Ermotti kämpft gegen interne Feinde

UBS-Chef Sergio Ermotti verschickte einen Brief an alle Mitarbeiter. Er ist in ungewohnt zornigem Ton verfasst. Bei der Bank scheint sich ein interner Machtkampf abzuspielen.

«Persönlich enttäuscht»: UBS-Chef Sergio Ermotti während einer Pressekonferenz. (31. Juli 2012)

«Persönlich enttäuscht»: UBS-Chef Sergio Ermotti während einer Pressekonferenz. (31. Juli 2012) Bild: Keystone

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In einem am Samstagabend überraschend verbreiteten Communiqué deutet Konzernchef Sergio Ermotti ein Klima bei der UBS an, das von Intrigen und Selbstsucht geprägt ist. Ermotti wehrt sich in dem Schreiben gegen Spekula­tionen zu seinen strategischen Plänen. Er sei «persönlich enttäuscht, weil es Leute in der Bank gibt, die unverantwortlich oder lediglich in ihrem eigenen Interesse handeln, indem sie zu diesen Spekulationen beitragen». Kommentieren werde er diese aber nicht, «ganz egal, ob sie falsch sind oder auch wahre Elemente beinhalten».

Zuvor hatte der «Tages-Anzeiger» Pläne publik gemacht, nach denen die UBS das Budget der ­Informatik massiv reduzieren will. Von den weltweit insgesamt 8200 Stellen in dem Bereich könnte bis zu ein Drittel abgebaut werden.

Die IT-Reform ist Teil der von Ermotti eingeleiteten Industrialisierungsstrategie. Diese wird von Ex-Swisscom-Mann Eros Fregonas und dem externen Berater Claudio Cisullo umgesetzt. Das Duo ist laut der «SonntagsZeitung» UBS-intern hoch umstritten. Den beiden werden Arroganz und fehlendes Fachwissen vorgeworfen.

Weber will Investmentbank schrumpfen

Auch mit Verwaltungsratspräsident Axel Weber liefere sich Ermotti einen Machtkampf, schreibt die «SonntagsZeitung». Dabei gehe es ums Investmentbanking. Ermotti wolle hier den Rotstift eher nicht ansetzen, auch weil er mit Andrea Orcel eben erst einen Vertrauten an die Spitze der umstrittenen Abteilung gehievt habe.

VR-Präsident Weber hege mit der Investmentbank hingegen keine grossen Ambitionen. Mit den Wallstreet-Schwergewichten Goldman Sachs und JP Morgan wolle er gar nicht erst konkurrieren. Lieber würde er die Sparte in «Merchant Bank» (Handelsbank) umtaufen, um das Zocker-Image loszuwerden. Setze sich Weber durch, würde bei der Investmentbank die Axt angesetzt, gibt sich die «SonntagsZeitung» überzeugt.

Oberster Kommunikationschef geht

Wie der «Sonntag» schreibt, wird Kommunikationschef Michael Willi das Unternehmen verlassen. Seine Demission wurde am Freitag in einem internen Memo an sämtliche 64'000 UBS-Mitarbeiter weltweit kommuniziert. Willi war ein Urgestein der Bank, seit er nach seinem Studium bei dem damaligen Bankverein anheuerte.

In den letzten Jahren sah er viele Konzernchefs gehen und kommen, vor allem in den letzten fünf Jahren, als die Finanzkrise die UBS besonders stark traf. «Nach 20 Jahren bei der Bank und vier Jahren als globaler Chef für die Gruppen-Kommunikation freue ich mich auf Neues.» Dies könnten VR-Mandate und die Selbstständigkeit sein, sagt der Basler gegenüber dem «Sonntag».

Offenbar kam es zu einem Machtkampf zwischen Willi und seinem direkten Vorgesetzten Ulrich Körner. Der Wechsel in der intern und extern exponierten Position kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Bereits vor einigen Wochen gab die Bank den Abgang des Pressechefs für den Bereich Schweiz bekannt. Peter Hartmeier, ein Ex-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und funktionsmässig Globalchef Michael Willi unterstellt, liess sich vorzeitig pensionieren. (kle/rub)

Erstellt: 14.10.2012, 08:24 Uhr

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