Abramowitsch mit sechs Anwälten im Schlepptau

Eine europäische Bank verlangt 46 Millionen Dollar von Abramowitsch und seinem Partner. Nun steht der Oligarch in Freiburg vor Gericht.

Mit mehreren Anwälten im Schlepptau erschien Roman Abramowitsch am Mittwochmorgen vor dem Freiburger Bezirksgericht. (Video: SDA/Tamedia)

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20 Polizisten sicherten heute morgen den Eingang des Tribunal de la Sarine in Freiburg. Jeder der den Gerichtssaal betreten will, wird durchsucht. Der Grund: Womöglich besucht Chelsea-Besitzer und Milliardär Roman Abramowitsch das Gericht. Er ist ist Beklagter in einem Zivilverfahren. Kurz vor 9 Uhr betritt der Oligarch dann zur Überraschung vieler tatsächlich Saal. Gleich sechs Anwälte hat er im Schlepptau, die sich emsig um ihn gruppieren.

Der Rechtsstreit für den Abramowitsch extra kam, ist ein wahrer Dinosaurier. Seit 19 Jahren zieht sich der Konflikt hin. Ausgefochten wird er über mehrere Länder. In der Schweiz läuft das Verfahren seit 2005. 17 Anwälte sind involviert. Es gibt tausende Seiten Akten und es geht mittlerweile um fast 50 Millionen Dollar.

Abramowitsch war einst Besitzer

Begonnen hat es in den neunziger Jahren. Die Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD lieh einer russischen Bank damals 55 Millionen Dollar. Das Geld war gedacht für die Unterstützung der russischen Wirtschaft beim Übergang zur Marktwirtschaft. Die EBRD wird finanziert von 65 Ländern, darunter auch der Schweiz, die damit indirekt betroffen ist.

Das Geld aus Russland kam erstmal nicht zurück. Um also die Millionen eintreiben zu können, übernahm die EBRD schliesslich einen Schuldschein dieser russischen Bank. Dabei ging es um die Schweizer Firma Runicom aus Freiburg. Sie war der russischen Bank ihrerseits 15 Millionen Dollar schuldig. Dieses Geld sollte sie nun also direkt an die EBRD bezahlen.

Und damit sind wir bei Roman Abramowitsch. Er war der Besitzer dieser Runicom. Das Unternehmen vermarktete damals das Öl des russischen Riesen Sibneft, der Gazprom heisst. Das Problem: Auch von Abramowitschs Runicom erhielt die EBRD die 15 Millionen nicht. Also eröffnete die Europäische Bank im Jahr 1999 ein Verfahren gegen die Freiburger Firma.

Es folgten Gerichtsverfahren, die sich über Jahre hingezogen. Nach mehreren Pannen erlangte die EBRD schliesslich einen Zwischenerfolg. Ein Gericht in Russland verpflichtete die Runicom das Geld an die Europäer zu bezahlen.

Doch just drei Monate später meldete Runicom in der Schweiz Konkurs an. Das ganze Vermögen wurde auf eine andere Firma in Gibraltar übertragen. Die EBRD rief “Foul” und witterte einen betrügerischen Konkurs. Die Bank ging nun gegen die Hintermänner der ehemaligen Runicom vor, unter anderem eben gegen Abramowitsch.

Rein geschäftliche Gründe

Der Oligarch war vorher Eigentümer von Runicom und Mehrheitsaktionär der Öl-Riesen Sibneft, der das Darlehen abgesichert hatte. Der Präsident von Sibneft war ebenfalls als Leiter der Runicom eingetragen im Schweizer Handelsregister. Auch gegen ihn ging die EBRD nun vor. Mittlerweile verlangte die Bank 46 Millionen, weil ihre Rechte als Gläubiger verletzt worden seien.

In den Augen von Abramowitsch hatte der Umzug nach Gibraltar und die Schliessung von Runicom in Freiburg allerdings rein geschäftliche Gründe. Zur Zeit der Krise in Russland Ende der 90er Jahre sei Runicom in Schwierigkeiten gewesen, sagt der Russe. Die Niederlassung in der Schweiz wurde ihm schlicht zu teuer. Die Installation in Gibraltar sei finanziell vorteilhaft gewesen. Seit 2005 läuft nun also das Verfahren EBRD versus Abramowitsch und Co. Doch erst heute, nach 13 Jahren geht der Prozess los. Der Grund: Das Verfahren wurde immer wieder von allen Seiten angefochten. Die Frage, ob das Freiburger Bezirksgericht überhaupt zuständig ist in dem Fall, wurde zum Beispiel bis vor Bundesgericht ausgetragen.

Entscheidung aus Russland nie akzeptiert

Inzwischen haben Abramow und Co zusätzlich zu einem guten Dutzend Anwälte auch eine Kommunikationsfirma eingeschaltet. Sie weist auf Anfrage jeden Anspruch der EBRD von sich. «Die Beklagten bestreiten die Rechtmässigkeit der EBRD-Forderungen weiterhin vehement. Seit 1999 versucht die Bank bereits diese Forderungen einzutreiben und belastet damit die Steuerzahler in der Schweiz, Grossbritanniens und anderswo.»

Die Entscheidung aus Russland, das die Runicom dieses Geld zurückzahlen müsse, haben Abramowitsch und Co nie akzeptiert. Sie hätten ihre Ursprüngliche Schuld an die russische Bank längst beglichen, also seien sie auch der EBRD nichts mehr schuldig.

Der Prozess soll angeblich zwei Monate dauern. Es ist aber schwer vorstellbar, dass in diesem Dinosaurier-Verfahren dann tatsächlich das letzte Wort gesprochen ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.05.2018, 11:06 Uhr

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