Globus kauft Schild

Die Migros-Tochter Globus übernimmt die Modekette Schild. Über den Kaufpreis vereinbarten die beiden Unternehmen Stillschweigen. Die Unternehmen erhoffen sich Synergien im virtuellen wie im realen Handel.

Massarbeit: Kundin und Verkäuferin in einer Schild-Filiale in Zürich. (4. Juli 2011)

Massarbeit: Kundin und Verkäuferin in einer Schild-Filiale in Zürich. (4. Juli 2011) Bild: Keystone

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In der umkämpften Schweizer Modebranche kommt es zu einem Zusammenschluss. Die Migros-Tochter Globus übernimmt die Modekette Schild. Damit würden die beiden Unternehmen zur Nummer eins im hiesigen Markt für mittlere und gehobene Mode, teilten Globus und Schild mit.

Die Sortimente, Marken und Standorte von Schild würden die Strategie von Globus und Herren Globus ideal ergänzen und deren Position hierzulande weiter signifikant stärken. Globus und Schild seien die einzigen grossen Unternehmen, die in den letzten Jahren Marktanteile im mittleren und gehobenen Modesegment gewonnen hätten, hiess in einem Communiqué vom Freitagnachmittag.

Und dieses Segment ist wichtig. Denn hier würden über 70 Prozent des Bekleidungsumsatzes in der Schweiz erzielt, schreiben Globus und Schild: «Der Zusammenschluss nimmt die in der Schweizer Modebranche anstehende Konsolidierung vorweg.»

Talfahrt

Denn die Branche ist nicht auf Rosen gebettet. Im ersten Halbjahr schrumpfte der Gesamtmarkt laut dem Marktforschungsinstitut GfK um 4,5 Prozent. Wegen des ewigen Winters und des schlechten Wetters während gab es während 5 von 6 Monaten deutliche Einbussen. Zudem drängen ausländische Onlineketten in den Schweizer Kleidermarkt.

«Es gibt einen gewissen Verdrängungs- und Konsolidierungsdruck in der Schweiz. Wir sind überzeugt, im neuen Verbund mit Globus und 1 Milliarden Franken Umsatz extrem viel bewegen zu können», sagte Schild-Verwaltungsratspräsident und -Grossaktionär Stefan Portmann in einem Videointerview.

Globus hat 14 Warenhäuser in der Schweiz und erzielte im vergangenen Jahr einen Nettoumsatz von 705 Millionen Franken, während Herren Globus in 24 Filialen auf einen Umsatz von rund 80 Millionen Franken kam.

Schild seinerseits erreichte einen Umsatz von 188,3 Millionen Franken. Die Gruppe betreibt in der ganzen Schweiz 31 Modehäuser, 3 Outlets und 23 Markenshops. Die Gruppe peilt im laufenden Jahr einen Umsatz in der Grössenordnung von 200 Millionen Franken an.

Synergien

Bei Globus sei das Potenzial für neue grosse Warenhausstandorte in der Schweiz ausgeschöpft, hiess es im Communiqué. Das Modehaus Schild mit der guten finanziellen Verfassung und den attraktiven Standorten sei da die ideale Ergänzung.

Zudem ermögliche der Schulterschluss zahlreiche Markt-, Prozess- und Kostensynergien. Wie hoch die ausfallen würden, dazu machte Migros-Sprecher Urs Peter Naef auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda keine Angaben. Die Zusammenführung der Unternehmen sowie die Realisierung der Synergien sollen über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren erfolgen.

Dem Personal von Schild eröffneten sich durch den Zusammenschluss mit Globus neue Möglichkeiten, sagte Schild-Geschäftsführer Thomas Herbert in dem Videointerview.

Onlineshop wichtig

«E-Commerce und ein intensiver Verdrängungswettbewerb seien die grossen Herausforderungen im Bekleidungsmarkt. Hier bietet sich Raum für Zusammenarbeit. «Wir haben einen Online-Shop. Globus noch nicht», sagte Herbert. «Die Verknüpfung von stationärem und virtuellen Onlinehandel werde zunehmen.

So könne der Kunde beispielsweise im Laden auf einem Bildschirm oder iPad anschauen, wie ihm Kleidungsstücke in einer anderen Farbe stehen würden, falls die gerade nicht vorhanden sein. Diese würden dem Kunden innert weniger Stunden dann nach Hause geliefert, sagte Herbert.

Für den Verkauf von Schild an Globus sei nicht die finanzielle Motivation im Vordergrund gestanden, sagte Herbert, der bisher zusammen mit Portmann 54 Prozent an Schild besass. «Wir verkaufen und beteiligen uns am neuen gemeinsamen Unternehmen Globus. Wir bleiben Unternehmer und Aktionäre. Wir wollen, dass der Erfolg weitergeht, und daran teilhaben.»

Es sei wie ein Nach-Hause-kommen, sagte Portmann. Denn beide hätten eine Dekade bei Globus gearbeitet, bevor sie 2003 die damals defizitäre Schild-Gruppe übernommen hätten.

Stillschweigen über Kaufpreis

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, hiess es weiter. Neben Portmann und Herbert (je 27 Prozent Anteil) hätten auch die Ernst Göhner Stiftung (42 Prozent) und das Schild-Management (4 Prozent) ihre Aktien an Globus verkauft.

Im Gegenzug beteiligen sich Portmann und Herbert mit einem zweistelligen Millionenbetrag an Globus und bleiben so dem Unternehmen langfristig verbunden. Herbert wird als Mitglied der Globus-Geschäftsleitung die operative Führung von Schild beibehalten. Portmann zieht in den Globus-Verwaltungsrat ein. (kle/sda)

Erstellt: 25.10.2013, 16:52 Uhr

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