Hayeks Idee des Öko-Autos lebt weiter

Ein Film zeigt, wie Nicolas Hayeks Idee eines Öko-Autos von den grossen Autokonzernen zerrieben wurde. Sie lebt jedoch weiter.

Am Ende konnte Nicolas Hayek den Smart präsentieren – es war jedoch nicht das Auto, das er sich gewünscht hatte.

Am Ende konnte Nicolas Hayek den Smart präsentieren – es war jedoch nicht das Auto, das er sich gewünscht hatte. Bild: Keystone

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Man spürt förmlich, dass es kein Treffen auf Augenhöhe ist. Auf der einen Seite des Konferenztisches sitzen die Swatch-Ingenieure mit ihren schlecht sitzenden Hemden. Ihr Chef Nicolas Hayek hat sie beauftragt, ein Auto «für zwei Personen und zwei Kisten Mineralwasser» zu entwerfen, das umweltschonend fährt und für jedermann erschwinglich ist. Auf der anderen Seite des Tisches sitzen Kadermänner aus dem VW-Konzern, sie tragen Anzug und Kravatte und machen den Schweizern mit ihrer forschen Art bald klar, dass sich der Autokonzern für ein wirbliges Projekt aus der Schweiz nicht neu erfinden wird.

Diese Szene 1991 am VW-Sitz in Wolfsburg eingefangen hat ein Filmteam rund um Nick Hayek. Der Sohn von Nicolas Hayek arbeitete damals für seine eigene Filmproduktionsfirma Sésame Films in Paris. Für einen Film über das «industrielle Abenteuer» Swatch-Auto ermöglichte ihm sein Vater den Zugang zu Sitzungen und internen Präsentationen. Nick Hayek war teilweise selbst Kameramann, überliess die Regie jedoch einem Kollegen. Fertiggestellt wurde der Dokumentarfilm erst 2003, als Nick Hayek eben Konzernchef der Swatch-Gruppe geworden war, nun wird er erstmals öffentlich gezeigt.

«Diese Waschlappen»

Trotz des kühlen Empfangs in Wolfsburg einigten sich die Swatch-Gruppe, die damals noch SMH hiess, und Volkswagen auf eine Zusammenarbeit. Ein Team unter der Leitung von Jacques Müller, dem Miterfinder der Swatch-Uhr, arbeitete an einem kleinen, bunten Auto «im Geiste des Käfers». Einem Prototypen bauten sie sogar einen Steuerknüppel ein, der das Steuerrad ersetzen sollte – Hayek fuhr selbst eine Proberunde. Schliesslich präsentierten die Entwickler ein knallgelbes Auto, das zuverlässig von vier Elektromotoren angetrieben wurde. Hayek war entzückt. Doch der neue VW-Chef verzog bei der Vorführung keine Miene. Der Mann namens Ferdinand Piëch – bis heute als wenig umgänglicher Manager in den Schlagzeilen – liess das Projekt scheitern.

«Diese Waschlappen, sie wollten keine Revolution», kommentiert Chefentwickler Müller die Trennung von VW im Film. Die anderen Autohersteller buhlten zwar um Hayek und sein Swatch-Auto, darunter auch Citroën, Peugeot und Opel. Doch für ein Elektromobil konnte sich keiner der Konzerne erwärmen – ihnen schwebte eher ein poppiger Kleinwagen vor, der mit dem Label Swatch vermarktet werden sollte. Dafür wollte Nicolas Hayek den Namen Swatch nicht hergeben. Es war ihm aber auch klar, dass er ohne Hilfe eines grossen Autobauers niemals ein Swatch-Auto in Serie würde produzieren können.

