«Es gibt keine Alternative»

BASF-Schweiz-Chef Andreas Dür zum Abbau und den Perspektiven für die Firma in Basel.

«Nicht zu viel Politik im Unternehmen»: Das fordert Andreas Dür.

«Nicht zu viel Politik im Unternehmen»: Das fordert Andreas Dür. Bild: ZVG

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Herr Dür, Sie sind ein Ciba-Veteran. Wie ist es für Sie, die Aktivitäten am Standort Basel immer weiter abbauen zu müssen?
Ich bin seit 37 Jahren in der Firma, früher Ciba, heute BASF. So einen Einschnitt an vorderster Front zu begleiten, ist nicht einfach. Aber wegen der wirtschaftlichen ­Situation gibt es keine Alternative.

Wie viele Arbeitsplätze wurden seit der Ciba-Übernahme hier abgebaut?
Seit Ende 2010 wurden rund 650 Stellen am Standort Basel ab­gebaut. Diese Massnahmen haben in erster Linie Konzernfunktionen betroffen, die nicht mehr nötig waren, weil der Hauptsitz weggefallen ist – also Bereiche wie Finanzen, Forschung und Entwicklung und Marketing. Die globalen Funktionen werden heute vorwiegend von der Konzernzentrale in Ludwigshafen betreut. Mittlerweile hat BASF die Einheiten am Standort neu aufgestellt, und nun werden sie dem neuen, eingeschränkten Bedarf angepasst.

Bleibt Basel das wichtigste Forschungszentrum des Konzerns ausserhalb von Ludwigshafen?
Das wird sich zeigen. Es bleibt für die Forschung in der Spezialitäten­chemie gut aufgestellt. Nach dem Abbau wird dieser Bereich noch rund 270 Stellen umfassen. Aber die Wichtigkeit hängt nicht nur von der Anzahl Mitarbeiter ab, sondern auch davon, was die ­Forschung hervorbringt. Hier haben wir Erfolge vorzuweisen. Künftig konzentriert sich Basel stärker auf Wachstumsfelder wie etwa die organische Elektronik. Da geht es zum Beispiel um Oled, also stromsparende Leuchttechnologie.

Wie viele der vom Abbau betroffenen Personen werden realistischerweise eine neue Stelle innerhalb des Unternehmens finden?
Wir werden den Abbau so sozial­verantwortlich wie möglich durchführen. Wir haben die Personalvertretung vor einer Woche informiert und werden nun Gespräche führen, wie viele interne Versetzungen, wie viele Frühpensionierungen möglich sind. Aber wir müssen uns im Klaren sein: Es ist keine kleine Zahl von Mitarbeitern, die betroffen ist. Wir werden versuchen, die Anzahl Kündigungen so klein wie möglich zu halten.

Warum ist BASF eigentlich nicht beim Gesamtarbeitsvertrag der Basler Chemie dabei, sondern hat einen eigenen Einheitsvertrag?
Wir haben das bei der Neuverhandlung zum Einheitsvertrag 2012 geprüft und uns dagegen entschieden. Wir sind der Überzeugung, das Maximum an Kompetenzen und Mit­sprache soll nicht auf der Stufe der Vertragspartner (Unia, Syna, Angestellte Schweiz) liegen, sondern bei den internen Personalvertretern, welche die Firma besser kennen. Damit wollten wir sicherstellen, dass sachbezogen diskutiert wird und wir nicht zu viel Politik ins Unternehmen bringen.

Darum haben sich am Dienstag auch die Gewerkschaften darüber beschwert, dass sie über den Abbau nicht vorab informiert worden sind.
Genau. Wir hoffen, dass wir mit der Personalvertretung im Unternehmen eine Lösung finden. Sollte das nicht gelingen, könnten die Personalver­treter in einem zweiten Schritt die Vertragspartner an den Tisch bringen.

