Schweizer Tourismus atmet auf

Deutlich mehr Übernachtungen verzeichnet. Aussichten sind dank Frankenschwäche gut.

Sommer in den Bergen. Vor allem in den Monaten Mai und Juni haben die Schweizer Hoteliers eine starke Zunahme an Gästezahlen verzeichnet.

Sommer in den Bergen. Vor allem in den Monaten Mai und Juni haben die Schweizer Hoteliers eine starke Zunahme an Gästezahlen verzeichnet. Bild: Keystone

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Erfolgsmeldungen aus der Tourismus-Branche sind spärlich geworden. Endlich gibt es jedoch Grund für Optimismus: Die Schweizer Hoteliers haben ein gutes erstes Halbjahr hinter sich. Über das ganze Land verteilt beherbergten sie an einem einzelnen Tag durchschnittlich 97'343 Gäste. Im Vergleich zur Vorjahresperiode sind dies täglich über 4000 Logiernächte mehr.

Insgesamt verbuchten die Hotels zwischen Januar und Juni 17,6 Millionen Übernachtungen, was einem Zuwachs von 4,4 Prozent entspricht, wie das Bundesamt für Statistik gestern mitteilte. Es handelt sich um den höchsten Wert seit 2009. Die wirtschaftlichen Zeichen stehen gut. Es ist zu erwarten, dass die positive Entwicklung anhält und die Talsohle nach der Finanz- und Wirtschaftskrise und dem Frankenschock endgültig durchschritten ist.

Der Anstieg bei den Übernachtungen ist sowohl den inländischen Gästen als auch den Besuchern aus dem Ausland zu verdanken. Die Nachfrage von Inländern stieg um vier Prozent auf 8,1 Millionen. Bei den ausländischen Gästen wurden 9,5 Millionen Logiernächte und damit ein Zuwachs von fünf Prozent verbucht.

Vor allem bei den Asiaten scheint die Schweiz als Reisedestination an Gunst gewonnen zu haben. Die Übernachtungszahlen stiegen um über 15 Prozent auf 2,1 Millionen. Der Zuwachs von Gästen aus Indien, Südkorea, Taiwan und Indonesien beispielsweise betrug zwischen 25 und fast 40 Prozent. Wichtigste Herkunftsländer der Gäste für den Schweizer Tourismus bleiben Deutschland, die USA und das Vereinigte Königreich.

«Das Schlimmste ist vorbei»

Vom angestiegenen Besucherstrom profitierten zehn der 13 Tourismusregionen, allen voran die Regionen Bern, Zürich, Wallis, Graubünden und Tessin. Den grössten Anstieg verzeichnete Bern mit einem Plus von 159'000 Logiernächten. Rückläufig waren die Zahlen einzig für die Regionen Jura und Drei-Seen-Land, Aargau sowie Freiburg. Die Stadt Basel verzeichnete in den ersten sechs Monaten insgesamt 626'810 Übernachtungen, dies sind 39'740 oder 6,8 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Die Stadt liegt auf Platz neun der beliebtesten Übernachtungszonen in der Schweiz. Spitzenreiter ist der Kanton Graubünden vor Zürich, Bern und dem Wallis. Der Kanton Baselland (Platz 18) registrierte 132'679 Übernachtungen, was einem Rückgang von 5,5 Prozent oder 7671 Übernachtungen entspricht.

Die Stimmung in der Tourismus-Branche ist nach dem ersten Halbjahr verständlicherweise gut. Das Gastgewerbe und die Beherbergungsbetriebe sind deutlich zufriedener als noch vor einigen Monaten, wie die aktuellsten Umfragedaten belegen. Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich bezeichnete das Gastgewerbe gestern auch als «grössten Gewinner der verbesserten Geschäftslage». Das Wetter habe dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Ausserdem setzte sich der Rückgang der Erträge nicht weiter fort. «Das Schlimmste aus Sicht der Hotels ist vorbei», resümierte Klaus Abberger vom KOF. Und die Branche blickt positiv in die Zukunft.

Für die kommenden drei Monate – die wichtigsten im Schweizer Tourismus – rechneten die an der Umfrage teilnehmenden Betriebe bereits vor zwei Wochen mit einer steigenden Nachfrage. Die Aussichten haben sich seither zusätzlich deutlich verbessert: Der Franken hat gegenüber dem Euro an Wert verloren. Erstmals seit der Aufhebung der Mindestkursgrenze kostet ein Euro wieder 1.15 Franken. Damit wird die Schweiz attraktiver für Gäste aus dem Ausland. Zugleich entscheiden sich Einheimische möglicherweise vermehrt für Ferien im eigenen Land, da Reisen ins Ausland teurer werden.

Euphorie wegen des schwächeren Franken sei noch nicht angebracht. «Man muss vorsichtig sein, denn es gibt weiterhin Risiken», sagte Abberger. Beim erstarkten Euro-Kurs sei viel Vorschuss für den französischen Präsidenten Macron dabei. Ob der Optimismus nachhaltig sei, werde der Herbst zeigen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.08.2017, 07:33 Uhr

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