Schweizer Steuerparadies

Im globalen Wettbewerb sind die meisten Kantone führend. Basel-Stadt könnte bald aufholen.

Unter Zugzwang. Der Genfer Regierungsrat Serge Dal Busco, die Basler Regierungsrätin Eva Herzog und Finanzminister Ueli Maurer (v. l.) ringen um eine rasche Beilegung des Steuerstreits mit der EU.

Unter Zugzwang. Der Genfer Regierungsrat Serge Dal Busco, die Basler Regierungsrätin Eva Herzog und Finanzminister Ueli Maurer (v. l.) ringen um eine rasche Beilegung des Steuerstreits mit der EU. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im globalen Steuerwettbewerb um Firmen besitzen die meisten Schweizer Kantone gute Karten. Das zeigt eine neue Studie des Forschungsinstituts BAK. Doch den Spitzenplatz belegt die ehemalige britische Kolonie Hongkong. Die Steuerbelastung liegt dort bei bloss 9,9 Prozent. Allerdings werden Unternehmen gar nicht besteuert, solange sie keine Geschäfte in Hongkong tätigen. Hinter der Steueroase im südöstlichen China reihen sich bereits eine Handvoll Kantone wie Nidwalden, Appenzell Ausserrhoden, Luzern und Obwalden ein, wo die Steuerbelastung für Firmen bei rund zehn Prozent liegt.

Wie ausgeprägt der Wettbewerb hierzulande bereits ist, zeigt das Beispiel des Kantons Basel-Stadt. Die Steuerbelastung liegt aktuell bei 19,6 Prozent. Damit ist der Kanton im Schweizer Vergleich zwar ein teures Pflaster – nur im Kanton Genf (21,4 Prozent) liegen die Unternehmenssteuern noch höher. Doch blickt man über die Landesgrenze, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Der globale Durchschnitt liegt fast zehn Prozentpunkte höher bei 29 Prozent. Ein Wert, man kann es nicht genug hervorheben, den alle Schweizer Kantone deutlich unterschreiten.

Basel auf dem Weg noch oben

Basel-Stadt dürfte im Ranking bald besser dastehen. Weil die Begünstigung von Unternehmen, die Geld im Ausland verdienen, von der EU und OECD seit Jahren kritisiert wird, muss auch der Kanton sein Steuerregime ändern.

Auf Druck von Brüssel hat Bern versprochen, diese «schädliche» Steuerpraxis bis Ende 2018 anzupassen. Dies hätte mit der Unternehmenssteuerreform III geschehen sollen, die aber an der Urne scheiterte. Weil dieser Plan fehlschlug, hat der Bundesrat zackig eine neue Vorlage ausgearbeitet: die Steuervorlage 17.

Vor Weihnachten stellte die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog (SP) die kantonale Umsetzung vor. Unter anderem sollen die Gewinnsteuern von Unternehmen von 22 auf 13 Prozent gesenkt werden. Dies hätte für die internationale Konkurrenzfähigkeit des Kantons weitreichende Folgen. Er dürfte sich im Ranking nach vorne katapultieren und läge bloss noch drei Prozentpunkte hinter dem globalen Spitzenreiter Hongkong. Der Abstand zu den Klassenschlechtesten wie Tokio, Paris oder Mumbai wäre dann enorm. Schlusslicht ist New York, wo Firmen mit 40,8 Prozent besteuert werden.

Tiefe Steuern sind nicht alles

Insgesamt bestehe seit einiger Zeit ein deutlicher Trend zu einer sinkenden Steuerbelastung, schreiben die BAK-Ökonomen. So sank die internationale Besteuerung für Firmen seit 2003 um 2,6 Prozentpunkte. Der Schweizer Durchschnitt ging mit 2,9 Prozentpunkten sogar noch etwas mehr zurück.

Laut BAK ist zu erwarten, dass die geplante Steuerreform in den USA den internationalen Steuerwettbewerb anheizen wird und auch Nachbarländer der Schweiz wie Deutschland und Frankreich unter Zugzwang geraten. «Die nächste Runde im Steuerwettbewerb ist also lanciert», heisst es.

Auf der letzten Seite des Berichts relativieren die Autoren, dass die Steuerlast nicht überbewertet werden sollte. Andere Faktoren spielen bei der Standortwahl eine ebenso wichtige Rolle. Als Beispiele nennen sie die Lebensqualität, Regulierungen oder die Innovationsfähigkeit. (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.01.2018, 10:27 Uhr

Artikel zum Thema

Schlechte Noten für die Fiskalpolitik

Die Basler Unternehmen zahlen nach Genf die zweithöchsten Steuern. Mehr...

Die Rebellion der Republikaner

Die USA senken die Steuern massiv. Das Beispiel Kansas zeigt, woran eine solche Politik scheitern kann. Mehr...

Kommentare

Blogs

Mamablog Gelassen bleiben – eine Anleitung

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Schall und Rauch: Kiffer versammeln sich vor dem kanadischen Parlamentshaus in Ottawa, um bei der jährlichen sogenannten «4/20»-Demonstration teilzunehmen. Das Land hat den Cannabiskonsum legalisiert. (20. April 2018)
(Bild: Chris Wattie ) Mehr...