«Es tut mir leid, dass das passiert ist»

Facebook-Chef Mark Zuckerberg äussert sich erstmals öffentlich zum Cambridge-Analytica-Skandal und verspricht bessere Kontrolle.

Zuckerberg im CNN-Interview: «Es tut mir sehr leid, dass das passiert ist.» Video: Tamedia/CNN

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Im Datenskandal bei Facebook hat Konzernchef Mark Zuckerberg Fehler eingeräumt und strengere Regeln angekündigt. In einem TV-Interview zeigte er sich bereit, sich einer strengeren Regulierung durch die Behörden zu unterwerfen und vor dem US-Kongress auszusagen.

«Das war ein grosser Vertrauensbruch. Es tut mir leid, dass das passiert ist», sagte der Milliardär am Mittwoch in einem CNN-Interview. Facebook habe die Pflicht, die Daten seiner Nutzer zu schützen.

In dem grössten sozialen Netz selbst schrieb Zuckerberg: «Es gibt noch mehr zu tun.» Welche Fehler genau gemacht wurden, erklärte der Manager nicht. Er kündigte aber eine Überprüfung der Software von anderen Anbietern auf Facebook an. Zudem solle der Zugang dieser Entwickler beschränkt werden. Geplant sei auch eine Funktion, mit der Facebook-Mitglieder den Zugang zu ihren Daten unterbinden könnten.

Es war das erste Mal seit Bekanntwerden der Vorwürfe am Wochenende, dass sich Zuckerberg dazu öffentlich äusserte. Sein Unternehmen steht in Europa und den USA unter Druck, weil die Londoner Beratungsfirma Cambridge Analytica unter Verdacht steht, Daten von 50 Millionen Nutzern auf unlautere Weise verwendet zu haben. Mit den so erstellten Profilen soll Cambridge Analytica zum Wahlsieg von Donald Trump 2016 beigetragen haben.

Beeinflussung von Wahlen verhindern

Zuckerberg sagte CNN, sein Unternehmen wolle eine Beeinflussung der US-Kongresswahl im November sowie der Wahlen in Indien und Brasilien verhindern. Er wolle sich zudem einer weitergehenden Regulierung durch die Behörden unterwerfen und wäre auch bereit, vor dem US-Kongress auszusagen.

Der Datenskandal treibt auch Investoren um. Aus Furcht, dass Werbekunden abgeschreckt werden könnten, hat die Facebook-Aktie in den vergangenen drei Tagen mehr als 45 Milliarden Dollar ihres Marktwartes eingebüsst. Nach der Veröffentlichung von Zuckerbergs Blogeintrag ging die Aktie am Mittwochnachmittag allerdings mit einem Plus von 0,7 Prozent aus dem Handel.

Die Pläne von Facebook sehen offenbar nicht vor, die Nutzung von Mitgliederdaten für Werbezwecke deutlich einzuschränken. Dies wiederum ist für die Gewinne des Unternehmen entscheidend. Dem Tech-Blog Recode sagte Zuckerberg, der bessere Schutz von Nutzerdaten werde «viele Millionen Dollar» kosten. Im Schlussquartal 2017 hatte Facebook einen Gewinn von mehr als vier Milliarden Dollar geschrieben.

Deutsche Regierung verlangt Erklärung

Die EU-Justizkommissarin Vera Jourová warnte angesichts des Datenskandals um Facebook und Cambridge Analytica vor einer Bedrohung für die Demokratie. Es gehe nicht nur um den Schutz persönlicher Daten, er habe «massive Auswirkungen» auf die Debatten und Wahlen.

Es sei in das Privatleben von Menschen eingegriffen worden, sagte Jourová am Mittwoch in Washington. Es handle sich um eine «heftige Manipulation» von Meinungen, die sich in Wahlergebnissen spiegle. Jourová sprach von einem «Weckruf».

Die deutsche Justizministerin Katarina Barley verlangte von Facebook Erklärungen. «Das europäische Facebook-Management muss zu diesem Skandal umfassend gegenüber der Bundesregierung Stellung beziehen», sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Gruppe. Dafür werde sie Vertreter des Unternehmens ins Justizministerium laden. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht.

Was bisher geschah

Die britische Analysefirma Cambridge Analytica, die nach Angaben ihres inzwischen suspendierten Chefs Alexander Nix einen Grossteil des Wahlkampfs für US-Präsident Donald Trump bestritten hat, soll Facebook-Daten von bis zu 50 Millionen Menschen missbraucht haben. Nix hatte einem angeblichen Kunden gegenüber Angaben zu den Verbindungen seines Unternehmens zu Trump gemacht. Der vermeintliche Kunde entpuppte sich aber als britischer Fernsehreporter von Channel 4. Unter anderem will Nix Trump persönlich mehrere Male getroffen haben. Nix selbst erklärte, er habe nur ein Spiel gespielt.

Einbruch an der Börse

Die US-Konsumentenschutzbehörde FTC untersucht einem Bericht der «Washington Post» zufolge auch Facebook, dessen Börsenkurs einbrach. Facebook verlor zeitweise bis zu 50 Milliarden an Unternehmenswert an der Börse.

Das Weisse Haus reagierte zunächst nicht offiziell. In Medienberichten versuchten Trump-Mitarbeiter die Verbindungen zu Cambridge Analytica kleinzureden.

Klage gegen Facebook

In der Datenaffäre um Facebook haben US-Investoren eine erste Klage gegen den Internet-Konzern eingereicht. Die Aktionäre machten geltend, dass die Konzernführung sie über die Fähigkeiten in die Irre geführt habe, die Daten der Nutzer zu schützen.

Der Zeitung «Los Angeles Times» zufolge wird Facebook in der am Dienstag bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereichten Beschwerde zudem vorgeworfen, die eigenen Datenschutzvorschriften verletzt zu haben. (chk/bla/sda)

Erstellt: 21.03.2018, 08:24 Uhr

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