Lidl: Der Geheimniskrämer, der Migros & Co das Fürchten lehrt

Der Discount-Riese Lidl legt in ein paar Wochen in der Schweiz los. Doch wer steht hinter dem Konzern? Vieles bleibt im Dunkeln. Sicher ist nur: Migros und Coop müssen sich auf einen äusserst unbequemen Konkurrenten einstellen.

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«Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihnen aus wettbewerbspolitischen Gründen keine detaillierten Angaben dazu machen können.» Wieder einmal blieb eine Anfrage des Journalisten beim Discounter Lidl unbeantwortet. Der deutsche Konzern bleibt auch vor seinem Markteintritt in der Schweiz seiner Kommunikationsstrategie treu: In der Öffentlichkeit gibt er nur soviel preis, wie es sein muss. Am liebsten aber kommuniziert er gar nicht.

Das gilt auch für die Spitzenmanager von Lidl: Dieter Schwarz, Gründer des Handelskonzerns Lidl & Schwarz meidet das Scheinwerferlicht wie der Teufel das Weihwasser. Von dem schweigsamen Schwaben lässt sich nur gerade ein Foto in den Archiven aufstöbern. Dabei gilt Schwarz als einer der reichsten Deutschen. Nur: So genau weiss man das nicht. Fast so unsichtbar sind auch die Manager von Lidl: Erst als der Ruf des Konzerns von Grund auf erschüttert wurde, weil öffentlich wurde, dass der Konzern seine eigenen Mitarbeiter bespitzelte, startete Konzernchef Klaus Gehrig eine PR-Offensive in den deutschen Medien und trat ausnahmsweise gar im Fernsehen auf. Doch auch PR-Arbeit will gelernt sein. Der Auftritt missriet – Gehrig erschien als arroganter, überheblicher Manager, der den Befragern mehrere Male ruppig übers Maul fuhr.

Beispiellose Expansion

Was man über den deutschen Discounter Lidl weiss: Hinter Aldi ist er in Deutschland die unangefochtene Nummer zwei – und macht gegenüber dem Branchenprimus Boden gut. Der Handelskonzern hat seit dem Jahr 1973, als Schwarz den ersten Laden eröffnete, eine beispiellose Expansion hinter sich. Der Schlüssel zum Erfolg: Schwarz kopierte das Aldi-Prinzip; das Angebot jedoch ist deutlich grösser und der Anteil Markenartikel höher. Mit dieser Strategie wuchs der kleine Bruder im Laufe der Jahrzehnte zum Erzfeind von Aldi heran. Und während Aldi in der deutschen Heimat stagniert, setzt Lidl sein stürmisches Wachstum fort: «Neben den 3000 bestehenden Filialen gibt es noch Platz für weitere 1000», erklärt Discount-Spezialist Matthias Queck von Planet Retail auf Anfrage von baz.ch/Newsnet.

Im Geschäftsjahr 2008 soll der Handelskonzern laut Schätzungen von Branchenkennern mehr als 59 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet haben. Insgesamt zählt die Kette 8'000 Filialen in 22 Ländern und beschäftigt über 170'000 Mitarbeiter. Täglich kommen neue Filialen hinzu. Und bis 2012 will das Unternehmen auch in den USA Fuss fassen. Nicht überall indessen konnte der deutsche Billiganbieter sich erfolgreich etablieren: In einigen Ländern ist die Expansion ins Stocken geraten: In Skandinvien tut sich Lidl schwer, aus Norwegen zog sich die Ladenkette Mitte 2008 gar zurück.

Verwirrendes Geflecht von Firmen und Stiftungen

Lidl kopierte aber nicht nur das Geschäftsmodell von Aldi: Was die Gesellschaftsstruktur betrifft, ist Lidl gar noch unübersichtlicher verschachtelt: Das Imperium setzt sich zusammen aus einem riesigen Geflecht aus Firmen und Stiftungen, zu welchen unter anderen auch die Warenhauskette Kaufland gehört. Dahinter steht eine gezielte Vernebelungstaktik: «Die Unternehmensgruppe will nicht als einheitlicher Konzern eingestuft werden, Mitbestimmungsrechte und Publizität werden damit auf einem Minimum gehalten werden», erklärt Queck. Lidl ist nicht zuletzt auch deshalb der Prügelknabe im europäischen Detailhandel: Immer wieder wurden Lidl aufgrund schlechter Arbeitsbedinungen kritisiert, er beute seine Mitarbeiter aus. Lidl-Einkäufer gelten als aggressiv, die Marktmacht wird ohne Wenn und Aber ausgenutzt.

Wie aggressiv Lidl in der Schweiz auftreten wird, bleibt auch wenige Wochen vor dem Start im Dunkeln. Nur tröpfchenweise gelangen Informationen an die Öffentlichkeit. Der Billiganbieter selbst erklärt auf Anfrage, man werde zehn Filialen im ersten Halbjahr 2009 eröffnen. Laut Konzernchef Klaus Gehrig will Lidl sein Filialnetz 2009 auf 80 Läden erhöhen. Den geheimen Starttermin in der Schweiz hält der schweigsame Riese immer noch geheim. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.01.2009, 16:30 Uhr

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