Bizarrer Streit zweier Schweizer Informatikfirmen

Bison spannte Comparex die ganze Belegschaft aus. Jetzt streiten sich die beiden Unternehmen um die 180 Mitarbeitenden, um die Kunden und um künftige Aufträge.

Streithähne: Peter Jung von Comparex Schweiz und Rudolf Fehlmann von Bison.

Streithähne: Peter Jung von Comparex Schweiz und Rudolf Fehlmann von Bison.

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Man wähnt sich um 600 Jahre zurückversetzt. Das Heer von Leopold III. hatte die Nacht auf den 9. Juli 1386 im habsburgischen Städtchen Sursee verbracht. Am folgenden Morgen traf das Heer bei Sempach auf die hellebardenbewaffneten Eidgenossen. Am Abend war Herzog Leopold tot.

Gut 600 Jahre später sind die Österreicher an den Sempachersee zurückgekehrt. Und wieder beissen sie sich an den Innerschweizer Dickschädeln die Zähne aus. In Sursee sind zwei IT-Unternehmen heimisch: die Comparex Schweiz und die Bison-Gruppe. Erstere ist Dienstleisterin im Hardware-Bereich. Letztere entwickelt Software-Lösungen. Bison ist Kunde von Comparex und mit einer 30-Prozent-Beteiligung Minderheitsaktionärin. 70 Prozent werden von der deutschen PC-Ware gehalten, die wiederum vom österreichischen Raiffeisenkonzern kontrolliert wird.

«Unglaubliche Vorgänge»

Es war am 13. April, als das Unglaubliche geschah: Die Manager von Comparex Schweiz setzten sich ab und suchten Unterschlupf bei Bison – und mit ihnen fast die ganze Belegschaft, 180 von 200 Mitarbeitenden (TA vom 15. April).

Selbstredend gibt es zu diesem in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte einmaligen Geschehnis zwei Versionen, die wenig miteinander gemein haben. Die Kurzfassung der Bison-Variante: Zwischen dem Management und den österreichischen Besitzern gab es strategische Unstimmigkeiten. Die Belegschaft war verunsichert, weil zuvor bei der PCWare in Leipzig ein Stellenabbau erfolgt war. Die wichtigste Kundin von Comparex, die Agrargenossenschaft Fenaco, machte sich vor diesem Hintergrund Sorgen um das Funktionieren ihrer ITSysteme.

In dieser Situation wurde Rudolf Fehlmann aktiv, Konzernchef der BisonGruppe und am 13. April noch Verwaltungsrat bei Comparex. Im Verlauf des Tages trat er zurück. Am Abend hatten 180 Comparex-Leute gekündigt – mit einer schriftlichen Übernahmegarantie von Bison in der Hand.

«Wir bleiben in Sursee»

Gestern war nun der Tag der Österreicher. Orchestriert von PR-Berater Klaus J. Stöhlker schwangen sie aus sicherer Zürcher Entfernung ihre Hellebarden. Da war die Rede von einem «Schweizer Foul», von einem «Überfall», von einer «Revolution», von «unheimlichem Gruppendruck». «Diese Vorgänge sind unglaublich», sagte Peter Jung, von der Raiffeisengruppe abdelegierter neuer Konzernchef von Comparex Schweiz.

«Ich kann es nur als schlimmes Mobbing von Innerschweizern gegen Österreicher sehen.» Der Plan sei gewesen, «dass die Österreicher die Koffer packen». Das werden sie nicht tun. Jung: «Wir bleiben in Sursee.»

Längst sind Anwälte eingeschaltet, Hausdurchsuchungen haben stattgefunden, hinter den Kulissen wird um Kunden und Mitarbeiter gerungen. Heute schaut sich Jung mit der Belegschaft das WM-Spiel Schweiz gegen Spanien an. Er habe 100 Euro auf einen Sieg der Eidgenossen gesetzt. Die neuen Herren bei Comparex versuchen die Angestellten aber auch mit einem Rückkehrangebot zu halten. «Bis zu zehn Leute haben bisher das Angebot angenommen», sagt Jung. «Zurück geht keiner», kommt das Echo von Fehlmann.

Zieht Fenaco die Fäden?

Auch sonst steht Aussage gegen Aussage. Der neue Verwaltungsratspräsident der Comparex, Klaus Elsbacher, sagte gestern: «Wir gehen davon aus, dass unser Minderheitsaktionär diese Sache von langer Hand vorbereitet hat.» BisonChef Fehlmann widerspricht: «Ich habe nichts Bösartiges getan, schon gar nicht von langer Hand vorbereitet.» Elsbacher sagt, Comparex Schweiz sei im zweiten Quartal 2009 in die roten Zahlen gerutscht. Fehlmann entgegnet, Comparex habe immer schwarze Zahlen geschrieben.

Elsbacher behauptet, dass Fenaco «diese kalte Enteignung» finanziert habe. Fenaco-Sprecher Hans Peter Kurzen will davon nichts wissen. Auch habe Fenaco an Bison nur eine Minderheitsbeteiligung von 48,5 Prozent. Im Verwaltungsrat von Bison stellt Fenaco allerdings drei von sechs Vertretern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2010, 07:55 Uhr

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