Lindt-Marketingchef verkauft bald deutsche Milch

Bei Lindt & Sprüngli blieb Uwe Sommer der Chefposten verwehrt. Nun soll er die Geschicke von Müllermilch leiten.

Tritt in die Dienste von Milchbaron Theo Müller: Lindt-&-Sprüngli-Marketingchef Uwe Sommer. Bild: Lindt & Sprüngli

Tritt in die Dienste von Milchbaron Theo Müller: Lindt-&-Sprüngli-Marketingchef Uwe Sommer. Bild: Lindt & Sprüngli

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Uwe Sommer gehört bei Lindt & Sprüngli zur Erfolgstruppe rund um Ernst Tanner. Als Tanner in den Neunzigerjahren Chef beim Schokoladenhersteller in Kilchberg am Zürichsee wurde, holte er Sommer zu sich ins Team. Seit 1993 ist der Ökonom in der Lindt-Geschäftsleitung fürs Marketing verantwortlich. An der Seite von Ernst Tanner machte er aus dem Schweizer Schokoladenhersteller einen globalen Konzern: In zwei Jahrzehnten haben sich Umsatz und Gewinne vervielfacht, und der Wert des Unternehmens an der Börse hat sich gar verdreissigfacht.

Uwe Sommer, der vor einigen Jahren Schweizer wurde, ist Teil dieser Erfolgsgeschichte. Dabei arbeitete er allerdings nicht nur Seite an Seite mit Ernst Tanner, der über Jahre hinweg gleichzeitig Konzernchef und Verwaltungsratspräsident war. Sommer stand auch in dessen Schatten. Als sich abzeichnete, dass Tanner einen Nachfolger für sich als Lindt-Konzernchef suchen würde, sahen Branchenkenner in Uwe Sommer denn auch die passende Person für den CEO-Posten. Als letztes Jahr dann bekannt wurde, dass der ebenfalls langjährige Finanzchef von Lindt & Sprüngli auf den Chefsessel nachrückt, wurde gleichzeitig auch bekannt gegeben, dass Sommer in Pension gehe.

Flugs wurde spekuliert, Sommer verlasse Lindt, weil er auch auf den Chefposten geschielt habe. An der Bilanzmedienkonferenz vor gut zwei Wochen versicherte der neue Konzernchef Dieter Weisskopf allerdings, dass Sommers Abgang nichts mit der Neukonstellation in der Geschäftsführung von Lindt & Sprüngli zu tun habe. Vielmehr hätten persönliche Gründe Sommer dazu bewogen, das Unternehmen zu verlassen.

Die persönlichen Gründe sind wohl ein neuer Job: Der 61-jährige Sommer wird Chef der Unternehmensgruppe Theo Müller. Ein Sprecher der Gruppe bestätigte gegenüber baz.ch/Newsnet entsprechende Berichte in deutschen Medien. Offiziell kommuniziert hat der privat gehaltene Konzern die Personalie nicht.

Von 4 auf 27’000 Angestellte

Sommer hat sich eine riesige Aufgabe geangelt. Denn die Unternehmensgruppe Theo Müller ist ein kleines Imperium. Dessen bekanntestes Produkt ist Müllermilch, aber auch zahlreiche weitere Milch- und Käsemarken gehören zum Konzern. Teil der Unternehmensgruppe sind im Weiteren auch ein Verpackungsunternehmen, einer der grössten Fruchtverarbeiter Deutschlands, diverse Lebensmittelhersteller sowie die Schnellimbisskette Nordsee. Laut Angaben auf der Firmenwebsite kommt der Konzern auf einen Jahresumsatz von rund 6,5 Milliarden Euro und beschäftigt rund 27’000 Angestellte.

Die Firmengeschichte des Lebensmittelkonzerns liest sich wie ein Tellerwäscher-Märchen aus der bayrischen Provinz. Seinen Anfang nahm es 1971, als Theo Müller die von seinem Grossvater gegründete Molkerei im Arestried bei Augsburg übernahm. Als sein Vater ihm das Unternehmen übergab, zählte es gerade einmal vier Mitarbeiter. Müller machte mit seiner Molkerei dann das, was damals noch alles andere als üblich war: Er vermarktete seine Produkte nicht nur in einem kleinen geografischen Raum, sondern landesweit. Immer wieder spannte er Prominente als Markenbotschafter ein. Dank Werbespots bei den privaten deutschen Fernsehsendern ist Müllermilch auch in der Schweiz eine bekannte Marke – und das, obwohl erst vor wenigen Jahren erstmals Müllermilch in die Schweiz importiert wurde.

Erfahrung mit fremden Märkten

Bereits 1987 ist Müllermilch in den britischen Markt eingetreten – nach diversen Übernahmen ist das Unternehmen auf den Britischen Inseln ein bedeutender Player für Milchprodukte. Aber nicht in allen Ländern lief die Auslandsexpansion rund: Ein 2012 eingegangenes Joghurt-Joint-Venture mit dem Getränkekonzern PepsiCo in den USA etwa wurde wegen ausbleibenden Erfolgs wieder geschlossen. Gescheitert ist Müllermilch auch bei seiner Expansion nach Spanien.

Die ausländischen Märkte dürften der Hauptgrund sein, weshalb Unternehmenspatron Theo Müller Sommer nun an Bord holt, denn Sommer verfügt über viel Erfahrung: Lindt & Sprüngli hat sich in den vergangenen Jahrzehnten äusserst erfolgreich im Ausland positioniert, insbesondere in den USA. Dort ist der Schokoladenkonzern nach eigenen Angaben Marktführer im Premiumsegment.

Gemäss der deutschen «Lebensmittel-Zeitung» soll Müller schon länger gewünscht haben, dass der Lindt-Manager Sommer die Führung seines Konzerns übernimmt. Nun ist es so weit. Nicht zuletzt wegen Müllers zupackender und nicht zimperlicher Art sowie seiner Schwierigkeit, Entscheidungen aus der Hand zu geben, hat sich der Chefposten in seinem Imperium allerdings immer wieder als Schleudersitz erwiesen.

Chefsessel monatelang verwaist

So steht der jetzige Chef Ronald Kers erst seit 2015 an der Spitze des Unternehmens. Er wechselt bei Sommers Einstieg wieder an seine bisherige Position als Chef des Grossbritannien-Geschäfts von Müllermilch. Davor blieben die Chefs manchmal zwei Monate, manchmal drei Jahre – nie länger. Und oft waren es offenbar strategische Differenzen respektive die Unzufriedenheit Müllers, die zum Bruch führten. Bisweilen blieb der Chefsessel deshalb sogar monatelang verwaist.

Nun soll also Sommer mit dem Firmenpatriarch zurechtkommen. Der 77-jährige Theo Müller lebt übrigens seit längerem am Zürichsee. In die Schweiz gezogen war er einst, um der Erbschaftssteuer in Deutschland zu entkommen. Sein Vermögen wird vom Wirtschaftsmagazin «Bilanz» auf 4,7 Milliarden Franken geschätzt. Das deutsche «Handelsblatt» geht derweil davon aus, dass Sommer an der Spitze von Müllermilch nur eine Übergangslösung sein wird. Einerseits wegen Sommers Alter. Anderseits wird spekuliert, dass Müller eines seiner Kinder als Nachfolger aufbaut. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.03.2017, 20:31 Uhr

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