Madrid will Firmen in Katalonien den Wegzug erleichtern

Erste Unternehmen verlegen ihre Hauptsitze weg von Katalonien – Dutzende weitere sinnieren darüber. Madrid will ihnen auf die Sprünge helfen.

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Der Katalonien-Konflikt hat nun auch Konsequenzen im Bankensektor: Die spanische Banco Sabadell werde ihren Hauptsitz aus der gleichnamigen Stadt in Katalonien weg verlegen und nach Alicante an der Costa Blanca umziehen, berichtete das spanische Fernsehen am Donnerstag.

Dies habe das Direktorium des fünftgrössten Geldhauses des Landes bei einer Sondersitzung entschieden. Der Sabadell-Aktienkurs war zuletzt im Zuge der Krise stark gefallen. Medien berichtete, Dutzende, ja Hunderte weitere Banken und Firmen könnten dem Beispiel folgen.

Madrid will den Unternehmen dabei offensichtlich unter die Arme greifen, wie die Nachrichtenagentur «Reuters» berichtet. Gemäss zwei Insidern plane die Regierung am morgigen Freitag ein Dekret zu erlassen, dass es Firmen erlauben würde, eine Verlagerung des Firmensitzes zu beschliessen, ohne eine Aktionärsversammlung abzuhalten – was das Verfahren erheblich beschleunigen würde.

Auch Caixabank sinniert über Absprung

Auch das drittgrösste spanische Geldhaus Caixabank prüft eine Verlagerung seines rechtlichen Sitzes bei einer Sitzung am Freitag. Für einen dauerhaften Umzug der Caixabank wäre allerdings die Zustimmung einer Aktionärsversammlung nötig.

Das angeblich von Madrid geplante Dekret sei wie auf Caixabank massgeschneidert, berichten Insider der Nachrichtenagentur «Reuters». Die Bank prüfe allerdings auch andere Lösungen wie einen vorübergehende Verlagerung des Sitzes, die möglicherweise einfacher umzusetzen seien. Ein Banksprecher erklärte, es sei bislang keine Entscheidung gefallen.

Oryzon geht nach Madrid

Am Mittwoch hatte bereits das Biotech-Unternehmen Oryzon seinen Abzug aus Katalonien angekündigt. Die Firma werde ihren Sitz von Cornellà de Llobregat im Grossraum Barcelona nach Madrid verlagern.

An der Börse wurde der Entscheid goutiert: Nach der Ankündigung legte die Aktie zwischenzeitlich über 30 Prozent an Wert zu. Auch am Donnerstag blieb der Kurs über 10 Prozent höher.

Richter verbieten Parlamentssitzung

In Spanien versucht das Verfassungsgericht, die geplante Unabhängigkeitserklärung Kataloniens auszubremsen. Die obersten Richter untersagten am Donnerstag das für Montag geplante Zusammentreten des Regionalparlaments in Barcelona.

Nach den Vorstellungen des katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont sollte die Proklamation der Loslösung von Spanien bei der Sitzung erfolgen. Die separatistische Regierung hat sich bereits über andere Urteile des Verfassungsgerichts hinweggesetzt.

Auch das Unabhängigkeitsreferendum vom vergangenen Sonntag in Katalonien war demnach unzulässig. Bei der umstrittenen Volksabstimmung am Sonntag hatte sich bei einer Wahlbeteiligung von rund 43 Prozent eine grosse Mehrheit für eine Unabhängigkeit der Provinz ausgesprochen.

(mch/sda)

Erstellt: 05.10.2017, 19:23 Uhr

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