Sportwagen im Profilbild? Die Steuerfahnder freuts

Frankreich will Facebook und Instagram nutzen, um Steuerhinterzieher zu finden. Das ist auch in der Schweiz möglich.

Öffentlich zugängliche Fotos auf sozialen Medien können auch für Steuerämter interessant sein. (Screenshot Instagram/Cristiano Ronaldo)

Öffentlich zugängliche Fotos auf sozialen Medien können auch für Steuerämter interessant sein. (Screenshot Instagram/Cristiano Ronaldo)

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Auf sozialen Medien wie Facebook oder Instagram ist Bescheidenheit ein Fremdwort. Nutzer protzen mit ihrem Lifestyle auf malerischen Traumstränden oder mit teuren Sportwagen. Wer sein Leben so ungeniert in das virtuelle Schaufenster stellt, sollte schnell mal die Einstellungen zur Privatsphäre prüfen. Denn ansonsten könnte das Steueramt schnell solche Bilder «liken».

In Frankreich jedenfalls hat der Budgetminister Gérald Darmanin nun angekündigt, dass die Steuerfahnder ab kommendem Jahr gezielt die Profile auf sozialen Medien durchforsten werden, um allfällige Steuersünder zu entlarven.

Wenn jemand mit einem luxuriösen Lebensstil auf Facebook prahlt, in der Steuererklärung aber nur Minieinkünfte oder -vermögen angibt, sollen die Steuerfahnder nachfassen.

«Big Brother is taxing you»

Im Ministersprech klingt die offene Kampfansage an Steuersünder diplomatischer: «Wenn Sie häufig auf Fotos mit einem Luxusauto zu sehen sind, und Sie haben nicht die nötigen Mittel dafür, kann es sein, dass Ihr Cousin oder Ihre Freundin Ihnen den Wagen geliehen hat. Oder auch nicht», so Darmanin im französischen Sender M6.

Der Protest liess nicht lange auf sich warten: «Big Brother is taxing you», hiess es in den sozialen Medien. Das französische Finanzministerium beeilte sich, zu versichern, dass nur die Bilder und Informationen auf den öffentlich zugänglichen Profilen eingesehen würden.

Zudem habe die französische Datenschutzstelle CNIL ihren Segen für den Testlauf gegeben. Ausserdem sei die Social-Media-Recherche nur ein Zusatzinstrument im Kampf gegen Steuersünder.

Auch in der Schweiz erlaubt

Und in der Schweiz? Hierzulande haben die Steuerämter rein rechtlich ebenfalls die Möglichkeit, Facebook & Co zu nutzen, um Widersprüche zwischen gezeigtem Lebensstil und deklariertem Einkommen zu finden. Die Finanzdirektion Zürich weist darauf hin, dass jede Behörde grundsätzlich alle öffentlich zugänglichen Informationen nutzen dürfe. Also etwa Zeitungsartikel oder für jedermann zugängliche Social-Media- Einträge.

Ob die Zürcher Finanzdirektion soziale Medien tatsächlich nutzt, um so Steuerhinterzieher zu enttarnen, dazu machte die Behörde auf Nachfrage keine Angaben. Man will sich offenbar nicht in die Karten gucken lassen.

Bern nutzt keine Social Media

Die Berner Steuerverwaltung ist da offener: «Wir nutzen soziale Medien nicht», hiess es auf Anfrage. Um Widersprüche aufzudecken, würden die Steuerbehörden auf eine Software zurückgreifen. Diese analysiert die gemachten Einkünfte über mehrere Jahre, um Widersprüchliches zutage zu fördern. «Ist das der Fall, so fragen wir beim Steuerpflichtigen nach», heisst es von der Berner Steuerverwaltung.

Lediglich zur Überprüfung der beruflich bedingten Fahrtkosten würden die Berner auf Googlemaps zurückgreifen. Wenn jemand eine gewisse Strecke angibt, die er zur Arbeit zurücklegt, schauen die Prüfer über Googles Kartendienst nach, ob die Strecke Sinn ergibt und nicht künstlich gestreckt wurde, um höhere Fahrtkosten geltend zu machen.

Jagd nach Swimmingpools

Andere Länder sind da weniger zurückhaltend. So nutzen die Steuerämter in Grossbritannien zum Beispiel seit längerem schon Informationen aus sozialen Medien, um Hinterzieher zu finden.

Bekannt ist auch, dass die griechischen Steuerämter Satellitenbilder nutzen, die bei Googlemaps öffentlich einsehbar sind. Auf diese Weise fahnden sie nach Swimmingpools. Je Quadratmeter Schwimmbad wird vom Fiskus ein Zusatzeinkommen von umgerechnet rund 190 Franken berechnet. Für ein 50-Quadratmeter-Schwimmbad wird auf diese Weise ein zusätzliches Einkommen von rund 10'000 Franken angesetzt. Dieses wird mit zehn Prozent besteuert, also mit rund 1000 Franken jährlich. Als Parade decken nun einige Griechen ihre Schwimmbecken mit Tarnnetzen ab. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2018, 13:50 Uhr

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