Absage für anonyme Bewerbungen

Bei Schweizer Firmen laufen Bewerbungsprozesse weiterhin nicht anonym ab.

Der Name spielt bei einer anonymen Bewerbung zunächst keine Rolle.

Der Name spielt bei einer anonymen Bewerbung zunächst keine Rolle. Bild: Keystone

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Die Diskriminierung von Menschen mit ausländischen Namen auf dem Arbeitsmarkt ist hierzulande eine Tatsache. Setzen Länder wie die USA auf anonymisierte Bewerbungen, um die Gleichbehandlung zu verbessern, konnte diese Bewerbungsart in der Schweiz bisher nicht Fuss fassen.

Zwar werden anonyme Bewerbungen von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) als ein Mittel gegen die Diskriminierung bei der Einstellung von Personal empfohlen. Doch was in anderen Ländern bereits Standard ist, hatte hierzulande bisher kein Chance.

So bietet der Telekommunikationskonzern Swisscom seit Frühling 2015 anonyme Bewerbungen an. «Wir wollten als moderner Arbeitgeber auch diese Bewerbungsvariante ermöglichen», sagte Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher auf Anfrage der sda.

Nach zwei Jahren sieht die Bilanz mager aus. «Diese Form der Bewerbung wurde noch nie genutzt», erklärte Hubacher. Sie betonte, Swisscom rekrutiere ihre zukünftigen Mitarbeitenden und Lernenden diskriminierungsfrei, also ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht, Herkunft oder weitere Diversity Dimensionen.

Swisscom schule zudem Mitarbeitende in der Rekrutierung, aber auch Führungskräfte, um über - oft unbewusste - Vorurteile zu reflektieren und ihr Verhalten entsprechend zu ändern, führt Hubacher aus.

Es blieb bei den Versuchen

Der Versicherungskonzern Axa hatte in Frankreich hatte vor 10 Jahren anonyme Bewerbungen eingeführt. Bei Axa in der Schweiz wurde die Idee verworfen. Axa Schweiz sehe keine Vorteile in der Einführung von anonymisierten Bewerbungen, erklärte Axa-Schweiz-Sprecherin Christina Ratmoko.

In Zürich gab es bei verschiedenen Unternehmen und Ämtern in den Nullerjahren Versuche mit anonymen Bewerbungen für Lehrstellen, ebenso bei der Migros in Genf. Trotz positiven Resultaten blieb es bei den Versuchen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) analysierte Studien über Versuche mit anonymen Bewerbungen in Schweden, Holland und Deutschland. Sie kam zum Schluss, dass die Interview-Chancen von ethnischen Minderheiten bei anonymen Bewerbungen steigen. Allerdings seien in den nächsten Schritten der Anstellungsprozesse nach wie vor Schranken vorhanden gewesen.

Vertrauen fehlt

Die Kommission gegen Rassismus ERK erfasst jährlich die bei ihren 26 Beratungsstellen gemeldeten Diskriminierungsfälle. Die meisten Fälle geschehen am Arbeitsplatz selber. Ein Teil entfällt aber stets auf den Bewerbungsprozess. Anonyme Bewerbungen seien eine Möglichkeit, um einen diskriminierungsfreien Umgang mit Bewerbungen zu fördern, sagte Alma Wiecken, ERK-Juristin.

Doch dies müssten von weiteren internen Massnahmen zur Sensibilisierung begleitet werden. Grund für den Misserfolg anonymer Bewerbungen in der Schweiz dürfte laut Wiecken sein, dass das Vertrauen in diese Art von Bewerbungsprozess von Seiten der Arbeitgeber noch nicht gefestigt genug ist, weil die Erfahrungen fehlen.

Solange anonyme Bewerbungen nur eine Option sind, erwartet Wiecken keine substanzielle Veränderung. «Es müsste beim jeweiligen Arbeitgeber für alle sich bewerbenden Personen nur die Möglichkeit der anonymen Bewerbung geben», sagte Wiecken. Ansonsten könne durch die Wahl einer anonymen Bewerbung wiederum Rückschlüsse auf mögliche Diskriminierungsmerkmale gezogen werden. (pre/sda)

Erstellt: 21.07.2017, 12:30 Uhr

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