US-Notenbank hebt Leitzins an

Die US-Notenbank Fed hat eine Anhebung der Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt verkündet. Es ist die erste Zinserhöhung im laufenden Jahr.

Der neue Notenbankchef: Jerome Powell. (1. März 2018)

Der neue Notenbankchef: Jerome Powell. (1. März 2018) Bild: Jacquelyn Martin/Keystone

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Trotz des wirtschaftlichen Booms in den USA will die Notenbank Fed unter ihrem neuen Chef das Tempo der Zinserhöhungen nicht verschärfen. Sie setzte auf der ersten Sitzung unter Regie des seit Februar amtierenden Präsidenten Jerome Powell den Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt hoch.

Er liegt nun in einer Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Die Währungshüter signalisierten zugleich, den Leitzins dieses Jahr nur noch zwei Mal anheben zu wollen.

Die Fed verzichtete damit auf eine härtere Gangart, wie sie manche Anleger am Aktienmarkt befürchtet hatten. Trotzdem wird die Zinskluft zur Euro-Zone und Japan noch tiefen: Denn dort wird vorerst nicht am Nullzins gerüttelt.

Powell betonte an der ersten Pressekonferenz als Fed-Chef, er wolle bei den Zinsen weder etwas überstürzen noch zu spät kommen: «Wir haben uns für einen Mittelweg entschieden: das bedeutet weitere schrittweise Anhebungen.» Auch für 2019 werden drei Erhöhungen angepeilt.

Kontinuität signalisiert

Die Fed entfernt sich damit weiter von den Konjunkturhilfen nach der weltweiten Finanzkrise. «Das ist ein Vorgang, der mehr als zwei Jahre in Gang ist», so der Fed-Chef. Er signalisierte damit Kontinuität zu seiner Vorgängerin Janet Yellen.

Powell, der lange Zeit als Direktor in der Fed-Führungsebene wirkte, gilt den Finanzmärkten als ruhender Pol und Garant für Stabilität. Diesem Ruf wurde er auch auf der Pressekonferenz gerecht: «Die jetzige Geldpolitik funktioniert sehr gut», sagte Powell.

«Es ist gut, dass der neue Fed-Chef mit der erneuten Zinserhöhung nahtlos die Normalisierungspolitik seiner Vorgängerin weitertreibt», sagte Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer Wirtschaftsinstitut ZEW. Die Fed sei dabei, sich einen ausreichenden Spielraum für die zinspolitische Bekämpfung der nächsten Krise zu erarbeiten.

Dazu passt, dass die Währungshüter für den Beginn des nächsten Jahrzehnts mit einer Abkühlung der Wirtschaft rechnen: Dann soll es nur noch zu einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 2,0 Prozent reichen – also relativ weit weg vom Ziel des US-Präsidenten Donald Trump, der auf Jahre hinaus ein Plus von 3,0 Prozent anstrebt. Für dieses Jahr sagt die Fed ein Wachstum von 2,7 Prozent voraus.

Moderates Tempo

2017 hatte die Zentralbank die Zinsen bereits drei Mal angehoben. Da die von Trump angestossene radikale Steuerreform der Konjunktur zusätzlichen Schub verleihen dürfte, hatten sich manche Experten auf einen aggressiveren Kurs der Fed eingestellt.

Auch wenn das Tempo der Erhöhungen nun wohl eher moderat ausfallen wird, dürften die Staaten der Euro-Zone von der wachsenden transatlantischen Zinskluft auf kurze Sicht durchaus profitieren, wie aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht.

Drohender Handelskonflikt beschäftigt Fed

Es geht jedoch auch die Sorge vor einem Handelskrieg zwischen den USA und der EU um. Sollte bis Freitag nicht noch eine Lösung im Streit über die von Trump angekündigten Schutzzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe zustande kommen, will die EU ihrerseits mit einem Bündel von Gegenmassnahmen reagieren. Mit China steuern die USA auf einen Handelskonflikt zu. Powell sagte, dieses Thema sei bei der Fed diskutiert worden. Einige hätten über Gespräche mit Wirtschaftsvertretern berichtet, die in Sorge seien. Doch für die Fed sei derzeit daraus keine Verschlechterung des Konjunkturausblicks abzuleiten. (nag/SDA)

Erstellt: 21.03.2018, 19:03 Uhr

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