Krise bei der Mall of Switzerland – eine Umnutzung ist nicht einfach

Kurz nach dem Start überlegen sich die Betreiber des Shoppingcenters in Luzern bereits einen Neuanfang. In Basel und im Tessin hat man Erfahrung damit.

Am Eröffnungstag kamen noch viele Besucher: Mittlerweile findet die Mall of Switzerland in Ebikon LU aber nicht genügend Kundschaft. Jetzt prüfen die Betreiber eine Umnutzung. (Video: Nicolas Fäs)
Video: Alexandra Wey/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Einkaufscenter Stücki in der Stadt Basel, in Fussdistanz nur wenige Minuten zu Deutschland gelegen, wird gehämmert und gesägt. Die Umbauarbeiten bedeuten gleichzeitig den Abschied vom Shoppingcenter. Künftig nennt sich der Ort Stücki Park. Die Besitzerin, die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site, spricht von einem kompletten Neuanfang nach neun Jahren.

Das Stücki startete 2009 als klassisches Einkaufscenter – doch die Kundschaft blieb aus. Die Fläche mit Detailhändlern wird nun um zwei Drittel reduziert. Dabei fallen Kleidergeschäfte fast vollständig weg, erklärt Peter Lehmann, Chef von Swiss Prime Site. Auf der frei werdenden Fläche von über 20'000 Quadratmetern gibt es künftig Büros und Gewerberäume, ein Gigaplex-Kino mit 18 Kinosälen und ein Fitnesscenter.

Eine ähnliche Umnutzung könnte auch der Mall of Switzerland bevorstehen. Das zweitgrösste Einkaufscenter der Schweiz öffnete nach langwieriger Planung und mit Verspätung im vergangenen November die Tore. Die Bilanz nach neun Monaten ist verheerend. Ein grosser Detailhändler hat bisher nur ein Viertel der budgetierten Umsätze erreicht, wie die «SonntagsZeitung» schreibt.

Bilder vom Eröffnungstag

Der Autobauer Tesla hat seine Verkaufsfläche bereits geräumt. Andere Geschäfte denken ebenfalls über einen Auszug nach. Centerleiter Jan Wengeler gibt sich trotzdem zuversichtlich. Gesamthaft sei man auf Kurs, sagt er in der «Luzerner Zeitung». Wengeler räumt jedoch ein, dass eine Umnutzung eines Teils der 65'000 Quadratmeter grossen Centerfläche geprüft werde. Eine Projektgruppe arbeite bereits daran, sagt Wengeler.

Völlig falsch geplant

In den sozialen Medien ist die Krise der Mall of Switzerland ein heftig diskutiertes Thema. «Offenbar am Markt vorbeigeplant», schreibt ein Leser. Eine andere Person meint: «War doch vorauszusehen.» Die Vielzahl an hämischen Kommentaren zeigt, die Schadenfreude in der Bevölkerung ist gross. Das Einkaufscenter in der Luzerner Agglomeration ist seit der Planung umstritten. Die ersten Investoren sprangen ab.

Gebaut wurde der 500 Millionen Franken teure Shoppingtempel nur, weil der Staatsfonds von Abu Dhabi einstieg. «Sie hätten während des Baus die Reissleine ziehen und die Pläne ändern müssen», sagt ein Insider. Die Shoppingcenterpläne beruhen auf über zehn Jahre alten Vorstellungen.

Umfrage

Gehen Sie noch in Einkaufszentren?







In der Zwischenzeit ist der Detailhandel im Umbruch. Onlineshops wachsen auf Kosten des stationären Verkaufs. Bei der Ebikoner Mall kommt hinzu, dass es nicht gelang, das Einkaufscenter auf die in Luzern in grossen Scharen verkehrenden asiatischen und arabischen Touristen auszurichten. Diese kaufen ihre Uhren und Souvenirs nach wie vor in der Luzerner Innenstadt.

Umbau braucht neue Bewilligung

Selbst wenn die Mall-Verantwortlichen zu einer Umnutzung gezwungen sind, dürfte diese nicht einfach werden. Denn Räumlichkeiten für grosse Detailhandelsunternehmen sind anders ausgelegt als Büroliegenschaften oder Wohnungen. Das mussten die Verantwortlichen des Centro Ovale in Chiasso erfahren.

Das Shoppingcenter steht seit Ende 2015 leer und gilt als die erste «Dead Mall» der Schweiz. Das Gebäude, gebaut in der Form eines riesigen Kieselsteins, hätte in ein Bürohaus umgenutzt werden sollen. Die Betreiber kündigten den Einzug des Onlinereisebüros Lastminute.com und von rund 400 Mitarbeitern an. Doch das Einholen der dafür nötigen Bewilligungen erwies sich schwieriger als erwartet. Eine Drittpartei erhob Einspruch. Schliesslich zog sich Lastminute.com zurück.

Bei einer Umnutzung müssen die Investoren nochmals kräftig Geld nachlegen. Beim Stücki beispielsweise investiert Swiss Prime Site rund eine Viertelmilliarde Franken in den Umbau. Und ob 18 Kinosäle und ein weiteres Fitnesscenter bei der Bevölkerung ankommen, muss sich erst noch zeigen.


Grafik vergrössern (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.07.2018, 20:01 Uhr

Artikel zum Thema

Mall of Switzerland: Evakuierung am Eröffnungstag

Die Mall of Switzerland musste bereits am ersten Tag evakuiert werden. Die Entwarnung kam wenig später. Mehr...

Die grössten Shoppingcenter der Schweiz

Mit 65'000 Quadratmetern Fläche ist die Mall of Switzerland nur das zweitgrösste Einkaufszentrum des Landes – eine Übersicht. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Die Welt in Bildern

Letzte Zuflucht: Gartenmaschinen stehen zusammengepfercht auf einem Fleckchen Golfplatz-Rasen, das vom Flutwasser in Longs, South Carolina, noch nicht überdeckt wird. (24. September 2018)
(Bild: Jason Lee/Sun News) Mehr...