Rätselraten um Yellens Posten

Bald gibt Donald Trump bekannt, wen er an der Spitze der US-Notenbank sehen will.

Ihr Vorhang schliesst sich: Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, könnte bald ihrem Nachfolger begegnen.

Ihr Vorhang schliesst sich: Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, könnte bald ihrem Nachfolger begegnen. Bild: Keystone

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Alle Augen sind auf Wolfgang Schäuble gerichtet, den langjährigen deutschen Finanzminister. Mit den Worten «Acht Jahre sind eine gute Zeit» wird sich der 75-jährige CDU-Politiker am Wochenende an der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington von seinen internationalen Amtskollegen (und Kritikern) verabschieden. Im Trubel wird wohl etwas untergehen, dass auch die Amerikanerin Janet Yellen (71) dem halbjährlichen Gedankenaustausch der einflussreichsten Finanz- und Geldpolitiker zum letzten Mal beiwohnen könnte.

Das Mandat der Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Federal Reserve läuft am 3. Februar 2018 aus – und bisher hat der republikanische Präsident Donald Trump nicht signalisiert, dass er die seit 2014 amtierende Währungshüterin, die den Demokraten nahesteht, für eine weitere Amtszeit nominieren will.

Yellen könnte zwar nach Ablauf ihrer Amtszeit als Vorsitzende des Fed-Board of Governors theoretisch als einfaches Mitglied in der Geschäftsleitung der Notenbank bis ins Jahr 2024 weiterarbeiten. Dies gilt in Washington allerdings als unwahrscheinlich.

Personalkarussell dreht sich

Stattdessen gilt nun plötzlich unter Ökonomen der 47-jährige Jurist Kevin Warsh als Favorit für den wichtigsten geldpolitischen Posten in den USA. Gemäss einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftszeitung Wall Street Journal steht er an der Spitze einer recht langen Liste von möglichen Anwärtern. Yellen folgt auf dem zweiten Rang, gefolgt von Jerome Powell (64), seit 2012 Mitglied des Fed-Direktoriums.

Ebenfalls in der Spitzengruppe hält sich Gary Cohn (57), der engste Wirtschaftsberater von Präsident Trump – der allerdings in den vergangenen Wochen aufgrund kritischer Äusserungen über seinen Chef deutlich an Zustimmung verloren hat. Immer wieder genannt werden zudem der Wirtschaftswissenschaftler John Taylor (70), der die Zinspolitik der Federal Reserve berechenbarer machen möchte, und John Allison (69), ehemaliger Konzernchef der Grossbank BB&T und ein bekannter Staatskritiker.

Trump hat kürzlich durchblicken lassen, dass er recht bald schon bekannt geben werde, wer die Fed im kommenden Jahr führt. Zwischen den Zeilen deutete er zudem an, dass er der Politik, die Yellen in ihrer Amtszeit verfolgt hat, grundsätzlich positiv gegenübersteht – tiefe Zinsen seien gut fürs Geschäft, sagte er sinngemäss, eine Lektion, die er wohl in seiner Laufbahn als New Yorker Baulöwe gelernt hatte.

Trumpf der Freundschaft

Umso überraschender ist es, dass Kevin Warsh derart gute Karten besitzt. Denn der ehemalige Morgan-Stanley-Banker, der derzeit für die Denkfabrik Hoover Institution der Stanford University arbeitet, ist das pure Gegenteil von Yellen. Immer wieder hat er sich als Kritiker einer interventionistischen Geldpolitik profiliert und der Federal Reserve vorgeworfen, sie versuche die amerikanische Wirtschaft zu lenken. Auch machte sich Warsh als harscher Kritiker der Kommunikationsstrategie der US-Notenbank einen Namen.

Andererseits ist er mit der Institution vertraut, die er kritisiert. Von 2006 bis 2011 war Warsh Mitglied der Fed-Geschäftsleitung, nachdem ihn der republikanische Präsident George W. Bush nominiert und der Senat einstimmig bestätigt hatte. Er arbeitete damals mit Yellen zusammen, die von 2004 bis 2010 als Präsidentin der Fed-Zweigstelle in San Francisco amtierte. Im Gegensatz zu Yellen und ihren Vorgängern Ben Bernanke, Alan Greenspan und Paul Volcker besässe Warsh allerdings keine Ausbildung als Wirtschaftswissenschafter. «Es ist ein Fehler, zu glauben, dass nur Ökonomen diesen Job erledigen können», sagt dazu David Wessel, der für die Denkfabrik Brookings Institution arbeitet. «Aber grundsätzlich glaube ich, dass wir mit einem Wirtschaftswissenschaftler als Vorsitzenden besser dran sind.»

Warsh besitzt allerdings im Poker um den Fed-Posten einen Trumpf: Er ist seit 2002 mit Jane Lauder verheiratet, der Enkelin der legendären Kosmetik-Unternehmerin Estée Lauder. Ihr Vater, Ronald Lauder, gilt als enger Freund des Präsidenten – ein unschätzbarer Vorteil in den Augen des Trump-Biografen Tim O’Brien. «Jedes Mal, wenn jemand eine Beziehung mit jemanden hat, der mächtig oder bekannt ist, spielt das für Donald Trump eine unglaublich wichtige Rolle.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 13:53 Uhr

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