Kommt das Kind, sinkt die Produktivität – aber nur bei Frauen

Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass junge Mütter weniger produktiv sind als junge Väter oder kinderlose Frauen. Doch es steckt mehr als nur Ineffizienz dahinter.

Mutter in Zürich: Frauen übernehmen immer noch mehr Aufgaben in der Familie und im Haushalt als Männer.

Mutter in Zürich: Frauen übernehmen immer noch mehr Aufgaben in der Familie und im Haushalt als Männer. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Junge Eltern sind eigentlich Vorbilder in Sachen Effizienz. Hat man ein kleines Kind, muss man Tausende neue Dinge erledigen, auf unerwartete Situationen reagieren können und wird gezwungenermassen zum Planungstalent. Doch offenbar gilt das zumindest bei einem Teil der Eltern nicht auch für den Arbeitsplatz: bei den Frauen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der University of Chicago.

Die Ökonomin Yana Gallen untersuchte dafür dänische Arbeitsmarkt- und Demografiedaten und glich diese ab mit den Produktivitätsdaten von dänischen privaten Unternehmen. Ihr Ziel war es, auf diese Weise zu verstehen, warum es immer noch zur Lohnschere zwischen den Geschlechtern kommt.

Gallen verglich die Produktivität von Frauen mit Kindern, Frauen ohne Kinder, Männern mit Kindern und Männern ohne Kinder miteinander. Letztere waren die Basis, stellen also 100 Prozent Produktivität dar. Mütter im Alter zwischen 30 und 32 Jahren waren laut den Daten nur 87 Prozent so produktiv wie Männer ohne Kinder. Ihr Lohn lag bei 85 Prozent von dem der kinderlosen Männer. Mit steigendem Alter der Kinder nahm die Produktivität im Laufe der Jahre dann wieder zu. Doch schon der kurzzeitige Abfall reicht laut der Studie, um den Lohn nachhaltig zu beeinflussen.

Auch Frauen ohne Kinder werden schlechter bezahlt

Frauen im selben Alter und ohne Kinder erhielten allerdings auch weniger Lohn – 89 Prozent vom Lohn der Männer. Und das, obwohl sie gemäss der Studie eine Produktivität von 101 Prozent der kinderlosen Männer aufweisen. Eine Erklärung dafür, so heisst es in einem Artikel der University of Chicago zum Thema: Wenn Frauen in einem gewissen Alter sind, in einer Beziehung leben, vielleicht sogar in einer gemeinsamen Wohnung, dann gehen Arbeitgeber automatisch davon aus, dass sie bald Mütter werden – und zahlen präventiv schon einmal weniger. Insgesamt liessen sich durch die Analyse nur 8 Prozent der Lohnschere von 12 Prozent erklären.

Die Gewinner scheinen Männer mit Kindern zu sein. Sowohl ihre Produktivität als auch ihr Lohn lag deutlich über den Werten aller anderen untersuchten Gruppen.

Was die Erklärung für die Werte angeht, hält sich Yana Gallen zurück. Doch auch Diskriminierung könnte eine Rolle spielen – allerdings seitens der Kunden. So könnten diese etwa Vorurteile gegenüber Müttern haben und lieber mit Männern Geschäfte machen. Und das führt wiederzum dazu, dass der Output der Mütter sich verringert.

Mehr Arbeit zu Hause, weniger Überstunden

Aber auch die Tatsache, dass Frauen noch immer einen grösseren Teil der Arbeit im Haushalt auf sich nehmen, spielt eine Rolle. Denn dann können sie nach ihrer Arbeitszeit nicht weiterarbeiten. Männer – ob mit oder ohne Kinder – und kinderlose Frauen hingegen haben mit dieser Hürde weniger zu schaffen. Wenn man also die Arbeit pro bezahlter Stunden nehmen würde und alle Überstunden herausrechne, so könne es sein, dass die Mütter mindestens genauso produktiv sind wie alle anderen.

Derselbe Faktor könnte laut der Studie auch den Effekt haben, dass Mütter sich bei der Suche nach einem neuen Job tendenziell eher weniger stressige Positionen suchen als Männer oder kinderlose Frauen – weil sie eben nebenher noch die Arbeit zu Hause erledigen müssen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.07.2018, 16:19 Uhr

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