Sechs Vorurteile gegenüber der Ü-50-Generation

Bei Versicherungen und Banken haben über 50-Jährige die trübsten Aussichten. Dabei sind sie nicht weniger motiviert.

Schwierige Stellensuche für Über-50-Jährige aus der Versicherungs- und Bankenbranche. Foto: Martin Ruetschi/Keystone

Schwierige Stellensuche für Über-50-Jährige aus der Versicherungs- und Bankenbranche. Foto: Martin Ruetschi/Keystone

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Der Kanton Aargau hat bei Firmen eine Charmeoffensive für Menschen über 50 gestartet. Im Rahmen einer grösseren Kampagne listet das Aargauer Wirtschaftsamt auf seiner Internetseite einige gängige Vorurteile gegen Ältere auf – die von wissenschaftlichen Studien entkräftet worden sind. Hier eine Auswahl:

Motivation «Bei Älteren sinkt die Motivation.» Hier zeigt sich sogar das Gegenteil: Mit dem Alter steigt die Motivation. Das besagt zumindest eine Studie der Wirtschaftswissenschafter Thomas Ng und Daniel Feldmann.

Veränderung «Ältere haben keine Lust mehr auf Neues.» Stimmt nicht, sagt die Wissenschaft. Je älter die Befragten einer Studie, desto grösser war ihre Bereitschaft, sich zu verändern.

Gesundheit «Ältere Mitarbeiter sind häufiger krank als jüngere.» Ältere und jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seelisch und körperlich ungefähr gleich oft krank.

Produktivität «Ältere sind weniger produktiv als Jüngere.» Bei einem grossen Anteil an älteren Mitarbeitern ist die Produktivität hoch. Laut einer Studie der deutschen Professoren Christian Göbel und Thomas Wick steigt die Produktivität eines Teams an, wenn der Mix zwischen Alt und Jung gut ist.

Freizeit «Älteren Menschen ist die Arbeit weniger wichtig als die Freizeit.» Laut den Ökonomen Thomas Ng und Daniel Feldmann haben ältere Menschen kaum Probleme, ihre Freizeit und die Arbeit gut aneinander vorbeizubringen. Sie setzen Prioritäten.

Personalkosten «Ältere Mitarbeiter sind teurer als die Jüngeren.» Hier ist das Gegenargument des Aargauer Arbeitsamts: Der Lohn ist immer auch Verhandlungssache. Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bereit, Kompromisse einzugehen. Die Wissenschaft sagt dazu, höhere Kosten müssten nicht sein. Ältere sind länger treu. Eine Firma kann also sparen, weil sie offene Stellen nicht immer neu besetzen muss.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2016, 09:45 Uhr

Jüngere lehren die Älteren, wie digital geht

Sie sprechen von einer grossen «Umbruchphase», von «Restrukturierungen» und der «Digitalisierung als Herausforderung». Die Bank Credit Suisse, die Versicherung Axa-Winterthur und der Kaufmännische Verband Schweiz kennen alle das Problem der über 50-jährigen Bankerinnen oder Versicherungsverkäufer, die nur schwer eine neue Stelle finden. Der Kaufmännische Verband Schweiz sieht die Ursache dafür in der fehlenden Weiterbildung.

Manuel Keller, Leiter Beruf und Beratung von KV Schweiz, fällt auf, dass es im KV-Bereich viele ältere Mitarbeiter gibt, die sich nach der Lehre nie weitergebildet haben. Und er sagt: «Ab 40 Jahren machen Mitarbeiter generell immer weniger Weiterbildungen.» Das sei statistisch erwiesen und ein Problem. «Gerade in diesem Alter wäre es wichtig, in sein eigenes Potenzial zu investieren.»

Grosse Firmen wie die CS und die Axa-Winterthur versuchen, dieses Problem etwas abzufedern. Beide geben an, ältere Mitarbeitende auf verschiedene Art zu unterstützen. Die CS hat im September ein Programm eingeführt, bei dem die älteren von den jüngeren Mitarbeitern lernen können – «zum Beispiel über Themen rund um die Digitalisierung», sagt CS-Sprecher Sebastian Kistner. Die Nachfrage sei gross.

In einem anderen internen Programm setzen sich die Mitarbeiter bestimmter Bereiche damit auseinander, wie sich ihr Berufsfeld in den nächsten Jahren ändern wird – und was sie tun müssen, um bei diesen Veränderungen mitzuhalten.

Auch die Axa-Winterthur bietet verschiedene Programme und Kurse an. Hier sollen die Angestellten ebenfalls voneinander lernen und mehr Verständnis füreinander entwickeln. Der Fokus liege aber nicht nur auf den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die über 50 Jahre alt seien, sagt Yvonne Seitz, Leiterin der Abteilung Diversity. Zurzeit ist ein Viertel der Axa-Angestellten über 50 Jahre alt. Bei der CS sind es weltweit zwölf, in der Schweiz
20 Prozent. Die Tendenz ist sinkend.

Die UBS zeichnet von sich ein etwas anderes Bild, was Mitarbeitende über 50 betrifft. Sprecherin Eveline Müller Eichenberger gibt an, der Anteil an über 50-Jährigen sei bei der UBS in den letzten Jahren gestiegen. Zudem würden langjährige Mitarbeiter geschätzt: «Fast die Hälfte des Personals ist seit über zehn Jahren bei uns.» Marisa Eggli

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