält, darf für die auf zehn Jahre festgesetzte Dauer des Sponsorings kein anderer Anbieter ein weiteres solches Sponsoring anbieten. Allerdings bezieht sich diese Einschränkung nur auf ein Sponsoring gleich grossen Ausmasses und nur auf die volkswirtschaftliche Abteilung. Studer sagt dazu, es sei dadurch bloss ausgeschlossen, dass gleichzeitig zum Beispiel auch noch ein Credit Suisse Center in derselben Abteilung möglich würde. Laut Vertrag darf aber selbst dort noch ein Lehrstuhl durch andere Sponsoren finanziert werden.

Die Professoren des «Zürcher Appells», die für baz.ch/Newsnet nicht zu erreichen waren, sind mit Blick auf Verträge wie jenem mit der UBS besonders besorgt darüber, dass die Universität als öffentlich finanziertes Institut ausgewählten Kreisen besondere Vorteile verschaffen könnte. Eine Passage im Vertrag gibt dieser Sorge Nahrung, denn da heisst es, dass UBS-Beschäftigte und ausgewählte Kunden privilegierten Zugang zu Veranstaltungen und Kursen des Centers haben sollen. Laut dem Geschäftsführer des Centers, Roman Studer, hat auch das in der Praxis eine eingeschränkte Bedeutung: Anlässlich von öffentlichen Veranstaltungen würde man Leuten von der UBS besondere Plätze zur Verfügung stellen.

Vertraulichkeit im Sponsoring üblich

Bleibt die Frage, wieso der Vertrag überhaupt geheim bleiben sollte. Laut Studer entspricht das dem üblichen Vorgehen im Sponsoringbereich. Der Zweck davon nicht nicht eine Verheimlichung gegenüber der breiten Öffentlichkeit. Es gehe für die Universität vor allem darum, sich durch die Offenlegung der genauen Vereinbarungen mit einem Sponsor keine strategischen Nachteile bei den Verhandlungen mit anderen Sponsoren einzuhandeln.

Der Vertrag zeigt aber auch, was sich die Universität und insbesondere die volkswirtschaftliche Abteilung von der Zusammenarbeit mit der UBS verspricht. Das Institut kann durch die Mittel der Bank international führende Forscher engagieren und selbst Stipendien an besonders befähigte Studierende auszahlen. Der eigentliche Zweck soll darin bestehen, eine Weltklasseinstitution zu errichten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.11.2013, 15:19 Uhr

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