Armut bekämpft man anders

Die Oxfam Studie zur weltweiten Vermögensverteilung schlägt hohe Wellen. Mit der Wirklichkeit und den wahren Problemen hat sie allerdings wenig zu tun.

So nah und doch so fern. Laut Oxfam hält die Ungleichheit Menschen in Armut gefangen.

So nah und doch so fern. Laut Oxfam hält die Ungleichheit Menschen in Armut gefangen. Bild: Keystone

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Erinnern Sie sich an die Schlagzeile, dass acht Männer genauso viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung? Das verkündete im vergangenen Jahr die Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrer jährlichen Statistik zur weltweiten Armut und Vermögensverteilung. Die Nachricht schlug hohe Wellen. In der aktuellsten Studie, die am Montag erschienen ist, krebsen die Autoren allerdings zurück – neu seien es 42 Milliardäre.

Sind die Superreichen also ärmer geworden? Oder die Armen reicher? Wer die Antwort sucht, wird erst im Anhang der Studie fündig. Dort steht, dass sich nicht die Vermögen veränderten, sondern die Daten. Das wirke sich auch auf die Statistik des Vorjahrs aus – diejenige mit den acht Männern. Der Wert schliesse «neue und aktualisierte Daten» ein, darunter Statistiken aus Russland, China und Indien. «Auf Basis der nun vorliegenden Daten hätte das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung im vergangenen Jahr dem der reichsten 61 Personen entsprochen», räumt Oxfam ein.

Politik, nicht Wissenschaft

Aber damit nicht genug. Wenn die private Verschuldung (beispielsweise Hypotheken) nicht berücksichtigt wird, dann waren es 181 Personen, die so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Die Schlagzeile wäre viel weniger dramatisch gewesen.

Obwohl die Behauptung aus dem Vorjahr relativiert werden musste, war die Oxfam-Kampagne auch dieses Jahr erfolgreich. Vor allem in den Online-Medien wurde die Schlagzeile nachgebetet. «Der Graben zwischen Superreichen und Armen wird noch grösser», titelte das Schweizer Radio und Fernsehen SRF. «So unfair ist das globale Vermögen verteilt», hiess es beim neuen Online-Portal Nau.

Dabei wird vergessen, dass Oxfam eine reine Kampagnenorganisation ist, die sich keinen wissenschaftlichen Standards verpflichtet. Sie jongliert mit Statistiken, um für ihre plakativen Forderungen (mehr Steuern) ein möglichst grosses Medienecho zu erzeugen, was jedes Mal gelingt. Auch im letzten Jahr dürfte sich der Kampagnenleiter zufrieden auf die Schultern geklopft haben.

Doch die Welt, die Oxfam zeichnet, hat mit der Wirklichkeit wenig gemein. Laut der Weltbank lebten im Jahr 1980 rund 44 Prozent der Weltbevölkerung in absoluter Armut, mit einem Einkommen von weniger als 1,9 Dollar pro Tag. Seither verringerte sich die Armut mit einem Tempo, das in der Geschichte der Menschheit einzigartig ist. Ende 2015 war weltweit weniger als jeder Zehnte von extremer Armut betroffen.

Und was macht Oxfam? Die Organisation bekämpft genau das, was den Armen in der Vergangenheit am meisten geholfen hat: die freie Marktwirtschaft. Angegriffen wird sie an ihrer Achillesferse, der Ungleichheit. Denn die freie Marktwirtschaft kann zwar die Armut beseitigen, aber nicht die ungleiche Verteilung der Vermögen. Im aktuellen Oxfam-Bericht steht: «Diese extreme Ungleichheit hält Menschen in Armut gefangen, zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ist ökologisch kontraproduktiv und in der Konsequenz für uns alle katastrophal.»

Katastrophal ist eher, dass die wahren Probleme so nicht angesprochen werden. Wem es ernst damit ist, die weltweite Armut zu bekämpfen, der muss die zahlreichen korrupten Regimes beseitigen, in denen der Staat nicht für faire Bedingungen sorgt, die unternehmerisches Handeln ermöglichen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.01.2018, 10:07 Uhr

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