10'000 neue Wohnungen: SBB-Pläne sorgen für Ärger

Der massive Ausbau des Immobiliensegments der SBB ruft sowohl linke als auch rechte Kritiker auf den Plan.

Ein SBB-Grossprojekt: Baustelle an der Zürcher Europaallee. (Archiv)

Ein SBB-Grossprojekt: Baustelle an der Zürcher Europaallee. (Archiv) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die SBB plant den Bau von 10'000 neuen Wohnungen in der ganzen Schweiz. Dies bestätigte Reto Schärli, Sprecher des Unternehmens, gegenüber der «NZZ am Sonntag». Diese grösstenteils von der SBB selber bewirtschafteten Wohnungen sollen in 30 neuen Arealen Platz finden, unter anderem in Basel, Luzern oder Zürich. «Die SBB tragen damit ihren Teil zum Wohnungsbau in der Schweiz bei», so Schärli. Ein Drittel werde im preisgünstigen Segment angeboten.

Zurzeit besitzt die SBB 3500 Gebäude, darunter 1600 Wohnungen und 830 Bahnhöfe. 1600 weitere Wohnungen bewirtschaftet die Bahn über Genossenschaften. Das Immobiliensegment hat die SBB derart ausgebaut, dass letztes Jahr bereits gleich viel Geld in Immobilien wie in den Personenverkehr gesteckt wurden.

Sozialer Wohnungsbau werde durch Passagiere gefördert

Die Bundesbahn ist bereits jetzt ein Immobilienriese. Die SBB erteilt keine Auskunft über den aktuellen Marktwert ihrer Immobilien, doch eine interne Quelle schätzt diesen gemäss NZZ auf 10 Milliarden Franken. Mit so einem Portfolio spielt die SBB in derselben Liga wie die Swiss Prime Site AG, die grösste private Schweizer Immobiliengesellschaft.

Das Vorhaben der SBB ruft von links bis rechts Kritiker auf den Plan. «Die Wohnungsproduktion gehört nicht zu den Aufgaben der Bahn», kritisiert Hans Egloff, SVP-Nationalrat und Präsident des Hauseigentümerverbandes. Ein Dorn im Auge ist ihm dabei vor allem der Drittel im preisgünstigen Segment. «Es kann doch nicht sein, dass die Passagiere über die Billettpreise noch sozialen Wohnungsbau finanzieren.» Die SBB sollten ihre freien Areale daher möglichst gewinnbringend veräussern.

«Die SBB schulden der Gesellschaft etwas»

Linken Parteien ist dieser Drittel zu wenig. So fordert SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, dass entweder Genossenschaften das Baurecht zukomme oder das Land dem Staat verkauft werde. «Die SBB haben ihr Land zu einem Spottpreis vom Staat erworben und es seither auch mithilfe von Investitionen der öffentlichen Hand veredeln können. Nun schulden sie der Gesellschaft etwas.»Der gemeinnützige Wohnungsbau soll insgesamt gefördert werden. Michael Töngi von den Grünen geht weiter: Er fordert konkrete Vorgaben zum Bau von preisgünstigen Wohnungen in SBB-Immobilien.

Bern will hingegen den Status quo aufrechterhalten. Die Regierung fordert lediglich ein «branchenübliches Ergebnis» im Immobiliensektor sowie eine Wertsteigerung durch die Entwicklungen der Immobilien. Die Gewinne aus den Immobilien seien notwendig, um die Finanzierung der Bahninfrastruktur sowie der überschuldeten Pensionskasse sicherzustellen. (sep)

Erstellt: 24.06.2018, 11:05 Uhr

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