Hintergrund

Eiszeit zwischen Raiffeisen und Vontobel

Das Schiedsgericht in einem Streit zwischen den Banken Vontobel und Raiffeisen hat eine erste Einschätzung vorgenommen. Obwohl die beiden aufeinander angewiesen sind, streiten sie erbittert.

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Am Mittwoch war erster Showdown. Die beiden Streithähne Vontobel und Raiffeisen erfuhren die erste Einschätzung eines dreiköpfigen Schiedsgerichts in der Causa Kooperationsvertrag. Die beiden Chefs – Pierin Vincenz von Raiffeisen und Zeno Staub von Vontobel – waren beide persönlich anwesend. Der Kooperationsvertrag regelt die langjährige Zusammenarbeit zwischen den zwei Banken. Die Bank Vontobel ist der Ansicht, dass Raiffeisen die Vereinbarung gebrochen hat, daher der Schritt vor den Richter.

Der Streit dreht sich im Kern um die Notenstein Privatbank, die seit zwei Jahren zur Raiffeisengruppe gehört. Vontobel will, dass auch das Wertpapier- und Produktgeschäft der Notenstein über die Vontobel-Plattform und das eigene Investmentbanking abgewickelt wird. Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass Notenstein frei bleiben solle.

In Bezug auf das laufende Verfahren will sich weder die Bank Vontobel noch die Raiffeisen äussern. Doch aus involvierten Kreisen ist zu hören, wie die erste Weichenstellung des Schiedsgerichts von dieser Woche ausgefallen ist. Das dreiköpfige Gremium, das im Unterschied zu einem öffentlichen Gericht im Geheimen tagt, bestätigte im Grundsatz die Sichtweise von Vontobel. Der Vertrag mit Raiffeisen umfasse prinzipiell auch die Aktivitäten von Notenstein.

Doch damit haben die Zürcher noch nicht viel gewonnen. Die Richter wollen nämlich den Schaden beziffert haben. Wie gross ist der Verlust, wenn Notenstein ihr Geschäft statt über Vontobel über andere Plattformen abwickelt oder ihre eigenen Ressourcen dafür nutzt? Laut einer Quelle handelt es sich in diesem Punkt um die Trumpfkarte von Raiffeisen-Chef Vincenz: Der betonte schon früher, dass der Bank Vontobel durch die von ihm übernommene Notenstein kein Schaden entstehe, da diese Bank erst nach der Vereinbarung mit Vontobel zu Raiffeisen gestossen sei. Am bisherigen Geschäft, jenem mit den 300 Banken der Raiffeisengruppe, verteilt über das ganze Land, ändere sich gar nichts, sie arbeiteten, wie dies der Kooperationsvertrag vorsehe, weiterhin gut und eng mit Vontobel zusammen.

Vontobels IT-Infrastruktur ist nicht ausgelastet

Vontobel stellt sich laut einer anderen Quelle bei dieser Argumentation auf den Standpunkt, dass es nicht nur ums Business gehe, sondern auch ums Prinzip. «Verträge sind da, um eingehalten zu werden», sagt der Gesprächspartner. Es wäre eine schlechte Entwicklung, wenn Vincenz respektive der Raiffeisenkonzern existierende Abmachungen ungestraft in den Wind schlagen könnten.

Da mögen die Richter den Zürchern grundsätzlich recht geben. Nur: Recht haben ist das eine, zum Ziel kommen das andere. Die Bank Vontobel hat eine der grössten und modernsten IT-Infrastrukturen des Finanzplatzes aufgebaut. Diese ist durch das eigene Volumen bei weitem nicht ausgelastet. Umso grösser ist die Abhängigkeit von den Raiffeisenbanken und ihren Kunden, sie sind die mit Abstand grössten Auftraggeber und ermöglichen es Vontobel, die hohen Kosten der Plattform auf mehr Volumen zu verteilen. Raiffeisen profitiert dadurch von günstigeren Stückkosten. Es war genau diese Win-win-Situation, die dem Kooperationsvertrag gedanklich zugrunde liegt und die jetzt auf der Kippe steht.

Die erste Einschätzung des Schiedsgerichts und die Reaktionen der Streithähne deuten darauf hin, dass in den letzten Monaten, seit das Verfahren läuft, keine Annäherung stattgefunden hat. Im Gegenteil, zwischen Raiffeisen und Vontobel herrscht offenbar tiefe Eiszeit. Aus mehreren Gesprächen geht hervor, dass beide mit einem Sieg rechnen. Deshalb ist keiner bereit, von der eigenen Position abzurücken und einen Kompromiss zu suchen.

Das wirft die grundsätzliche Frage auf, wie es für die beiden Banken möglich sein soll, in Zukunft weiter zu kooperieren. Der Streit, der offenbar immer gehässiger wird, führt zu Wunden, die möglicherweise nicht mehr verheilen können. Dann aber könnten beide als Verlierer dastehen: Vontobel hätte den besten Kunden nicht mehr, und Raiffeisen bräuchte viel Zeit und Geld, um das Volumen andernorts abwickeln zu können.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2014, 15:48 Uhr

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