6 Fragen zum Mega-Deal

Monopoly im Agrar-Geschäft: Der Kauf von Monsanto durch Bayer im Überblick.

Hier will Bayer/Monsanto eine noch grössere Rolle spielen: Weizenernte in den USA.

Hier will Bayer/Monsanto eine noch grössere Rolle spielen: Weizenernte in den USA. Bild: Reuters

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1. Wie kann Bayer das stemmen?
Der deutsche Konzern will den US-Agrarchemieriesen Monsanto für 62 Milliarden Dollar kaufen. Nach längeren Spekulationen legte der Konzern am Montag ein offizielles Angebot vor. Demnach bietet Bayer je Monsanto-Aktie 122 US-Dollar in bar, das Geschäft wäre nach aktuellem Kurs insgesamt etwa 55,2 Milliarden Euro wert.

Die Offerte entspreche einem Aufschlag von 37 Prozent auf den Schlusskurs der Monsanto-Aktie vor zwei Wochen, hiess es. Zur Finanzierung setzt Bayer auch auf eine Kapitalerhöhung. Bereits nach drei Jahren könne das Ergebnis des zusammengelegten Bayer-Monsanto-Konzerns durch Einspareffekte und eine bessere Verzahnung jährlich um rund 1,5 Milliarden Dollar verbessert werden.

2. Was will Bayer mit diesem Deal?
Weniger klassische Chemie, mehr spezialisierte Angebote für Bauern und ein stärkeres Pharma-Geschäft: Bayer stellt sich neu auf. Mit der Übernahme würde der deutsche Konzern, der sich immer mehr auf die Sparten Pharma und Agrar konzentrieren will, zum weltgrössten Agrarchemie-Hersteller aufsteigen. Aufsichtsbehörden müssen den Plänen allerdings noch zustimmen.

Der Deal biete «eine überzeugende Gelegenheit für Bayer, ein weltweit führendes Unternehmen für Saatgut, Pflanzeneigenschaften und Pflanzenschutz zu schaffen», erklärte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt.

3. Wer erhält die Zentralen?
Die Saatgut-Sparte sowie die Nordamerika-Geschäfte des zusammengeschlossenen Unternehmens sollen vom Monsanto-Hauptsitz in St. Louis, Missouri (USA), aus gesteuert werden. Der Pflanzenschutz soll in Monheim am Rhein (D) angesiedelt sein.

«Wir sind seit langem von Monsanto beeindruckt und teilen die Überzeugung, dass durch ein integriertes Geschäft erheblicher Wert für die Aktionäre beider Unternehmen entstehen würde», sagte Bayer-Chef Werner Baumann. Vorstand und Aufsichtsrat hätten das Angebot einstimmig beschlossen.

4. Warum wird der Deal kritisiert?
Umweltschützer und die Grünen hatten die sich anbahnende Fusion bereits in der vergangenen Woche kritisiert. «Gentechnik und Pestizide sind keine Zukunfts-, sondern Risikotechnologien», sagte Grünen-Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter der Deutschen Presse-Agentur. «Damit würde Bayer das eigene Gerede über nachhaltige Unternehmenskultur Lügen strafen.»

5. Wie sind die Grössenverhältnisse?
Monsanto erlöst pro Jahr gut 15 Milliarden Dollar mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Bayer kam im vergangenen Jahr insgesamt auf einen Umsatz von 46,3 Milliarden Euro. Am vorigen Donnerstag waren die Aktien zunächst auf Talfahrt gegangen, Beobachter hatten mit einem hohen Kaufpreis gerechnet.

6. Warum hat Monsanto einen schlechten Ruf?
Monsanto steht international auch wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Zudem stellt das US-Unternehmen den weltweit meistgenutzten Unkrautvernichter «Roundup» mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat her. In Deutschland kommt das Unkrautbekämpfungsmittel auf etwa 40 Prozent der Felder zum Einsatz. Es steht laut einigen Studien im Verdacht, Krebs zu erregen.

Im vergangenen Jahr noch war Monsanto der Angreifer gewesen und hatte den Basler Konzern Syngenta übernehmen wollen. Syngenta wehrte sich vehement, Monsanto gab im August auf. Jetzt wird Syngenta für 43 Milliarden Dollar – mit seinem Einverständnis – vom chinesischen Chemieriesen ChemChina übernommen. (sda)

Erstellt: 23.05.2016, 10:46 Uhr

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