Schöne Bescherung vor Weihnachten

Dank Ex-Banker, Anklagen und Schuldeingeständnissen: Bär ist in der US-Falle.

Die Bank Bär gerät tiefer in die Bredouille.

Die Bank Bär gerät tiefer in die Bredouille. Bild: Keystone

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In Venezuela bereichert sich die herrschende Clique um den unfähigen Präsidenten Nicolás Maduro ungeniert und um Milliarden. In einem einzigen Raubzug wurden dem staatlichen Ölkonzern PDVSA 1,2 Milliarden Dollar gestohlen. Bei der anschliessenden Geldwäsche half der ehemalige Managing Director und Vizevorstand der Bank Bär-Niederlassung in Panama.

Der Geldwaschbär Matthias Krull wurde in Miami verhaftet, bekannte sich schuldig und wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Vor dem Strafantritt im April 2019 ist er auf freiem Fuss, und die US-Richterin hat angekündigt, dass sie bereit sei, das Strafmass zu reduzieren – wenn Krull umfangreich und umfassend mit den US-Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeite.

Dieser Tage wurde Raúl Gorrín in den USA wegen Geldwäscherei angeklagt. Der Venezolaner ist in den Zirkeln der Macht bestens vernetzt und besitzt den grössten TV-Kanal des Landes und eine Versicherungsgesellschaft. Er ist der «Mitverschwörer Nummer 7» in Krulls Geldwäschereifall, dort aber nicht angeklagt.

Und: Gorrín war laut zuverlässigen Quellen ein Grosskunde der Bank Bär, über deren Konten er Hunderte von Millionen Franken bewegt habe soll. Erst im vergangenen Frühjahr soll sich Bank Bär auf Druck der USA und der Bankenaufsicht Finma von Gorrín getrennt haben. Bank Bär kann «keine Aussagen über Kundenbeziehungen machen».

Die Anklage gegen Gorrín wurde erst vor Kurzem «entsiegelt», eine weitere Merkwürdigkeit des US-Justizsystems. Ebenfalls entsiegelt, also öffentlich zugänglich, wurde die Anklage gegen Alejandro Altrade, die bereits im Januar erhoben worden war. Altrade ist ehemaliger Schatzmeister Venezuelas und hat nach einem Schuldeingeständnis offenbar schon länger mit den US-Behörden zusammengearbeitet.

Sowohl Gorrín als auch Altrade besitzen Luxus-Immobilien in Florida, Rennpferde und eine Flotte von Luxusautos. Gorrín soll Altrade Hunderte Millionen Bestechungsgelder über eine auf Santo Domingo domizilierte Bank bezahlt haben. Diese Bank wurde von Gorrín und dem venezolanischen Banker Gabriel Arturo Jimenez kontrolliert, der sich ebenfalls in den USA schuldig bekannt hat.

Die Schlinge zieht sich zu

Schritt für Schritt dröseln die US-Strafverfolgungsbehörden das Geflecht der korrupten venezolanischen Oligarchie auf, wobei das Schuldeingeständnis von Krull nur ein Puzzlestück darstellt. Gorrín gehört zum engsten Vertrautenkreis von Cilia Flores und ihrem Ehemann Maduro. Krull seinerseits gestand ein, dass er sich in Caracas mit den beiden Stiefsöhnen von Maduro traf, die ihm einen Strohmann vorstellten, der sie gegen aussen repräsentieren werde. Mit all diesen Strafverfahren zieht sich die Schlinge um alle sich im Ausland aufhaltenden Mitglieder des venezolanischen Führungszirkels immer enger.

Aber auch die Bank Bär gerät tiefer in die Bredouille. Nicht nur durch diese Anklage gegen ihren ehemaligen Kunden Gorrín, dessen Bär-Berater Krull war. Sondern auch durch Beatríz Sanchez, die noch vom ehemaligen CEO Boris Collardi 2017 zu Bank Bär geholt wurde. Sie versucht als Mitglied der Geschäftsleitung, im Lateinamerikageschäft der Bank aufzuräumen und hat schon die Niederlassung in Panama geschlossen. Aber zuvor war Sanchez bei der Schweizer Niederlassung von HSBC. Und bei dieser Bank hortete das venezolanische Regime bis zu 15 Milliarden Dollar, wie aus von einem ehemaligen Mitarbeiter gestohlenen Kontodaten hervorging.

Aber nicht nur das. Gegen die Schweizer Niederlassung von HSBC, wo Sanchez Mitglied der Geschäftsleitung war, sind Anschuldigungen der spanischen Behörden wegen «Delikten von organisiertem Verbrechen und Geldwäscherei» hängig. Dazu sagt Bank Bär: «Beatriz Sanchez hat diese Angelegenheit vor ihrer Einstellung gegenüber der Bank vollkommen transparent gemacht. Wir haben dies geprüft, und es gibt keinerlei Entwicklungen in diesem Verfahren.»

Collardi hat sich nicht nur rechtzeitig zur Genfer Privatbank Pictet abgeseilt. Im Gebäude der verblichenen Bank Leu beim Paradeplatz hat Pictet Bürofluchten gemietet, die Collardi mit Bankern auffüllt, die er bei seinem ehemaligen Arbeitgeber abwirbt. So wechselte vor Kurzem das ganze Nahost-Team von Bank Bär zur Bank gleich nebenan. Schon ist die Rede davon, dass der VR-Präsident von Bär, Daniel Suter, nächsten Frühling sein Amt zur Verfügung stellt. Nach der Expansion die Implosion. Das gilt auch für den Aktienkurs, der innerhalb eines Jahres von über 65 auf unter 40 Franken zusammenschnurrte.

547 Millionen Dollar

Der Korruptionsskandal um Petrobras in Brasilien, Fifa-Funktionäre mit Konten bei Bank Bär, PDVSA aus Venezuela, ein verurteilter hochrangiger Ex-Mitarbeiter, der wie andere Angeklagte auch eifrig mit den US-Behörden zusammenarbeitet, um eine möglichst grosse Strafmilderung zu erlangen. Dazu das Damoklesschwert DPA, die Vereinbarung einer aufgeschobenen Strafverfolgung gegen eine Bussenzahlung von 547 Millionen Dollar im Steuerstreit mit den USA. Hier wurde der Bank eine dreijährige Bewährungsfrist auferlegt, die erst im Februar 2019 abläuft.

Ob es der Bank weiterhin gelingt, alle diese Strafverfahren als mögliche Verfehlungen einzelner Mitarbeiter oder Kunden, von denen die Bankleitung nichts gewusst habe, auszusitzen? Das ist weiterhin die Position der Bank, die wiederholt, dass sich diese Anklagen nicht gegen sie selbst richteten. Sie führe eine interne Untersuchung durch und habe «keinerlei Hinweis, dass das im Rahmen mit steuerbezogenen Sachverhalten abgeschlossene DPA davon tangiert werden könnte». Es unterliegt wohl dem Ermessen oder Belieben der US-Strafverfolgungsbehörden, ob sie die Busse für nichtig erklären wollen und eine neue in den Raum stellen – oder nicht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.12.2018, 10:15 Uhr

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