Wann liegt eine Lösung vor?
Wir können es nicht übers Knie brechen. Im Einheitsvertrag gibt es einen Passus von sechs Wochen. Vorsichtig ausgedrückt: Es würde mich erstaunen, wenn es weniger wäre.

Eine Abteilung, die von dem jüngsten Abbau nicht betroffen ist, ist der Hauptsitz für das Papierchemikaliengeschäft. Wie bedeutend sind diese Aktivitäten?
Es ist immer eine gewisse Wertschätzung, wenn ein solcher globaler ­Unternehmensbereich von einem Standort aus geführt wird. Doch diese Bedeutung schlägt sich nicht zwingend auch in der Zahl der Beschäftigten nieder. Es sind hier rund 50 Mit­arbeitende in diesem Bereich tätig.

Hält BASF langfristig am Papiergeschäft fest oder ist es auch möglich, dass ­dieser Bereich ausgegliedert wird?
Durch den Zusammenschluss der ­Aktivitäten im Papierchemikalien­bereich von BASF und Ciba wurden wir zum Weltmarktführer, und es ist unsere Priorität, dass wir diese Posi­tion auch halten. Aber es ist ein schwieriges Umfeld.

Wo werden die verbleibenden BASF-­Aktivitäten in der Region angesiedelt?
Da suchen wir jetzt eine ideale ­Lösung. Wir werden ein verbessertes Nutzungskonzept für das Klybeck-­Areal und etwaige Alternativen erarbeiten. Wahrscheinlich ist ein Verkauf der BASF-eigenen Immobilien im Klybeck. Auch die gemieteten Büro- und Laborflächen für die Forschung im Rosental sollen optimiert werden. Hier haben wir die genutzten Gebäude schon früher verkauft und zurückgemietet (sale and lease back).

Büros und Forschung müssen für Sie nicht am selben Ort sein?
Nicht zwingend.

Wie gross sind die Leerstände im Klybeck-Areal heute vor dem Abbau schon?
Ich schätze etwa 20 Prozent.

Und dann werden wohl mittelfristig auch die Flächen von Huntsman frei.
Ja, es ist aber sehr komplex, da wir Grundeigentümer sind und Huntsman die Gebäude im Baurecht mit sehr lange laufenden Verträgen hat.

Was vermuten Sie, was einst aus dem Areal wird?
Wir haben uns noch keine Gedanken gemacht, wie es genutzt werden kann. Konkrete Interessenten haben sich noch keine gemeldet. Unsere Nachbarn wie Novartis haben zwar kein Vorkaufsrecht, aber wir die Pflicht, es ihnen anzubieten. Auch mit dem Kanton haben wir uns regel­mässig ausgetauscht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Basel-Stadt an einem solchen Areal Interesse hat.

Was ist in der BASF-Kultur anders als in der alten Ciba-Welt?
Ein Unterschied ist sicher die Grösse. Weil BASF so viele Geschäftsein­heiten hat, ist es unerlässlich, diese regelmässig zu überprüfen. Der Konzern führt ein ganz konsequentes Portfoliomanagement.

Sie sind jetzt 62. Wenn Sie dereinst ­pensioniert werden, was ist dann von BASF in der Schweiz noch übrig?
Das ist sehr schwierig zu sagen, aber ich habe die grosse Hoffnung, dass wir nach Abschluss der aktuellen Restrukturierung, die bis 2015 dauert, die verbleibenden Funktionen stabil weiterführen können. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.04.2013, 11:08 Uhr

Der Multifunktionale

Der diplomierte Chemiker Andreas Dür (62) ist Chef von BASF Schweiz. Er war in der Ciba-Geigy zuerst in der Ent­wicklung tätig und übte danach von der Agrochemie über Kunststoff-Additive bis Textilchemikalien und von der Produktion bis hin zum General Management insgesamt 13 Funktionen in den letzten 37 Jahren aus. In seiner Karriere war er für das Unternehmen auch in Deutschland und Südafrika tätig. (dba)

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