Swisscom verlangte von der Konkurrenz zu viel

Die Telekomriesin Swisscom muss Sunrise und Salt die Mitbenutzung ihres Netzes zu tieferen Preisen erlauben.

Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel der Swisscom für den Internetansschluss von Privathaushalten. (Archiv)

Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel der Swisscom für den Internetansschluss von Privathaushalten. (Archiv) Bild: 29655465/Keystone

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Der Telekomregulator Comcom verdonnert die Swisscom zu Preissenkungen zugunsten von Sunrise und Salt. Denn der «blaue Riese» hat von seinen Konkurrentinnen jahrelang zu hohe Preise für die Mitbenutzung des Swisscom-Festnetzes verlangt. Die Swisscom prüft nun einen Rekurs vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Konkret hat die Eidgenössische Kommunikationskommission (Comcom) die Preise für die letzte Meile auf dem Kupfernetz von der Telefonzentrale bis zum Hausanschluss um 10 bis 25 Prozent tiefer festgesetzt, als die Swisscom angeboten hatte. Dabei geht es um die Jahre 2013 bis 2016, wie die Comcom in einer Mitteilung vom Dienstag schrieb. So hat die Swisscom beispielsweise im Jahr 2016 für eine Leitung zum Endkunden von Sunrise 12,70 Franken pro Monat verlangt. Die Comcom hat nun diesen Preis auf 11,20 Franken heruntergeschraubt. Auch für die Jahr 2013 bis 2015 verfügte der Regulator tiefere Preise.

Kosten von Glasfasern als Grundlage

Weil die Swisscom auf dem Kupfernetz marktbeherrschend ist, muss sie der Konkurrenz bestimmte Dienstleistungen zu kostenorientierten Preisen anbieten. Bei der Berechnung dieser Preise hat sich die Comcom aber nicht auf die realen Kosten, sondern auf hypothetische Kosten gestützt, die bei einem Netz mit der neuesten verfügbaren Technologie anfallen würden. Und das sind heute die Glasfasern.

Denn neu sind nach einer Änderung der Fernmeldeverordnung für die Berechnung der Preise die Kosten der Glasfaserleitungen massgebend, auch wenn es etwa um Zugangspreise für Kupferleitungen geht. Und dies, obwohl das Glasfasernetz selber nicht reguliert ist, was heisst, dass die Swisscom hier ihrer Konkurrenz keine Leitungen anbieten muss.

Für die Endkunden hat der Entscheid der Comcom keine direkte Auswirkung. Sie bekommen keine Rückerstattung. Allerdings könnte sich die Senkung in der Zukunft auswirken und zu tieferen Endkundenpreisen im Festnetz führen.

Mietleitungen billiger

Auch in anderen Bereichen hat die Comcom die Preise der Swisscom heruntergeschraubt. Die grösste Senkung verfügte sie bei den Mietleitungen, wo sie Reduktionen zwischen 65 und 80 Prozent verordnete. Die Swisscom habe unangebrachte Preise von der Konkurrenz verlangt, schrieb der Regulator.

Dies sieht die Swisscom komplett anders: Die Senkungen der Comcom seien bei den Mietleitungen kaum nachvollziehbar, schrieb der Branchenprimus in einer Reaktion. Darüber hinaus hat die Comcom auch die Preise für die Netzzusammenschaltung (Interkonnektion) gesenkt, und zwar um durchschnittlich 10 Prozent.

Nichts zu beanstanden gab es indessen bei den Preisen für die Nutzung von Kabelschächten der Swisscom. Auch bei der Mitbenutzung von Swisscom-Telefonzentralen durch die Konkurrenz (Kollokation) gab es keine oder höchstens geringe Anpassungen. Damit die Konkurrenten von der Swisscom Anschlussleitungen entbündeln können, müssen sie ihre eigenen technischen Geräte in den Telefonzentralen installieren und diese selbst betreiben. Im Fachjargon wird dies Kollokation genannt.

Swisscom prüft Weiterzug

Die Swisscom selbst prüft nun, ob sie sich gegen den Comcom-Entscheid zur Wehr setzen und die strittigen Grundsatzfragen ans Bundesverwaltungsgericht weiterziehen soll, wie es in einer Mitteilung des Telekomkonzerns hiess.

Die Comcom habe mittels eigener Kostenmodellierung tiefere Zugangspreise als Swisscom bestimmt. Die Berechnungen der Swisscom basierten derweil auf Vorgaben des Bundesrats und Entscheiden des Bundesverwaltungsgerichts.

In der Rechnung hat die Swisscom für allfällige Preissenkungen vorgesorgt und wegen der Risiken in den Verfahren Rückstellungen gebildet. Die finanziellen Auswirkungen dürften sich auf einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr belaufen, präzisierte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Der finanzielle Ausblick der Gruppe für das laufende Jahr bleibe indes unverändert.

Sunrise profitiert am meisten

Am meisten profitieren von dem Entscheid wird Sunrise, die im Jahr 2013 Klage bei der Comcom eingereicht hatte. Denn Sunrise hat mit Abstand am meisten entbündelte Leitungen von der Swisscom, die sich Ende 2016 gesamthaft auf 128'000 Anschlüsse beliefen.

Salt ihrerseits hatte 2014 Klage eingereicht. Hauptgrund waren die Mietleitungen zu den Handyantennen.

Sunrise und Salt wollten den Entscheid der Comcom nicht näher kommentieren. Zunächst müsse man die mehreren hundert Seiten im Detail prüfen, hiess es bei beiden. Auch zu den finanziellen Auswirkungen könne man nicht sagen. (nag/sda)

Erstellt: 12.02.2019, 09:18 Uhr

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