Festnetz-Sterben vermiest Swisscom die Zahlen

Immer mehr Kunden telefonieren übers Internet: Der grösste Schweizer Telekomkonzern verliert im ersten Quartal weiter an Umsatz.

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Die immer grössere Erosion in der Festnetztelefonie macht der Swisscom zu schaffen. Im ersten Quartal büsste der grösste Schweizer Telekomkonzern weiter an Umsatz ein. Nur mit Sparmassnahmen, denen auch Stellen zum Opfer fielen, konnten die Auswirkungen auf den Gewinn begrenzt werden.

Die Spirale in der Festnetztelefonie dreht sich immer schneller nach unten. Ende März hatte die Swisscom noch 2,3 Millionen Abonnenten. Damit hat der «blaue Riese» innert eines Jahres 285'000 Anschlüsse verloren. Zum Vergleich: Das ist mehr als die Hälfte des Festnetzkundenbestandes der zweitgrössten Anbieterin UPC.

Konkurrenz Internet-Telefonie

Und der Aderlass wird immer heftiger. In den vergangenen zwölf Monaten sind 11 Prozent der Festnetztelefoniekunden abgewandert. In den Vorjahren war das Minus nicht mal halb so gross.

«Immer mehr Kunden bestellen das Festnetz ab und brauchen das Mobiltelefon oder telefonieren übers Internet», sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Angetrieben werde dieser Trend durch die zunehmenden Mobilfunkabos mit Pauschaltarifen. «Das Nutzungsverhalten der Kunden ändert sich», konstatierte Schaeppi.

Mobilfunkmarkt gesättigt

Dies habe im ersten Quartal die Hälfte der Umsatzeinbussen der Swisscom in der Schweiz mit Telekomdiensten ausgemacht. Für die andere Hälfte seien Preissenkungen, auch für die Benutzung des Handys im Ausland (Roaming), sowie Einbussen im Grosskundengeschäft verantwortlich gewesen. Zudem sei der hiesige Mobilfunkmarkt gesättigt.

Insgesamt sank der Konzernumsatz im ersten Quartal um 1,9 Prozent auf 2,831 Milliarden Franken. Aufgrund von Sparmassnahmen fiel der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) indes nur um 0,7 Prozent auf 1,073 Milliarden Franken.

Schrumpfender Personalbestand

«Dank umsichtiger Planung und aktivem Kostenmanagement gelang es der Swisscom, im Schweizer Kerngeschäft rund die Hälfte des Umsatzrückgangs zu kompensieren», sagte Schaeppi.

Als Folge des rückläufigen Kerngeschäfts schrumpfte der Personalbestand in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr um 680 auf 18'280 Vollzeitstellen. Rund die Hälfte der Reduktion konnte laut Schaeppi über die natürliche Fluktuation und das Management von Vakanzen aufgefangen werden. Seit Ende Dezember wurden in der Schweiz 92 Vollzeitstellen gestrichen.

Steigerung des Reingewinns

Für das Gesamtjahr ist konzernweit der Abbau von 500 Stellen geplant. Dies ist Teil eines Sparplans, mit dem die Swisscom die Kosten bis 2020 um 300 Millionen unter den Stand von 2015 drücken will.

Unter dem Strich konnte die Swisscom den Reingewinn im Startquartal gar um 2,5 Prozent auf 373 Millionen Franken steigern. Dies ist geringeren Abschreibungen und einem besseren Finanzergebnis zu verdanken.

Erwartungen übertroffen

Damit hat der Konzern mehr verdient, als Analysten erwartet hatten. An der Schweizer Börse stieg die Aktie bis gegen 14 Uhr um 2 Prozent. Damit war die Swisscom die grösste Gewinnerin unter den Grosskonzernen im Börsenindex SMI.

Während in der Schweiz das Geschäft unter Druck stand, legte die Swisscom im Ausland deutlich zu. Die italienische Breitbandtochter Fastweb steigerte dank mehr Kunden den Umsatz um 3 Prozent auf 453 Millionen Euro. Der Betriebsgewinn Ebitda kletterte sogar um knapp 11 Prozent auf 145 Millionen Euro.

Ultrabreitband auf Kurs

Der Ausbau des Ultrabreitbandnetzes in Italien werde mit Hochdruck fortgesetzt, sagte Schaeppi: Bis 2020 sollen 13 Millionen Haushalte und Geschäfte in 29 Städten mit Ultrabreitband erschlossen sein. Dazu spannt Fastweb mit Konkurrentin Telecom Italia in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen. Telecom Italia ist daran mit 80 Prozent und Fastweb mit 20 Prozent beteiligt.

Dieses Unternehmen ist aber ins Visier der italienischen Wettbewerbsbehörde geraten. Diese verdächtigt das Gemeinschaftsunternehmen namens Flash Fiber, den Wettbewerb bei Breitband- und superschnellen Breitbandverbindungen möglicherweise zu behindern. Beamte der Finanzpolizei hatten im Februar Unterlagen von Fastweb und Telecom Italia beschlagnahmt.

«Italien ist nicht die Schweiz»

Dies sei ein Standardverfahren, beschwichtigte Schaeppi. «Das ist nichts Alarmierendes. Italien ist nicht die Schweiz.» Fastweb sei davon überzeugt, dass die Vorgehensweise des Unternehmens zulässig sei. Schuld an der Untersuchung sei eine Intervention der Konkurrenz, sagte ein Swisscom-Sprecher. (chi/sda)

Erstellt: 03.05.2017, 17:21 Uhr

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