Die Macks und ihr Freizeitpark

Im Europapark übernimmt die nächste Generation Schritt für Schritt mehr Verantwortung. Ein Übergang, der nicht frei von Konflikten ist – wie Thomas und Michael Mack erzählen.

Der Patron will mehr und mehr Verantwortung abgeben: Roland Mack, CEO des Europa-Parks. (2. Mai 2012)

Der Patron will mehr und mehr Verantwortung abgeben: Roland Mack, CEO des Europa-Parks. (2. Mai 2012) Bild: Bruno Schlatter

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Nach der Schule auf die Achterbahn, die ersten Partys mit den Ballerinas von der Tanztruppe feiern und im Märchenwald heiraten. Die Brüder Thomas (31) und Michael Mack (33) leben seit ihren Kindertagen im Europapark. Sie gehören zur kommenden Generation des Familienbetriebs und sind seit 2007 in der Geschäftsführung des grössten Freizeitparks im deutschsprachigen Raum. Schritt für Schritt übernehmen die beiden immer mehr die Leitung des Parks von Vater Roland und Onkel Jürgen – ein allmählicher Übergang, der nicht immer frei von Konflikten ist, wie Thomas und Michael Mack erzählen.

Die Fenster schallisoliert, der Teppich weich, ovaler Tisch aus poliertem Holz – die Brüder sind allein auf die Brücke gekommen. Die Captains Bridge ist ein Konferenzsaal im neugebauten Vier-Sterne-Hotel des Parks. Der sonst vor allem in den Medien präsente Vater Roland lässt an diesem Nachmittag die beiden Söhne ans Ruder.

Draussen rauschen die Achterbahnwagen vorbei, drinnen die Stationen des steilen Aufstiegs einer Familie: Der 1975 gegründete Europapark hatte im Eröffnungssommer 250 000 Besucher, heute sind es über vier Millionen und allein eine Million davon kommt aus der Schweiz. Fast jedes Jahr eröffnet der Park mindestens eine neue Attraktion. Mittlerweile sind es über 100. Im Freizeitpark bekommen auch Nachwuchs-Manager nichts geschenkt. Ans Steuer darf bei den Macks nur, wer sich bewährt. Michael ist stärker in der operativen Leitung des Parks eingebunden. Thomas trägt als gelernter Hotelier die Verantwortung für die Parkgastronomie, die fünf Hotels des Parks und das gesamte Marketing.

Präsenz des Parkgründers

Regelmässig sitzt die ganze Familie zusammen und bespricht den Betrieb sowie zukünftige Investitionen. Allein in das erst im Juli fertiggestellte Hotel «Bell Rock» – ein Projekt von Thomas – und weitere Attraktionen flossen in der aktuellen Saison laut Medienberichten 60 Millionen Euro. Zukünftige Projekte sind bereits in Planung, dazu zählt beispielsweise ein Grosskonzert im kommenden Jahr. Planungen, bei denen auch jemand das «letzte Wort» hat? «Ja», sagen beide Macks direkt, «das hat Vater Roland.»

Der gründete den Park zusammen mit dem Grossvater der Brüder Michael und Thomas 1975, drei Jahre nach einer Reise in die USA. Heute noch ist Franz Mack, der Grossvater, präsent – wenn Michael sich erinnert: «Der Opa hat immer gesagt, der Spass für die ganze Familie steht im Mittelpunkt.» Oder ganz bildlich als Büste, die während des Gesprächs über die beiden künftigen Parkchefs auf den Konferenztisch in der Captains Bridge blickt.

Die immer präsente und erfolgreiche Familie und ihr stetig wachsender Park ist ein Thema, das die beiden Mack-Brüder in über 30 Jahren verinnerlicht haben: «Da muss man reinwachsen. Es gab sicher Momente in unserer Jugend, wo wir gesagt haben, ‹das reicht jetzt›. Dann wollten wir nicht schon wieder Laufräder wechseln, sondern lieber Bundesliga schauen.» Dass es trotzdem zur Identifikation gekommen ist, liege rückblickend an den Vorbildern: «Unser Grossvater hat sich zu Lebzeiten immer voll dem Produkt verschrieben. Sein Antrieb war es, Menschen glücklich zu machen. Das hat uns geprägt», sagt Michael, der wie der Rest der Familienmitglieder im Management der Firma auch auf dem Parkgelände wohnt.

Nicht nur bei der Wahl des Wohnortes liegt die Familie gleichauf, «Wir bekommen auch alle das gleiche Salär», sagt Michael. Wie hoch das ist, verrät er freilich nicht. Zahlen bleiben innerhalb der Familie. Das gilt meist auch für Umsatz und weitere Betriebskennzahlen.

Ein Leben im Vergnügungspark

Der Familie gehört längst nicht nur der Europapark, sondern beispielsweise auch immer noch die Keimzelle des Unternehmens, der Achterbahnbauer Mack Rides in Waldkirch, bei dem Michael Mack ebenfalls mitarbeitet. Die Familie führt den früheren Wagenbaubetrieb in der achten Generation.

Was Vater Roland Mack ebenfalls vererbt bekommen hat, ist eine Strenge, von der auch die Söhne freimütig berichten: «Einmal auf die Schulter klopfen und loben, das wäre echt nett», sagt Thomas und lächelt dabei. Lob gebe es «immer nur indirekt». Doch hin und wieder komme es vor, dass der Vater zu Vorschlägen und Ideen, nach anfäng­licher Skepsis, seinen Söhnen sagt: «dann macht halt». «Das ist dann eine Liebesbekundung und das schönste Kompliment in der Familie», sagt sein Bruder Michael, der an dieser Stelle auch das Erfolgsgeheimnis der Familie vermutet: «Durch den Konflikt aus Alt und Jung muss man einfach besser sein und sich wirklich auf die Hinterbeine stellen, um die ältere Generation zu überzeugen.» Sei es beim Thema Holzachterbahn, die sich zum Publikumsmagneten entwickelt habe oder etwa bei Ideen rund ums neue Hotel, dem auch ein Feinschmeckerrestaurant angeschlossen ist.

Wann die Brüder das gesamte Geschäft führen werden, ist offen. «Ein Meilenstein in der Familie war schon immer die Hochzeit und wenn Nachwuchs kommt», sagt Michael. In der Mackschen Tradition überschreibe immer dann der Vater dem Sohn Anteile.

Zum Ende des Gesprächs schiebt Michaels Frau den Kinderwagen mit dem zweijährigen Sohn in den Raum. Ob der Kleine irgendwann einmal ein direktes Lob seines Vaters bekommt? «Ja» sagt Michael da schnell, «die Gesellschaft verändert sich ja auch.» Sein Bruder ergänzt: «Wir wollen unsere Werte weitergeben.» Dazu zählt – wen wunderts – der Familienfriede. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.10.2012, 17:54 Uhr

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