Kontroverser Klima-Tipp des WWF: Schweizer sollen weniger arbeiten

Wer weniger arbeitet, konsumiert weniger und belastet demnach auch weniger das Klima. Mit dieser Milchbuchrechnung propagiert der WWF die Teilzeitarbeit in der Schweiz.

Teilzeitarbeit als Mittel zum Klimaschutz: Die Armee räumt vom Murgang betroffene Häuser in Spino GR. (4. Oktober 2017)

Teilzeitarbeit als Mittel zum Klimaschutz: Die Armee räumt vom Murgang betroffene Häuser in Spino GR. (4. Oktober 2017) Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Jeder kann zum Klimaschutz beitragen, Tipps dafür gibt es genügend. Zum Beispiel weniger mit dem Flugzeug in die Ferien verreisen, weniger Fleisch essen, sowie Hahnen- statt Mineralwasser trinken – und neu auch weniger arbeiten. Der WWF propagiert in der neuen Ausgabe seines Magazins die Teilzeitarbeit als Mittel zum Klimaschutz.

Die Umweltorganisation gibt denn auch sogleich eine Empfehlung ab, um wie viel das Arbeitspensum für Mutter Natur idealerweise gesenkt wird. Wer 100 Prozent arbeitet, soll auf 80 Prozent reduzieren – sprich einen Tag weniger pro Woche arbeiten. «Damit sinkt das Einkommen ebenfalls um 20 Prozent und entsprechend kann man 20 Prozent weniger konsumieren», begründet der Kommunikationsbeauftragte Philip Gehri den Ratschlag gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Auf diese Weise, rechnet der WWF vor, sinke der CO2 um 2,6 Tonnen pro Jahr – und diese Berechnung basiert auf wissenschaftlichen Fakten. Eine Untersuchung des Bundesamts für Umwelt (Bafu) hat gezeigt, dass ein Schweizer pro Jahr CO2-Emissionen in der Höhe von 13 Tonnen verursacht. 20 Prozent weniger entsprechen einer Reduktion von 2,6 Tonnen.

Zu einfache Rechnung

Laut «NZZ am Sonntag» stösst diese Kalkulation allerdings auf Skepsis. Das Konzept des freiwilligen Verzichts sei bereits in den achtziger Jahren gescheitert, sagt Frank Krysiak. Zudem sage das Arbeitspensum einer Person noch nichts über deren Konsumverhalten aus, so der Professor für Umweltökonomie der Universität Basel. «Meine Ferien oder den Fleischkonsum kann ich selber steuern. Hingegen kann es sich nicht jeder leisten, einfach 20 Prozent weniger zu verdienen», argumentiert er. «Wenn alle Schweizer ihr Arbeitspensum reduzierten, wäre auf globaler Ebene nichts gewonnen. Stattdessen würden andere Länder in die Produktionslücke springen – und die Emissionen würden verlagert.» Krysiak sieht denn auch ein qualitatives Wachstum als Ziel. Zum Beispiel, indem bei den Treibstoffen die Umweltkosten in die Preise einflössen

Auch Professor Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz, bezweifelt, dass Konsumverzicht und eine Beschränkung des wirtschaftlichen Wachstums Erfolg hätte: «In der Praxis würde dies sofort zu Verteilkämpfen führen.» Philip Gehri vom WWF sagt gegenüber der Zeitung, ihm sei durchaus bewusst, dass nicht jeder diesen Tipp des WWF gleich einfach umsetzen könne. «Tatsache ist allerdings, dass unsere grundlegenden materiellen Bedürfnisse abgedeckt sind und dass die Umweltbelastung weit über einem langfristig tragbaren Mass liegt. Deshalb sollten wir unsere Konsumgewohnheiten vermehrt hinterfragen.» (foa)

Erstellt: 08.10.2017, 06:05 Uhr

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