Das will Trump am WEF erreichen

US-Präsident Trump hat mit dem «Geist von Davos» nichts am Hut. Er wird das WEF im Gegenteil für seine Agenda nutzen.

Taugt Donald Trump als Tourismusmagnet für Davos? Video: Tamedia/SDA.

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Klaus Schwab macht sich wenig Illusionen: «Es ist offensichtlich, dass wir in einer zersplitterten Welt leben, die durch eine Polarisierung charakterisiert wird.» Diese ernüchternden Worte sagte der Gründer des Weltwirtschaftsforums WEF in einem Interview mit der US-Finanzzeitung «Wall Street Journal». Diese Erkenntnis muss hart sein für ihn, der am WEF in Davos jedes Jahr im Januar die Wirtschaftsführer der Welt versammelt und auch eine grosse Anzahl an Staatslenkern. Dieses Jahr werden es rund 60 sein. Immerhin sieht Schwab einen wichtigen Zweck seines WEF darin, die Zusammenarbeit international zu fördern und eine Polarisierung zu überwinden.

Video - Was ein Republikaner in der Schweiz über Trumps Auftritt denkt

James Foley ist nicht überrascht, dass Trump nach Davos kommt. Video: Tamedia/SDA

Einer der dieses Jahr anwesenden Präsidenten ist Donald Trump aus den USA. Ausgerechnet Trump, der alles tut, um die Polarisierung der Welt noch weiter zu befördern. Noch im Vorjahr hat er seiner frisch gekürten Regierung verordnet, sich von Davos fernzuhalten. Das war konsequent. Denn Trump hat immer klargemacht, dass er gegen alles steht, wofür Davos steht. Im Wahlkampf hat er versprochen, den «Sumpf trockenzulegen». Mit dem Sumpf war das Establishment aus Wirtschaft und Politik gemeint, das über den Köpfen des gemeinen Volkes Entscheide fällt. Die wichtigste globale Veranstaltung dieses «Sumpfes» ist das WEF in Davos.

Gegen alles, wofür Davos steht

Der Einzige, der noch entfernt als Vertreter der Trump-Regierung in Davos bezeichnet werden konnte, war im Vorjahr Anthony Scaramucci. Er trat dort damals als Berater von Trump auf und machte an den Veranstaltungen, an denen er teilnahm, der Weltelite unmissverständlich klar, dass sie die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt habe. Sie hätte nicht mit Trumps Wahl gerechnet, weil sie zu weit weg sei von den Sorgen der einfachen Leute. Tatsächlich: Die Davos-eigene Schwärmerei von der weltweiten Vernetzung und Globalisierung wird bei diesen Menschen nicht geteilt. Im Gegenteil: Viele sehen sich als Opfer dieser Entwicklung und viele waren es in Bezug auf verlorene Jobs und Einkommensmöglichkeiten auch. Sie waren es, die Trumps Versprechen geglaubt und ihn ins Präsidentenamt gehievt haben.

Gleich im Amt hat Trump auch alles getan, was dem viel beschworenen «Geist von Davos» zuwiderläuft. Von internationalen Handelsabkommen, wie der Trans-Pazifischen-Partnerschaft, dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen und vom Pariser Klimaabkommen hat er sich distanziert oder gleich verabschiedet. Abschottung und Protektionismus stehen bei ihm offen auf dem Programm. Dafür setzt er nicht nur Drohungen gegen heimische Unternehmen und andere Staaten ein, selbst die neue Steuergesetzgebung verfolgt diesen Zweck. Nicht, dass das seinen Wählern helfen würde. Profitieren tun in ersten Linie die Allerreichsten. Die ohnehin schon dramatisch gewachsene Ungleichheit in den USA wird durch seine Politik noch grösser.

Video - «Trump wird uns mit irgendeinem Blödsinn blamieren»

Die amerikanische Sängerin Renee Rousseau engagiert sich in der Schweiz für die Demokraten. Video: Tamedia/SDA

Die Teilnahme von Trump am WEF bedeutet nun nicht im Geringsten, dass der US-Präsident sich dem Anspruch der Veranstalter angenähert hat. Dieser Anspruch besteht darin, durch das Versammeln der Weltelite an einem zurückgezogenen Ort in den Schweizer Bergen, an Veranstaltungen und persönlichen Gesprächen bessere Lösungen für die anstehenden Weltprobleme zu finden und die Zusammenarbeit zu fördern. Gleich mit der Ankündigung von Trumps Teilnahme hat seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders deutlich gemacht, was der Präsident in Davos will: Er begrüsse «die Gelegenheit, seine ‹Amerika zuerst›-Agenda mit den Weltführern weiterzubringen». Es gehe ihm in Davos darum, «die Unternehmen und Beschäftigten der USA zu stärken». Das ist das perfekte Gegenprogramm zum Anspruch, den das WEF an sich selber stellt. Statt dass sich Trump dem WEF annähert, will er diesem den Stempel seines Programms und seiner Ideologie aufdrücken.

Nicht bei allen ist er unwillkommen

Es wäre naiv, zu glauben, dass die Chefs der grössten Unternehmen und ihr Stab nach Davos reisen, um die internationale Zusammenarbeit zu fördern und die Welt zu verbessern. In erster Linie verfolgen sie dort ihre Geschäftsinteressen. Und weil gleich alle da sind, bieten sich dafür besonders gute Gelegenheiten. Ebenfalls naiv zu glauben wäre, dass Trump am WEF bei allen unwillkommen ist. Viele – vor allem die zahlreich anreisenden Amerikaner – verdanken ihm die Steigerung ihres Reichtums. Und er tut alles, dass das so weitergeht. Es waren deshalb schon im letzten Jahr viele Amerikaner, die die Skepsis gegenüber Trump kaum verstehen konnten.

Doch der Vertreter der nach wie vor grössten Weltmacht kann nicht bloss den Profit im Auge haben – auch nicht den unmittelbaren politischen Profit bei seinen Wählern. Ob er es will oder nicht, trägt er durch seine Macht Verantwortung für die Welt. Und wenn er diese Verantwortung missachtet, gefährdet er letztlich auch sein eigenes Land und seine Wähler.

Das hat Klaus Schwab klar erkannt. «Ich denke, wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir keine gemeinsamen Werte mehr haben, wie sie seit dem Ende des Kalten Krieges weltweit vorgeherrscht haben», erklärte der WEF-Gründer dem «Wall Street Journal». Über Donald Trump sagte er in diesem Zusammenhang: «Und es ist beunruhigend, dass der mächtigste Mann dieser Welt die Führung nicht mehr wahrnimmt, die erwartet wird.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.01.2018, 17:03 Uhr

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