«Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Banker der Welt»

Ein ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds geht mit dem Schweizer Leiter der Deutschen Bank hart ins Gericht. Die Bank sei «besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen».

Während Johnson einen Eigenkapitalanteil von 20 bis 45 Prozent fordert, hält die Deutsche Bank bloss 4 Prozent: Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson (links), Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (rechts).

Während Johnson einen Eigenkapitalanteil von 20 bis 45 Prozent fordert, hält die Deutsche Bank bloss 4 Prozent: Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson (links), Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (rechts). Bild: Reuters/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Simon Johnsons Worte haben Gewicht. Nicht nur, weil er einst Chefökonom des Internationalen Währungsfonds war – der für die internationalen Finanzmärkte eine überragende Bedeutung hat. Simon Johnson ist auch einer der renommiertesten Fachleute zum Thema Finanzmarktregulierung. Sein Buch «13 Bankers» ist wahrscheinlich das beste Buch über die Entwicklung der US-Finanzindustrie bis zur Krise. Sein Urteil über die Entwicklungen seither ist dramatisch: Die bisherigen Bemühungen, die Risiken durch die Banken unter Kontrolle zu bringen, seien ungenügend, eine weitere Krise hoch wahrscheinlich.

Bankmanager bleiben für Johnson daher eine Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft. Als einen der gefährlichsten unter ihnen bezeichnete Johnson in einem gestern von der deutschen «TaZ» veröffentlichten Interview den Schweizer Josef Ackermann, Chef der mächtigen Deutschen Bank und Präsident des Institute of International Finance, der weltweiten Lobbyorganisation der Banken. Das harte Urteil über den Schweizer begründet Johnson damit, dass Ackermann weiterhin darauf bestehe, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erreichen. «Ein so hoher Gewinn ist nur möglich, weil er genau weiss, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht», sagt Johnson.

Anreize zu besonders hohen Risiken

Was meint er damit? Eine derart hohe Eigenkapitalrendite lässt sich nur durch das Eingehen besonders hoher Risiken erreichen. Entweder reduziert eine Bank ihr Eigenkapital im Verhältnis zu den aufgenommenen Fremdmitteln dramatisch – was wegen schärferen Mindestkapitalregeln an Grenzen stösst –, oder sie geht operativ gefährlichere Wetten ein. Dank der impliziten Staatsgarantie für systemrelevante Banken haben die Banken jeden Anreiz, sich so zu verhalten. Denn gefährden die eingegangenen Risiken das Überleben einer solchen Bank, springen die Steuerzahler ein. Zahlen sie sich durch höhere Gewinne aus, profitieren die Banker mit höheren Zahlungen.

Den deutschen Finanzsektor hält Johnson für «sehr problematisch», und die Deutsche Bank ist seiner Meinung nach «besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen». Die bisher debattierten strengeren Vorschriften für die Banken hält der einstige IWF-Chefökonom für ungenügend: Basel III bringe «überhaupt nichts», da es von den Banken einen geringeren Eigenkapitalanteil verlange, als Lehman Brothers am Tag vor seiner Pleite hatte. Laut Johnson müsse der Anteil bei 20 bis 45 Prozent der Bilanzsumme liegen, im Fall der Deutschen Bank liege er bei nur 4 Prozent.

Josef Ackermann werden die Worte Johnsons kaum beeindrucken. Er hält schon die bisher vorgeschlagenen Regeln für zu weitgehend und spricht deutlicher als andere Banker bereits von einer kommenden Überregulierung.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.04.2011, 12:58 Uhr

Artikel zum Thema

Die Investmentbanker sollen es für Joe Ackermann richten

Der Chef der Deutschen Bank erklärt zweistellige Milliardengewinne zur Pflicht. Im Visier hat er eine Rendite von 25 Prozent. Mehr...

Nonnen verklagen Joe Ackermann

Irische Nonnen haben die Deutsche Bank und die US-Bank Morgan Stanley wegen Verlusten in Millionenhöhe während der Finanzkrise verklagt. Diese hätten «absichtlich oder fahrlässig» gehandelt. Mehr...

Basel III für Dummies

Gestern wurde in Basel Geschichte geschrieben. Die für die Banken weltweit wichtigsten Regulierungen werden komplett überholt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu den neuen Anforderungen. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bienenzüchter: Im spanischen Valencia protestieren Bienenzüchter für einen nachhaltigen und profitablen Sektor. Sie verlangen, dass die Etikettierung klar ist und beklagten den Preiszerfall. (11.Dezember 2018)
(Bild: Kai Foersterling/EPA) Mehr...