Korruptionsvorwürfe gegen Roche in Russland

Erst Novartis in Griechenland, jetzt Roche in Russland: Beide Pharmakonzerne sehen sich Vorwürfen ausgesetzt, Ärzte bestochen zu haben, damit diese entsprechende Pharma-Produkte bevorzugt anwenden.

Gegen den Basler Pharmakonzern Roche (Im Bild: CEO Severin Schwan) wird in Russland ermittelt.

Gegen den Basler Pharmakonzern Roche (Im Bild: CEO Severin Schwan) wird in Russland ermittelt.

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«Roche Russland wurde mit einer offiziellen polizeilichen Mitteilung über eine laufende Untersuchung zu möglicherweise betrügerischen Aktivitäten ehemaliger Mitarbeiter informiert», bestätigt Roche am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur sda eine Meldung der «Handelszeitung».

Laut russischen Medien sollen vier ehemalige Roche-Angestellte, die bis 2014 für Roche tätig waren, im Zentrum der Untersuchung stehen. Deren Wohnungen sollen untersucht worden sein. Razzien hat es laut «Handelszeitung» auch in den Roche-Büros in Moskau gegeben.

Vorwürfe an Roche

Von Roche heisst es dazu: «Alle Mitarbeitenden und alle, die im Namen von Roche tätig werden, sind zur Einhaltung des Verhaltenskodex der Roche-Gruppe verpflichtet, unabhängig davon, wo und in welchem Tätigkeitsbereich sie arbeiten.» Und weiter: Auch in Russland seien der «Verhaltenskodex, die lokale Gesetzgebung und relevante Richtlinien» in der Zusammenarbeit mit Vertretern des Gesundheitswesens verbindlich.

Bereits seit längerem wirft, ebenfalls laut «Handelszeitung», darüber hinaus der russische Konkurrent Bicad Roche Korruption vor. Einen entsprechenden Rechtsstreit vor einem New Yorker Gericht hatte Roche in erster Instanz für sich entschieden. Allerdings hat Biocad den Rechtsstreit Anfang Februar in ein zweitinstanzliches Verfahren weitergezogen.

Auch Novartis in der Kritik

Auch der zweite Basler Pharmariese Novartis sieht sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt: So soll Novartis in Griechenland Ärzte und Verwaltungsangestellte bestochen haben, um eigene Produkte zu lancieren. Die Vorwürfe zielen zudem auf ehemalige Mitglieder der griechischen Regierung.

Hinzu kommt, dass Novartis auch nach dem Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft 2010 noch «überteuerte» Medikamente verkauft haben soll. Insgesamt sollen solche Methoden Griechenland Ermittlern zufolge zwischen 2000 und 2015 etwa 23 Milliarden Euro gekostet haben. Anfang Februar reagierte Novartis gleich wie aktuell Roche, nämlich mit der Aussage, man arbeite mit den Behörden zusammen. (amu/sda)

Erstellt: 07.03.2018, 17:15 Uhr

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