Trumps Ex-Anwalt widerspricht Novartis

Michael Cohen sagte vor dem US-Kongress, der Pharmariese habe ihn als Lobbyist angeheuert. Weshalb das brisant ist.

«Jeder, der für Donald Trump arbeitet, lügt für ihn»: Michael Cohen teilt bei seiner Anhörung gegen den US-Präsidenten aus. (Video: Reuters)

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Bei der Generalversammlung am Donnerstag in Basel stellte der Pharmariese Novartis wichtige Weichen für die Zukunft: Mit grosser Mehrheit stimmten die Aktionäre dafür, die Augenheiltochter Alcon vom Konzern abzuspalten.

In der Nacht auf Mittwoch in Washington dagegen ging es bei der Anhörung von Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen vor einem Kongressausschuss noch einmal um die Vergangenheit – auch jener von Novartis. Dabei machte Cohen Aussagen, die offenbar im Widerspruch zu den Darstellungen von Novartis stehen. Es geht um die Frage, ob Cohen für Novartis Lobbyarbeiten leisten sollte oder nicht. Laut Cohen war dies eine Absicht, warum Novartis ihn im Frühjahr 2017 anheuerte. Novartis hat dagegen stets verneint, dass Cohen als Lobbyist tätig werden sollte.

Viel Geld für keine Leistung

Rückblende: Anfang Mai 2018 kam heraus, dass Novartis mit Michael Cohen über dessen Firma Essential Consultants einen Beratervertrag abgeschlossen hatte. Dafür bekam Cohen 1,2 Millionen Dollar von Novartis. Nach dem Regierungswechsel habe Novartis gehofft, dass Cohen dem Pharmariesen Informationen darüber geben könne, wie die neue Regierung Gesundheitsthemen anpacken will, vor allem mit Blick auf die geplanten Umbauarbeiten des US-Krankenversicherungssystems.

Im Februar wurde der Beratervertrag unterzeichnet, doch bei einem Treffen im März zwischen Cohen und dem damaligen Konzernchef Joe Jimenez wurde klar, dass Cohen keine nützlichen Informationen liefern konnte. Dennoch zahlte der Konzern die volle Summe.

Als der Vertrag publik wurde, nahm der langjährige Novartis-Chefjurist Felix Ehrat, der den Vertrag mitunterzeichnet hatte, seinen Hut. Der Vertrag sei ein «Fehler» gewesen, hiess es. Cohen galt stets als Trumps Mann fürs Grobe und hat unter anderem Schweigegelder an Frauen verteilt, die mit Trump eine Affäre gehabt haben sollen. Mittlerweile ist Cohen auch wegen Falschaussagen verurteilt worden.

Neue Ungereimtheiten

So zwielichtig Michael Cohen auch ist, seine Aussagen vor dem US-Kongress sind interessant, denn sie decken Ungereimtheiten in der Novartis-Affäre auf. In einer Antwort an die beiden US-Senatoren Richard Blumenthal und Elizabeth Warren vom 5. Juni schrieb Novartis noch, dass «Herr Cohen nicht engagiert worden war, um Lobbyservices zu leisten».

Cohen dagegen sagte vor dem US-Kongress, dass Novartis ihn sehr wohl als Lobbyisten einsetzen wollte. «Novartis schickte mir den Vertrag, in dem ausdrücklich drinstand, dass sie mich zum Lobbyieren haben wollten», sagte Cohen gemäss der Agentur Reuters. «Diesen Vertragspassus habe ich gestrichen, mit Initialen versehen und handschriftlich hinzugefügt, dass ich keine Lobbyarbeit leisten werde.»

Erster Vertragsentwurf sah Lobbyarbeit vor

Cohens Darstellung wird auch durch den Untersuchungsbericht des US-Senats vom vergangenen Juli gestützt: «Der ursprüngliche Vertragsentwurf, welchen Novartis Mr. Cohen zugesandt hatte, den Mr. Cohen später modifizierte, sah ausdrücklich vor, dass er Zugang zu Schlüsselpolitikern herstellen sollte.»

Tatsächlich war also Cohen zwar nie von Novartis als Lobbyist engagiert worden. Aber das war ursprünglich die Idee des Pharmariesen gewesen – wovon Novartis seither nichts mehr wissen will. Im Nachgang zu der Affäre hat daher Novartis stets betont, dass es beim Vertrag mit Cohen nur um Zugang zu Informationen gegangen sei.

Novartis will die Affäre abhaken

Der Punkt ist insofern heikel, weil Cohen in Washington nie als Lobbyist registriert war und er demzufolge auch gar nicht als Interessenvertreter hätte arbeiten dürfen.

Trotz der Widersprüche will sich Novartis nicht weiter zu Cohens Aussagen erklären. «Wir haben bereits alle Fragen zu unserer Beziehung zu Essential Consultants adressiert und betrachten diesen Fall als abgeschlossen», teilte Novartis mit.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 28.02.2019, 20:29 Uhr

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