Ackermann tritt bei Zurich zurück

Nach dem Selbstmord des Finanzchefs gibt Josef Ackermann das Präsidium beim Versicherungskonzern Zurich ab. Offenbar forderte die Trauerfamilie den Rücktritt. An der Börse verliert Zurich an Wert.

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Als Folge des Selbstmordes von Finanzchef Pierre Wauthier tritt Josef Ackermann vom Verwaltungsratspräsidium des Versicherungskonzerns Zurich Insurance Gruppe zurück. Wie der Konzern mitteilte, erfolgt der Rücktritt per sofort.

In die Lücke springt Vizepräsident Tom de Swaan. Ackermann begründete seinen Rücktritt mit seiner Ansicht, die Trauerfamilie sei der Meinung, er müsse seinen Teil der Verantwortung wahrnehmen, wird der ehemalige Chef der Deutschen Bank im Communiqué zitiert. «So unbegründet alle Vorwürfe auch sein mögen», hiess es weiter.

«Erfolgreiche Führung in Frage gestellt»

«Der unerwartete Tod Pierre Wauthiers hat mich zutiefst erschüttert», so Ackermann im Wortlaut. «Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag. Daher sehe ich eine weitere erfolgreiche Führung des Verwaltungsrates zum Wohle der Zurich in Frage gestellt. Um jegliche Rufschädigung zu Lasten von Zurich zu vermeiden, habe ich beschlossen, von allen meinen Funktionen im Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung zurückzutreten.»

Wauthier war am Montag tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Er hat sich mit grosser Wahrscheinlichkeit selbst getötet, wie die Polizei am Dienstag Abend mitgeteilt hatte. Wauthier war 1996 zur Zurich gestossen und 2011 zum Finanzchef ernannt worden. An der Börse lösten die Ereignisse der letzten Tage Unsicherheit aus. Der Aktienkurs der Zurich ging zwischen Handelsstart und 11 Uhr um 2 Prozent zurück. Der SMI notierte am Morgen beinahe unverändert.

Häufung von Schadensfällen

Inwiefern es zwischen Joe Ackermann und Pierre Wauthier berufliche Spannungen gab, bleibt abzuklären. Vordergründig lief es dem Zurich-Konzern im laufenden Jahr nicht besonders gut: Im ersten Quartal ging der Gewinn um 7 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zurück, im zweiten Quartal verzeichnete die Versicherung wegen einer Häufung von Schadensfällen eine Gewinnschrumpfung um 27 Prozent auf 789 Millionen Franken.

Im vergangenen Jahr hatte der Konzern zudem Abschreiber wegen medizinischer und anderer Haftpflichtfällen im Umfang von gesamthaft über einer Milliarde vornehmen müssen. Externe Experten waren daraufhin zur Prüfung der Bücher herbeigezogen worden. Trotz dieser Schwierigkeiten gilt die Zurich unter Analysten als solide kapitalisiertes Unternehmen, die ausgeschüttete Dividende gehört zu den höchsten am Markt.

Seit 2012 Verwaltungsratspräsident

Joe Ackermann war nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank seit März 2012 Verwaltungsratspräsident bei der Zurich Gruppe. Dort galt als einer der erfolgreichsten Banker Europas. Mit stehendem Applaus wurde er im März 2012 von den Aktionären verabschiedet. Andere Töne gab es damals von globalisierungskritischen Gruppen. Sie warfen Ackermann und der Deutschen Bank Anregung zur Steuerflucht, Waffenhandel und das Zocken mit Nahrungsmitteln vor.

Ackermann gilt als starke Persönlichkeit und polarisierte auch in der hohen Politik. 2005 erhielt er eine Schelte durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, da er zur gleichen Zeit ein Rekordergebnis der Deutschen Bank und Massenentlassungen ankündigte. Nachdem er die Position als Verwaltungsratspräsident bei der Zurich Gruppe übernahm, war der Aktienkurs der 130 Jahre alten Versicherungsgesellschaft nach oben gesprungen. (mw/ssc/sda)

Erstellt: 29.08.2013, 07:41 Uhr

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