Die grösste Chance auf eine Umsetzung seiner Vision des umweltfreundlichen Autos sah er in einer Kooperation mit dem Mercedes-Hersteller Daimler-Benz. Dort arbeitete man bereits seit einigen Jahren an einem urbanen Kleinwagen. Doch die Geschichte wiederholte sich: Hayek wurde zum Juniorpartner, der Designer Johann Tomforde machte aus dem idealistischen Swatch-Mobil den schnittigen Smart. Der von Hayek angestrebte Verkaufspreis von maximal 12 000 bis 14 000 Franken konnte nicht eingehalten werden. Schliesslich kam der Smart einzig mit Dieselmotor auf den Markt – und nicht, wie anfänglich abgemacht, auch in einer Hybrid-Version.

Hayek machte gute Miene zum bösen Spiel und unterstützte die Lancierung des Smart mit seinem prominenten Gesicht und Namen. Doch die Marke Swatch war auf dem Auto nirgends zu sehen. Kurz nach der Lancierung 1998 verkaufte Hayek die Swatch-Anteile am Joint Venture an den Autokonzern. Der Smart verkaufte sich eher schlecht als recht, wird aber heute noch produziert.

Doppelt so gut wie die Konkurrenz

2007, drei Jahre vor seinem Tod, gründete Nicolas Hayek die Belenos Clean Power Holding – ein Unternehmen mit dem Zweck, erneuerbare Energie wirtschaftlich nutzbar zu machen (siehe Text oben rechts). Nicht ein ganzes Auto, sondern die Technologie dafür will das Unternehmen entwickeln. Nick Hayek führt das Engagement seines Vaters weiter. An der gestrigen Visionierung des Films in Zürich sagte er, Belenos habe eine Batterie für Elektroautos entwickelt, die um 50 bis 100 Prozent leistungsfähiger sei als alle anderen Lösungen auf dem Markt. Im Sommer 2016 soll die Batterie bereit sein für die Markteinführung. Die Zusammenarbeit mit einem Autohersteller stehte nicht im Vordergrund. Konkreter wollte Hayek nicht werden. «Wenn der Bedarf nach einer solchen Batterie da ist, werden wir Wege finden, sie einzusetzen.» Der Swatch-Konzernchef stellt in Aussicht, dass die neue Super-Batterie in der Schweiz hergestellt werden könnte. So geht das industrielle Abenteuer des Swatch-Autos doch irgendwie weiter.

Erstausstrahlung des Films «The Swatch Car Project» in zwei Teilen: am Montag, 4. Mai, und am Montag, 11. Mai, jeweils um 20.15 Uhr auf Star TV. (Der Bund)

Erstellt: 30.04.2015, 11:13 Uhr

Clooneys VR-Mandat

Er ist tatsächlich im Schweizer Handelsregister eingetragen, der US-Schauspieler George Clooney. Der langjährige Werbeträger der Swatch-Group-Marke Omega sitzt seit 2008 im Verwaltungsrat der Belenos Clean Power Holding AG mit Sitz in Biel. Nicolas Hayek gründete das Unternehmen 2007, um in den Bereichen Fotovoltaik, Brennstoffzellen und Batterien neue, ökologische Lösungen zu entwickeln. Das Unternehmen ist mit einem beachtlichen Eigenkapital von 63 Millionen Franken ausgestattet und gehört zu 49 Prozent der Swatch-Gruppe. Die weiteren Aktien teilen sich das von Nicolas Hayek gegründete Beratungsunternehmen Hayek Engineering, die Deutsche Bank, der Westschweizer Energiekonzern Groupe E, die Ammann Group, die ETH und das Paul-Scherrer-Institut.


Neben Clooney sitzen unter anderem auch Swatch-Konzernchef Nick Hayek, Swatch-Präsidentin Nayla Hayek und der Schweizer Astronaut Claude Nicollier im Belenos-Verwaltungsrat. Während das Unternehmen den Schwerpunkt zuerst auf Brenstoffzellen, also einen emissionsfreien Motor mit Wasserstoffantrieb, gelegt hatte, steht heute die Ent­wicklung von leistungsfähigen Batterien für Elektroautos im Vordergrund. Dazu arbeitet das Unternehmen mit der Batterienfabrik der Swatch-Gruppe zusammen, der Renata AG im basellandschaftlichen Itingen.
(sul)

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